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Lübeck Seit 140 Jahren werden Segel gesetzt
Lokales Lübeck Seit 140 Jahren werden Segel gesetzt
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21:26 24.10.2017
Wolf-Rüdiger Grohmann (l.) und der Vorsitzende des Stettiner Yacht-Clubs (StYC), Hartmut Maertzke, vor dem Clubhaus. Quelle: Fotos: Prey/grohmann/styc
Lübeck/Bad Schwartau

„Es gibt nicht viele Seglervereine, die auf so eine lange Tradition zurückblicken können“, sagt Wolf-Rüdiger Grohmann. Der 71-Jährige gehört dem Verein selbst seit 1956 an. Er kümmert sich mittlerweile um die Vereinshistorie – keine ganz einfache Aufgabe, denn die noch vorhandenen Zeugnisse der Geschichte sind überschaubar. Schließlich hatten die Menschen, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs 1945 vor den russischen Truppen aus Stettin in den Westen geflüchtet sind, andere Probleme.

Der Stettiner Yacht-Club (StYC) hat auf der Teerhofsinsel sein zweites Zuhause gefunden. Inzwischen ist der Club seit mehr als 30 Jahren am toten Arm der Schwartau angesiedelt. Doch der Ursprung des Vereins liegt viel weiter zurück. Am Sonntag, 29. Oktober, wird Geburtstag gefeiert – auf den Tag genau 140 Jahre nach der Gründung in Stettin.

Besondere Gäste

Am Sonntag wird es zum 140. Bestehen einen Empfang in der Lübecker Schiffergesellschaft geben. Zugesagt haben unter anderem Mona Küppers (Präsidentin des Deutschen Seglerverbandes), Piotr Owczarski (Vorsitzender des Vereins Stettin unter Segeln) sowie Lübecks Sportsenatorin Kathrin Weiher.

Walter Schell, der Vorsitzende des Stettiner Yacht-Clubs, landete auf seiner Flucht in Lübeck. Auf seine Initiative erfolgte 1948 die Eintragung des Clubs in das Vereinsregister (VR 840) des Amtsgerichts in Lübeck, der Patenstadt Stettins. „Rund 30 Mitstreiter aus dem früheren Stettiner Verein hat er in Lübeck wieder zusammengebracht“, berichtet Grohmann. An die Fortsetzung der Stettiner Tradition erinnert heute auch eine große Metallplatte an der Eingangstür zum Clubhaus auf der Teerhofsinsel. „Das Original ist in Bronze und liegt als Bodenplatte in der Stettiner Strandpromenade“, berichtet Wolf-Rüdiger Grohmann.

Wo der Verein seine Wurzeln hat, wird auch in der Vereinsstandarte deutlich – ein roter Greifenkopf mit ausgeschlagener roter Zunge auf blauem Grund entspricht genau dem heutigen Stadtwappen Stettins. Die Historie wird in dem Verein zwar hochgehalten, aber sie spielt schon seit vielen Jahren nicht mehr die Hauptrolle. „In den 50er und 60er Jahren war der Verein schon ein Anziehungspunkt für Vertriebene, die wieder segeln wollten“, berichtet Club-Chronist Grohmann. „Zahlreiche Segler aus der gesamten Region um Lübeck, Kiel und Hamburg kamen in dem Club zusammen.“ So unterhielt der StYC bis 2013 sogar noch eine kleine Vereins-Außenstelle an der Alster in Hamburg.

Inzwischen spielen die Wurzeln des Vereins bei den rund 160 Mitgliedern keine Rolle mehr. „Ich bin vor zehn Jahren hier gelandet, weil mein Bruder hier schon aktiv war“, berichtet Hartmut Maertzke (57), der in diesem Jahr den Vorsitz im Verein übernommen hat. Er lobt das Vereinsleben und das unaufgeregte Miteinander. „Mitglied im Stettiner Yacht-Club zu sein, war früher ein gesellschaftliches Statement. Das hat mit uns heute aber gar nichts zu tun“, erklärt Maertzke. Die Mitgliederstruktur des Vereins ist bunt durchmischt – Handwerker, Dienstleister, Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte sind dabei. Und die Mitglieder kommen nach wie vor aus der gesamten Region. Etwa 55 Eignerboote liegen im Clubhafen, 20 in Travemünde und anderen Häfen. Bevor der Verein 1983 das Erbpacht-Grundstück auf der Teerhofsinsel von der Hansestadt Lübeck bekam und in Eigenarbeit das Clubhaus errichtete, hatte der StYC sein Domizil in Travemünde.

Obwohl der Verein laut Grohmann „ziemlich in der Einöde“ direkt an der Stadtgrenze von Lübeck und Bad Schwartau liegt, gibt es 20 Jugendliche, die von C-Trainer Roland Hübner an den Segelsport herangeführt werden. „Das ist im Vergleich zu anderen Vereinen wirklich eine ganz ordentliche Zahl“, bestätigt Maertzke, der als Vorsitzender des StYC jetzt in eine polnische Jury für außergewöhnliche Leistungen im Segelsport berufen wurde. „Das ist eine erstaunliche Geste“, sagt Grohmann.

 Von Sebastian Prey

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