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Lübeck Schwere Vorwürfe am UKSH: Sind OP-Bestecke verdreckt?
Lokales Lübeck Schwere Vorwürfe am UKSH: Sind OP-Bestecke verdreckt?
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09:13 01.09.2016
 Mitarbeiter des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) klagen an, dass ein Großteil der OP-Siebe, in denen sich die Instrumente befinden, verunreinigt sei Quelle: dpa

Viele Operationen müssten angeblich abgesagt werden, um Gefährdungen der Patienten zu vermeiden. „Oft befinden sich am OP-Besteck Blut oder Haare, obwohl es aus der Sterilisation kommt“, behaupten Mitarbeiter. Das Gesundheitsministeriums bestätigt, dass es vom UKSH über die Vorgänge informiert wurde.

Bis zu 70 Teile befinden sich in einem OP-Sieb. Nach jedem Eingriff werden die Metallbehältnisse „entsorgt“ und an die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) gegeben. Die ZSVA hat allerdings aus Sicht von Mitarbeitern ein gravierendes Problem: Die Bestecke würden oft schmutzig ausgeliefert. In vielen Abteilungen sind die Siebe abgezählt. Eins habe das Team pro Tag in Reserve, aber wenn das zweite auch verunreinigt ist, müsse die Operation ausfallen. Der Patient liege derweil schon auf dem OP-Tisch.

Das UKSH wehrt sich gegen die Vorwürfe, räumt aber ein: „Von Mai bis Juni ist es zu Engpässen aufgrund steigender OP-Leistungen und differenzierter Siebbestückung bei gleichzeitiger Personalfluktuation in der ZSVA gekommen“, so Sprecher Oliver Grieve. Das habe zu einer erhöhten Zahl zu beanstandender Siebe geführt.

Aufs Jahr gesehen würden von 90 000 Sterilguteinheiten allerdings nur 0,6 Prozent beanstandet. Auch das Gesundheitsministerium wurde informiert: „Die Klinikleitung hat eine Liste von Gegenmaßnahmen vorgelegt und umgesetzt. Unseres Wissens hat es keine Gefährdung von Patienten gegeben“, sagt Staatssekretär Rolf Fischer.

Weil die OP-Schwestern aufpassen, komme das verunreinigte Besteck nicht zum Einsatz, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. „Für die Patienten muss man sich bei jeder Absage eine Ausrede einfallen lassen. Man will die Leute ja nicht verrückt machen“, erzählen die Mitarbeiter. Ein Notfall sei dazwischen gekommen, heiße es deshalb oft. Und sie gehen sogar noch weiter. „Man spürt überall, dass gespart wird, an den Handschuhen oder den Braunülen beispielsweise.“

Ein weiterer Mitarbeiter berichtet, dass anfangs bereits der Patient in Narkose versetzt war, ehe man feststellte, dass die Operation ausfallen müsse. „Die Reinigungsgeräte werden nur zu Dreiviertel befüllt, damit die Desinfektion schneller geht. Nur so schaffen die Mitarbeiter ihre Schlagzahl“, glaubt er.

Dabei werden die Instrumente offenbar nicht immer sauber. Normalerweise dauert es fünf Stunden, bis das Sieb wieder ausgeliefert werden kann. Eineinhalb Stunden nimmt die Reinigung in Anspruch, die gleiche Zeit die Sterilisation. Dazu müssen die Siebe nach Vorgabe gepackt und überprüft werden. Arbeiten kann in der ZSVA jeder, ein Fachkundekurs reicht aus.

Den LN wurde aktuell kein Fall berichtet, in dem ein Patient gefährdet gewesen sein soll. Zuletzt war das UKSH 2015 in die Kritik geraten, weil sich in Kiel multiresistente Keime ausgebreitet hatten. Maike Wegner

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