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Lübeck Seit 160 Jahren Bündnis der Kaufleute
Lokales Lübeck Seit 160 Jahren Bündnis der Kaufleute
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22:01 18.09.2013
Nicolaus Lange mit der Kaufmannsrolle (die ein Buch ist) im „Großen Gemach“ der Kaufmannschaft im Haus Breite Straße 6-8. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Sie ist „Sprachrohr und Netzwerk der Wirtschaft“ und setzt sich für wirtschaftliches Wachstum in der Region Lübeck ein: So umreißt Geschäftsführer Nicolaus Lange die Zielsetzung der Kaufmannschaft zu Lübeck, an der sich seit 160 Jahren nichts geändert hat. In einer Woche, am 26. September, wird das Jubiläum gefeiert.

Der Wille, die Kräfte zu bündeln, führte zur Gründung der Kaufmannschaft. Denn bis 1853 gab es in Lübeck keine gemeinsame Organisation der Kaufleute, sondern acht sogenannte Kollegien. Es existierten damals noch die Kaufleute- Kompanie, Rigafahrer, Schonenfahrer, Stockholmfahrer, Novgorodfahrer, Gewandschneider, Bergenfahrer und Krämer. Lange: „Die Zersplitterung erwies sich als ein großes Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt mit ihrer reichen Vergangenheit.“

Im Juni 1853 wurde der Zusammenschluss der acht Kompanien zur Kaufmannschaft rechtskräftig. Die Mitglieder wählten einen Vorstand, den sie „Handelskammer“ nannten. Von diesem Zeitpunkt an verwaltete diese Handelskammer das Vermögen der Kompanien. Am 16. August 1953 fand die erste Versammlung der Kaufmannschaft statt und wählte 18 Kaufleute zu Mitgliedern.

85 Jahre lang bildeten Kaufmannschaft und Handelskammer eine Einheit. Erst im Zuge des „Groß-Hamburg-Gesetzes“ wurde 1938 die institutionelle Verbindung zwischen Kaufmannschaft und Handelskammer aufgehoben. Beide Organisationen erhielten den Status einer selbstständigen Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Kaufmannschaft ist deshalb die Mutter der heutigen Industrie- und Handelskammer.

Und sie war 85 Jahre lang quasi die „Besitzerin“ des Lübecker Hafens, weil sie die Lübecker Kaianlagen und die Hafenschuppen verwaltete. 1938 übernahm die neugegründete Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) diese Aufgabe. Die historische Verbindung zum Lübecker Hafen ist bis heute bei der Kaufmannschaft spürbar, die sich Sorgen macht um das „Herzstück“ des Lübecker Wirtschaftsstandortes. Lange:

„Die Stellung des Lübecker Hafens ist gefährdet: zum einen durch die weltweite Rezession des Schiffsverkehrs, zum anderen durch die einseitige Ausrichtung auf die Warengruppen Papier und Kraftfahrzeuge.“ Eine strategische Ausrichtung des Hafens in Hinblick auf eine engere Kooperation mit anderen Häfen an der Ostsee sei nicht erkennbar.

Wie sich die Bilder gleichen: Die Sorge der Kaufmannschaft um den Wirtschaftsstandort Lübeck war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so groß wie heute. Zur Zeit der Gründung der Kaufmannschaft war die Finanzierung der notwendigen Infrastrukturmaßnahmen angesichts der prekären Finanzlage Lübecks kaum möglich. Lange: „Eine Staatsschuld von 25 Millionen Courantmark lastete auf der Stadt.“

Auch heute braucht die Hansestadt nach Aussage der Kaufmannschaft neue Wirtschaftskraft, um von ihrem Schuldenturm herunterzukommen. Doch die Stadt, so kritisiert die Kaufmannschaft, halte trotz ihrer großen Fläche von 214 Quadratkilometern nicht genug Gewerbefläche vor. Eine größere Industrieansiedlung wäre zurzeit nicht möglich. Die Schaffung von interkommunalen Gewerbegebieten sei angesichts der durch die feste Fehmarnbeltquerung zu erwartenden zusätzlichen Verkehrs- und Warenströme von entscheidender Bedeutung.

Aus Kollegien entstanden
600 persönliche Mitglieder aus Industrie, Groß- und Einzelhandel, Dienstleistungen, dem Handwerk sowie den freien Berufen (Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) gehören der Kaufmannschaft zu Lübeck an. Ihren Ursprung hat die Kaufmannschaft in den handeltreibenden Kollegien. So gehört zu den Vorvätern der Kaufmannschaft der Lübecker Kaufmann, Mäzen und Ratsherr Thomas Fredenhagen (1627 bis 1709), der als Reeder zu großem Reichtum kam. Die Büste Fredenhagens (Foto) steht im „Fredenhagenzimmer“ im Haus der Kaufmannschaft in der Breiten Straße.

Torsten Teichmann

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