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Lübeck Schwebend in den Winter: Boote verlassen den Kanal
Lokales Lübeck Schwebend in den Winter: Boote verlassen den Kanal
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23:26 22.10.2016
Millimeterarbeit: Langsam hebt der Kran das Chriscraft-Schiff aus dem Wasser. Erst in der kommenden Saison wird das Boot wieder „abgeslippt“ und ins Wasser gelassen. Quelle: Fotos: Felix König

Mit den ersten Sonnenstrahlen rausfahren, entspannt durch das Wasser gleiten und die vorbeiziehenden Landschaften der Lübecker Bucht genießen. Damit ist es für dieses Jahr vorbei, denn mit dem Einzug des Herbstes geht auch die Saison auf dem Wasser zu Ende. Für die Schiffseigner ist es nun an der Zeit, ihr Boot aus dem Wasser zu holen und winterfest zu machen.

Zum Saisonende haben die Mitglieder des Lübecker Motorboot-Club (LMC) gestern ihre Schiffe „aufgeslippt“ und winterfest gemacht – Nun stehen Wartungsarbeiten an.

Der Verein

400 Mitglieder zählt der Lübecker Motorboot-Club in der Lachswehrallee.

Informationen zum LMC gibt es im Internet unter www.lmc-luebeck.de.

Aufslippen nennen die Skipper das Herausholen der Schiffe aus dem Wasser im Herbst, Abslippen das Einsetzen der Boote ins Wasser im Frühjahr.

Auf dem Gelände des Lübecker Motorboot-Clubs (LMC) in der Lachswehrallee herrscht Hochbetrieb. Etwa zehn Aktive des Vereins wuseln auf dem Gelände umher. Trotzdem geht alles ruhig und routiniert über die Bühne, jeder Handgriff sitzt. Langsam schwenkt der große gelbe Kran ein Boot nach dem anderen über das Ufer und setzt es behutsam auf der aus Stelzen gebauten Waschplatte ab. Mario Unger beobachtet genau, wie seine „Ran“, ein amerikanisches Chriscraft-Boot, über den Boden schwebt. „Ich glaube, das sieht alles ganz gut aus“, murmelt er und betrachtet die Unterseite seines Bootes. Es sei das erste Mal, dass er den Umzug ins Winterquartier miterlebt. „Vor einem halben Jahr haben wir das Boot gekauft, um mit der Familie ein bisschen herumzuschippern. Es ist unser erstes Schiff“, erzählt der 37-Jährige mit stolzem Blick auf die „Ran“, die gerade mit einem Hochdruckschlauch abgewaschen wird.

Stefan Brockmann hat derweil alles genau im Blick. Der Vizepräsident des LMC kennt die Abläufe am Saisonende in und auswendig und weiß, worauf beim „Aufslippen“ der Boote zu achten ist. 25 Schiffe holt das eingespielte Team in eineinhalb Tagen an Land. „Insgesamt sind es 80 Boote, die wir vom Verein aus dem Wasser gehoben haben, am vergangenen Wochenende haben wir bereits die Boote vom Stadtgraben aufgeslippt.“ Dabei legt der Verein viel Wert auf die Umwelt. „Bei uns ist die Besonderheit die Waschanlage, die eins unserer Mitglieder entworfen und gebaut hat.“ Das dreckige und schadstoffreiche Wasser der Anlage fließe nämlich nicht einfach ins Erdreich, wie er erklärt. „Es läuft über einen Abfluss in einen Kanal, von dort in ein Auffangbecken, dann in eine 5000 Liter fassende Reinigungsanlage und von dort aus wieder in den Hockdruckreiniger zurück.“ Die „Ran“ ist inzwischen sauber und wird auf ihren Winterplatz auf dem Gelände des Clubs verfrachtet. Der Kran hebt sich und wendet sich bereits dem nächsten Schiff zu.

Etwas wehmütig wirken die Skipper zwar, dass ihr geliebter Wassersport für die nächsten Monate vorbei ist. „Aber es gibt auch im Winter einiges zu basteln an dem Boot“, weiß Brockmann. Auf dem Plan steht unter anderem ein neuer Unterwasseranstrich, Öl-Wechsel und die Motor-Wartung. Dann können die Bootsbesitzer auch in der kommenden Saison, die Mitte April beginnt, wieder sicher durch die Wellen gleiten.

 Elisabeth Riedel

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