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Lübeck Seit 100 Jahren Sprachrohr des Hafens
Lokales Lübeck Seit 100 Jahren Sprachrohr des Hafens
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22:26 10.08.2018
Die Nördliche Wallhalbinsel um 1894. Schuppen E steht schon, die Drehbrücke hat noch einen Schornstein.
Lübeck

Elf Firmen gründen die Vereinigung 1918 in Lübeck – eine der ersten dieser Art in Deutschland. Und es ist auch ein Lübecker Schiffsmakler, der sich bei der Einsetzung der nationalen Vereinigung Gehör bei der damaligen Reichsregierung verschafft. „Seit diesem Tag gilt unser Wirken zum Nutzen der maritimen Wirtschaft Lübecks“, sagt Philipp Geißler, Chef der Vereinigung, die die gemeinsamen wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder schützt und gegenüber der Hansestadt Lübeck, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Vereinen und Verbänden und allen sonstigen Stellen vertritt. Der Verein ist aktives Mitglied im Zentralverband der Deutschen Schiffsmakler. „Ob es die Umstellung von Kohle auf Öl als Treibstoff – Segel waren dann doch schon ein geringerer Anteil –, die Einführung des Containers oder der Bau des Skandinavienkais in Travemünde waren. Die Vereinigung hat sich stets mit eingebracht und sowohl wohlwollend als auch kritisch Entwicklungen im Hafen begleitet“, so Geißler.

Einmal im Jahr bitten sie zum Schiffsmakleressen, beleuchten die aktuelle Situation des Lübecker Hafens – und setzen gern mal die Politik auf den Pott: Jetzt feiert die Vereinigung Lübecker Schiffsmakler und Schiffsagenten ihr 100-jähriges Bestehen in der Hansestadt.

Einst gab es im Lübecker Hafen kaum einheitliche Systeme oder Frachtraten. Für Holzfrachten beispielsweise gab es nur unterschiedliche Längen- und Gewichtseinheiten, genauso wenig hatte der Telegramm- und Morseverkehr mit Schiffen eine klare Richtlinie. Das wollte die neue Vereinigung besser machen. Und sie trug maßgeblich zum Wachstum des Lübecker Hafens bei, wurde zum sprichwörtlichen Sprachrohr der maritimen Wirtschaft.

Gesellschaftlicher Höhepunkt ist das seit 1976 ausgetragene Schiffsmakleressen in der Schiffergesellschaft zu Lübeck – inzwischen ein weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekanntes Ereignis mit dem Zweck, Geschäftliches für die Mitglieder und Gutes für die Gesellschaft in Form einer Spendensammlung zusammenzubringen. Es ist die traditionelle Tellersammlung, deren Erlös Kinderhilfsprojekten zugute kommt. Wenn zusammen gespeist wird, findet der Vorsitzende meist auch Gelegenheit, sich den Akteuren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu widmen und Bilanz zu ziehen. Und das nicht nur im positiven Licht, auch kritische Töne sind stetiger Begleiter dieses Resümees und Zukunftsausblicks. „Die Anpassung von Hafeninfrastruktur und Suprastruktur an Anforderungen vorhandener und zukünftiger Schiffsgrößen und Ladungsströmen muss oberste Priorität behalten“, fordert Geißler. Zufrieden zeigen sich die Schiffsmakler über die Anstrengungen, den Elbe-Lübeck-Kanal auszubauen. Dafür hatten sie gemeinsam mit der Stadt Lübeck, der IHK, dem Nautischen Verein und weiteren Akteuren gekämpft. „Der Kanal steht für uns auch weiterhin ganz oben auf der Liste der standortrelevanten Infrastrukturprojekte“, so Geißler.

„Aktuelle Entwicklungen im Verbandsleben machen auch vor der Vereinigung nicht Halt“, befürchtet Geißler. „So wissen wir nicht, ob wir auch das 200-jährige Bestehen feiern werden.“

Gleichwohl sei das 100-jährige Jubiläum ein Grund zum Feiern, Innehalten und Dankesagen an Wegbegleiter und Mitwirkende, so der Schiffsmakler-Chef. „Auch in Zukunft werden wir uns für unsere 21 Mitgliedsfirmen mit über 800 Mitarbeitern und knapp 1000 Schiffen einsetzen.“

Aber jetzt wird erstmal gebührend gefeiert. Am 29. August geht es um 18 Uhr ins Restaurant Newport an die Trave. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) hat sein Kommen zugesagt.

Von Rüdiger Jacob

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