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Lübeck Schwieriges Jahr 2015: Hafen rutscht in die roten Zahlen
Lokales Lübeck Schwieriges Jahr 2015: Hafen rutscht in die roten Zahlen
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20:49 30.12.2015
Steuert die Lübecker Hafen-Gesellschaft durch schwere See: Chef Sebastian Jürgens (52). Er hat den Job seit Januar 2014 inne. Quelle: Fotos: Maxwitat

 Im Frühjahr ging Chef Sebastian Jürgens noch von vier Millionen Euro Minus aus. „2015 war ein schwieriges Jahr — aber es ist besser gelaufen als erwartet“, sagt der LHG-Chef, der selbst keine Zahlen nennt. Hart getroffen hat die LHG der Weggang des finnischen Papierherstellers UPM vom Nordlandkai. Rostock hat UPM abgeworben. Die LHG hat dadurch Einnahmen in Millionenhöhe und 420000 Tonnen Papierumschlag verloren.

Außerdem: Durch den Weggang von UPM sind 84 Jobs am Nordlandkai weggefallen. LHG, Tochtergesellschaften und Hafenbetriebsverein haben 810 Arbeitsplätze. „Das Abbauprogramm ist in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung geschehen“, sagt Jürgens. Einige der Mitarbeiter seien nach Hamburg gewechselt. „Und wir haben viele individuelle Lösungen gefunden“, sagt der LHG-Chef. Unter anderem haben Mitarbeiter auch Abfindungen erhalten. Jürgens ist froh, dass der Abbau von Arbeitsplätzen ruhig über die Bühne ging. Zudem scheint der LHG-Chef ein Händchen für seine Mitarbeiter zu haben. In 15 Monaten hat er vier Tarifverträge verhandelt — ein Novum. Denn Hafenleitung und Gewerkschaften lagen seit dem Einstieg der Deutschen Asset 2008 als Minderheitsgesellschaft (37,5 Prozent) miteinander im Clinch. Die Friedenspflicht gilt jetzt bis Mitte 2015.

Den Verlust der Ladung und den Einnahmerückgang am Nordlandkai hat die LHG teilweise auffangen können. Sie hat drei neue Holzkunden gewonnen, zudem wird dort jetzt auch Splitt umgeschlagen. Aber der Nordlandkai nahe der Innenstadt bleibt das Sorgenkind, seit UPM den Standort verlassen hat. Die LHG hat dort teilweise Flächen vermietet — und Geräte wie Tugmaster aussortiert und verkauft. Das nächste Problemfeld wird der Schlutupkai. Denn im kommenden Jahr werden wieder zwei Großkunden die LHG verlassen. Die schwedischen Unternehmen SCA sowie Iggesund gehen nach Kiel — und werden dort eine Million Tonnen Forstprodukte, Stückgüter und Rohmaterialien umschlagen. Am Schlutupkai bricht die Ladung um 650000 Tonnen ein — das ist die Hälfte des dortigen Umschlags. Das bedeutet auch für 2016 weniger Ladung, weniger Einnahmen und den Verlust von mindestens 85 Jobs.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Das Geschäft von Schiff und Schiene boomt. Knapp 100 000 Container hat die LHG-Tochter Baltic Rail Gate verladen. Pro Woche werden 48 Zugabfahrten vom Skandinavienkai zu sieben Destinationen angeboten. Zum Vergleich: 2014 waren es 88000 Container und 44 Zugabfahrten pro Woche. Auf dem Fahrplan neu: Karlsruhe. Ansonsten fahren die Züge nach Hamburg, Köln, Duisburg, Ludwigshafen und Verona in Italien. „Wir haben bewusst auf unbegrenztes Wachstum gesetzt“, erklärt Jürgens. Die LHG hat zudem ein Netzwerk aufgebaut, so dass Kunden aus dem Ruhrgebiet jetzt eine direkte Fahrt nach Stockholm buchen können. Der Weg geht per Schiene zum Skandinavienkai, mit dem Schiff nach Malmö oder Trelleborg und per Schiene weiter bis in die schwedische Hauptstadt.

Jürgens Plan hat drei Punkte: Er will Lübeck zu d e m Logistikzentrum an der Ostsee machen. So können Kunden ihre Waren per Schiene an den Skandinavienkai schicken. Dort sortiert sie die LHG nach ihrem Bestimmungsort auf die Züge — und schickt sie per Schiff nach Schweden, Finnland oder in andere Länder. Je mehr Destinationen angefahren werden, desto größer das Angebot für die Kunden.

Zweitens setzt die LHG auf das Russland-Geschäft. Im November hat sie dort ein Büro eröffnet und bereits einen Papierkunden an Land gezogen. „Wir wollen stärker auf dem russischen Markt aktiv sein“, so Jürgens. Punkt Nummer drei: Es sollen neue Waren in der Hansestadt umgeschlagen werden. Holz und Splitt sind bereits dazugekommen. „Wir wollen weitere Gut-Arten nach Lübeck holen“, gibt Jürgens als Parole aus. Denn das Papiergeschäft schrumpft. Dennoch macht Jürgens klar: „Papier wird unser Kerngeschäft bleiben. Das ist unsere Spezialität.“

Rekordjahr bei der LHG-Tochter Baltic Rail Gate

97 000 Container hat Baltic Rail Gate am Skandinavienkai vom Schiff auf die Schiene gebracht — so viel wie noch nie. Im Vorjahr verlud die Tochtergesellschaft der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) 88200 Container.

7 Destinationen werden vom Skandinavienkai per Bahn angefahren. Zwölf Mal geht es pro Woche nach Ludwigshafen am Rhein, elf Mal steht Duisburg auf dem Plan, acht Mal Karlsruhe, sechs Mal Verona in Italien, jeweils fünf Mal geht es nach Hamburg und Köln sowie ein Mal nach Novara nahe Turin.
48 Züge fahren jede Woche vom Skandinavienkai ab. 2014 waren es noch 44 Anfahrten.

Josephine von Zastrow

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