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Lübeck Schwierige Sanierung im Langhaus
Lokales Lübeck Schwierige Sanierung im Langhaus
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18:25 10.09.2016
Baubesprechung: Projektleiterin Petra Haberjoh vom Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck und Architekt Bernhard Brüggemann betrachten die Mauerkrone, die aufgrund fehlender Schwelle ein Stückchen nach außen gewandert ist. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Eigentlich war es ein Grund zur Freude – und die kam auch tatsächlich auf, als Stiftungsverwalter Klaas-Peter Krabbenhöft im Mai erfuhr, dass der Bund die Sanierung des Heiligen-Geist-Hospitals mit 400000 Euro unterstützt. Damals hatte man den zweiten Bauabschnitt, die Arbeiten am Langhaus mit den Kabäuschen, begonnen (die LN berichteten).

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Arbeiten im Heiligen-Geist-Hospital verzögern sich, die Kosten steigen – Kontamination sorgte für Unruhe.

Und dann der Schreck: Balken der ohnehin stellenweise maroden Dachkonstruktion seien kontaminiert, hatten Zimmerleute festgestellt. Also wurde ein Umweltsachverständiger aus Bad Schwartau mit einem Gutachten beauftragt. Von deutlichen zeitlichen Verzögerungen war die Rede, von einer nicht minder deutlichen Verteuerung und von Arbeiten in Schutzbekleidung und unter größten Sicherheitsmaßnahmen.

Inzwischen hat sich die Aufregung ein wenig gelegt. Ja, man fand kontaminierte Stäube in den Dachbalken, die daher stammten, dass bei der Teilsanierung des Dachstuhls Ende des 19. Jahrhunderts ein Teerprodukt für die Eichenbalken verwendet wurde. Eine Spezialfirma hat diese Stäube inzwischen fachgerecht abgesaugt.

Nachdem die Stäube weg waren, entdeckte man ein weiteres Problem: Im 19. Jahrhundert hatte man die eigentlich auf voller Länge auf der Mauerkrone aufliegenden Eichenholzschwellen an einigen Stellen einfach weggelassen und nur eine Sparrensicherung vorgenommen. Ergebnis: An diesen Stellen tritt die Mauerkrone deutlich nach außen, droht also irgendwann herauszubrechen. „Grand Malheur“ (großes Unglück), beschreibt Architekt Bernhard Brüggemann von der Arbeitsgemeinschaft historische Bauten diese Situation, die die Statik deutlich beeinflusse. Wobei man bedenken müsse, welche Lasten zu tragen seien, misst das Langhaus außen doch 80 Meter mal 25 Meter. Auch hier muss also deutlich nachgebessert werden. An anderen Stellen wurden inzwischen marode Schwellen bereits gegen neue Eichenbalken aus lübschen Forsten ausgetauscht. „Ein intakter Dachstuhl“, so Brüggemann, „ist für die Standsicherheit der Außenwände von großer Bedeutung.“

Apropos: Vertikale Risse im Mauerwerk des Langhauses zeigen, dass sich die Außenwände bewegen. Am Ostgiebel des Langhauses zeigten Risse innen und außen, dass das Gebäude insgesamt auseinandergegangen ist. Und auch die Fenstergewände zeigen starke Schäden.

Dennoch: Auch Denkmalpfleger Florian Scharfe findet es beachtlich, dass dieses Gebäude nun schon sieben Jahrhunderte überdauert hat. Bei unserer heutigen Bauweise, vermutet er, „würde solch eine Konstruktion noch nicht einmal 70 Jahre überstehen“. Und Brüggemann weist darauf hin, dass heute eine solche Konstruktion wie die des Langhauses überhaupt nicht mehr zulässig sei.

Die unlängst entdeckten Schäden sorgen dafür, dass die Bauzeit für den zweiten Abschnitt, das Langhaus, sich von zwei auf drei Jahre verlängert. Was Stiftungsverwalter Krabbenhöft in seiner unaufgeregten Art als nicht weiter dramatisch ansieht, „denn das gibt uns Zeit, wieder neue Mittel zu generieren.“ Was auch nötig ist, denn die Kosten für die Sanierung des Langhauses sind von zuletzt 3,3 auf nunmehr 3,6 Millionen Euro gestiegen.

Der Hobbykünstler-Markt im Oktober und der Weihnachtsmarkt des Verbandes Frau und Kultur sind laut Krabbenhöft durch die Bauverzögerung nicht gefährdet: Jedes Jahr im Oktober wird das Innengerüst im Langhaus abgebaut. Erst im Januar wird es wieder errichtet, um die Sanierungsarbeiten fortführen zu können. Dann, so hoffen die Sanierer, ohne weitere Überraschungen.

Die Sanierung

1284 wird die älteste noch bestehende Dachkonstruktion des Langhauses geschaffen. Ende des 19. Jahrhunderts wird saniert, die letzten größeren Arbeiten finden in den 1970er-Jahren statt.

2014 beginnt der erste Bauabschnitt: die Sanierung der Westfassade mit ihren Türmen, die im Spätsommer 2015 beendet ist. Der zweite Abschnitt – das Langhaus – unterteilt sich in drei Etappen, aktuell ist man bei der ersten.

Sabine Risch

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