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Lübeck Segelkutter "Greif" ist geborgen
Lokales Lübeck Segelkutter "Greif" ist geborgen
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22:02 28.12.2015
Seit heute morgen um 7 Uhr läuft die Bergung der "Greif". Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

 Die Rettungsaktion begann viel früher als erwartet – und sie klappte wie am Schnürchen: In einem perfekt abgestimmten Einsatz wurde der am 21. Dezember gegen 2.30 Uhr im Museumshafen gesunkene Ostseekutter „Greif“ gestern von einem Longuet-Kran vom Grund der Trave gehoben und liegt nun wieder am Kai. Vermutlich schon am Dienstag wird das Schiff zu einer Werft im Vorwerker Hafen gebracht. Warum der gut 15 Meter lange Kutter vor einer Woche in nur anderthalb Stunden spontan sank, steht noch nicht fest. Eine große Leckage konnten Fachleute gestern nach der erfolgreichen Bergungsaktion zwar nicht feststellen, aber der Holzrumpf nimmt Wasser.

Bergung der "Greif"

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Am Montag Morgen begann die bergung des Segelkutters.

Die schwierige Bergung des Ostseekutters, der in den 1960er Jahren gebaut worden war, sollte eigentlich erst am 9. Januar stattfinden. Doch dank der engen Zusammenarbeit von Schiffseignern, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei, Feuerwehr, Wasserbehörde, Bergungsunternehmen, Hafenmeister René Gies und Taucher Armin Lutz wurde das Schiff in Rekordzeit vom Grund der Trave gehoben und mit drei THW-Hochleistungsgeräten leergepumpt.
„Ich habe mit wesentlich mehr Schwierigkeiten gerechnet, das Boot hochzuholen“, sagte Taucher Armin Lutz, der von allen Einsatzkräften den mit Abstand härtesten Job hatte. Und der begann gestern gegen 9 Uhr. Lutz taucht zum Kutter, filmt den Rumpf, befestigt Seile für die Winden. Dann zieht das THW das auf der Seite liegende Schiff sorgsam aus dem Schlamm und bringt es unter Wasser wieder auf Kiel.

Es folgt der nächste Job von Taucher Armin Lutz, der ein Experte für alte Schiffe ist. Er zieht an Bug und Heck Seile unter dem Rumpf durch, mit deren Hilfe wenig später die kraftstrotzenden Haltegurte des Autokrans unter dem Kutterrumpf verlegt werden. Noch unter Wasser positioniert Armin Lutz drei THW-Hochleistungspumpen im Rumpf des Schiffes.

Es ist 10.45 Uhr: Der Longuet-Autokran (Tragkraft 220 Tonnen) geht an der Untertrave in Position. Dann geht alles Schlag auf Schlag.
11.30 Uhr: Ganz sachte spannen sich die unter dem Schiff verlegten Gurte. Wie ein rohes Ei wird das 45<TH>Tonnen schwere Schiff angehoben, scheint förmlich an die Wasseroberfläche zu schweben. Es vergehen nur ein paar Minuten, dann ist das Deck über Wasser. Die Pumpen werden angeworfen. Pro Minute werden mehr als 1000 Liter Wasser aus dem Schiffsrumpf befördert. Man sieht förmlich die „Erleichterung“ des Schiffes, das in kurzer Zeit aus der Trave wächst.

12.09 Uhr: Der Kutter ist geborgen. Der Duisburger Schiffseigner, der namentlich nicht genannt werden möchte, geht unter Deck, „begreift“ seine „Greif“. Er kommt zur selben Erkenntnis, wie Taucher Armin Lutz bei seiner Unterwasser- Außenkontrolle zwei Stunden zuvor („Es ist nichts zu erkennen.“) Der Schiffseigner: „Ich bin durchs ganze Schiff gekrochen und habe nichts gefunden.“ Wo nur gab es den massiven Wassereinbruch? Erst vor ein paar Monaten war der Kutter in der Werft. Auch damals wurden keine schweren Schäden festgestellt.

Deshalb ist es ein Rätsel, warum ein Schiff, das keine sichtbare Leckage hat, so schnell sinken konnte. „Auch alle Ventile waren zu“, betont der Schiffseigner. Unerklärlich ist auch, warum die drei neuen Lenzpumpen an Bord nicht in der Lage waren, das eindringende Wasser abzupumpen. Eine Vermutung, so Hafenmeister René Gies: „Es muss ein starker Wassereinbruch gewesen sein, dem die Pumpen nicht gewachsen waren.“ Klar ist nur, dass der Kutter um Punkt 2.25 Uhr sank. Zu diesem Zeitpunkt blieb an Bord die Uhr stehen.

Der Umweltschaden, den die Schiffshavarie verursachte, ist nach Aussage von Sabine Machinia von der Wasserbehörde gering. Die „Greif“ hatte kaum Kraftstoff an Bord. Wenn alles klappt, wird der Kutter heute zur Werft geschleppt. Spätestens dort wird man das Leck finden. Unter „Verdacht“ steht eine Planke auf der Backbord-Seite knapp oberhalb der Wasserlinie. Möglicherweise ist sie gebrochen.

Bleibt noch eine Frage an den Taucher, der in Malente seit 20 Jahren eine Tauchschule betreibt: „Wie hart war der Job?“ Lutz: „Zwei Stunden unter Wasser sind wie acht Stunden an Land.“

Torsten Teichmann

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