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Lübeck „Seeschlacht“ wird restauriert
Lokales Lübeck „Seeschlacht“ wird restauriert
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Hausherr und Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) begutachtet die Schäden am wuchtigen Gemälde, das im Roten Saal hängt. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

20000 Euro kommen von der Possehl-Stiftung und weitere 10000 Euro von der Engelbert und Hertha Albers-Stiftung aus Hamburg. Diese Stiftung hilft nach Angaben von Hausherr und Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) immer wieder beim Erhalt des Rathauses, hat schon Geld gegeben für das Erker-Zimmer, den Bürgerschaftssaal und den Audienzsaal.

Die Zeit hat Spuren hinterlassen. Eines der bekanntesten Gemälde in Lübeck soll nun wieder in frischen Farben erstrahlen. Die „Seeschlacht bei Gotland“ des Marinemalers Hans Bohrd wird für 30000 Euro restauriert. Die Bürgerschaft hat in ihrer jüngsten Sitzung zwei Spenden angenommen.

„Das Gemälde hat schlicht durch Zeitablauf gelitten“, stellt Saxe fest, „die Farben sind verblasst, weil sich über die Jahrzehnte eine Schicht von Partikeln darübergelegt hat.“ Der Rote Saal ist ein intensiv genutzter Raum. Hier tagen regelmäßig der Senat und politische Ausschüsse, hier finden Pressekonferenzen und Tagungen statt, hier wurden feierlich Verträge unterzeichnet. „Stark gelitten hat auch der Rahmen“, sagt Saxe, „an dem sich durch die stetige Nutzung des Raumes Schadstellen durch Stühlerücken und sonstige Karambolagen ergeben haben.“ Diese Schäden sollen durch Fachleute behoben werden. Außerdem soll das Gemälde nach der Restaurierung besser ausgeleuchtet werden. Nach Angaben des städtischen Gebäudemanagements (GMHL) bleibt das wuchtige Werk dabei an Ort und Stelle. Die Arbeit der Restauratoren werde mit den Nutzungszeiten des Roten Saales getaktet, sagt GMHL-Chef Dennis Bunk.

Die „Seeschlacht“ ist ein Geschenk des früheren Senators Emil Possehl an seine Heimatstadt. 1901 übergab der Unternehmer das Gemälde an Lübeck. Das Werk stellt einen Kampf am 30. Mai 1564 dar, bei dem das Lübecker Kriegsschiff „Der Engel“ das schwedische Admiralsschiff „Mars“ versenkte. Zwei Tage lang dauerte das Gefecht in der Ostsee zwischen den Inseln Öland und Gotland. 16 dänische Großschiffe unter der Führung von Admiral Herluf Trolle sowie zehn Lübecker Großschiffe unter der Führung von Admiral Friedrich Knebel standen 16 schwedischen Großschiffen gegenüber, die von Admiral Jakob Bagge kommandiert wurden. Im Verlauf des Schlagabtausches wurde die „Mars“ vom Lübecker Flaggschiff und von zwei weiteren Schiffen geentert. Dabei fing das schwedische Schiff Feuer und explodierte. Zahlreiche der 880 Schweden, Dänen und Lübecker, die sich auf dem Schiff aufhielten, wurden durch die Explosion getötet, verbrannten oder ertranken. Die „Mars“ sank schließlich am 31.

Mai 1564 auf eine Tiefe von 75 Metern.

Ende Mai 2011 fanden die Brüder Richard und Ingemar Lundgren, die 20 Jahre lang nach dem Wrack gesucht hatten, die Trümmer auf dem Ostseegrund – „ein gigantischer Haufen Hölzer, ein Sensationsfund“, berichteten die LN. Zweieinhalb Jahre später folgte der nächste Sensationsfund. Diesmal im Archiv der Hansestadt. Die Historikerin Dr. Dagmar Hemmie entdeckte einen siebenseitigen Bericht mit einer genauen Schilderung des historischen Seegefechts und des Untergangs der „Mars“. Das Dokument verbarg sich unter den 1,1 Regalkilometern an Akten, die vor über 20 Jahren aus Archiven der DDR und UdSSR wieder nach Lübeck gekommen waren.

 Von Kai Dordowsky