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Lübeck Seit 315 Jahren für Lebende und Tote da
Lokales Lübeck Seit 315 Jahren für Lebende und Tote da
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20:43 21.10.2016
Die Travemünder Totenlade, eine Sterbeversicherung auf Gegenseitigkeit, wird in diesem Jahr 315 Jahre alt. Die Mitglieder Heike und Christine Wiechmann (v. l. ) gucken im Lübecker Stadtarchiv die originalen Unterlagen an. Quelle: Majka Gerke

Eine Beerdigung für einen geliebten Menschen zu organisieren, ist nicht nur eine emotionale Belastung, sondern auch eine finanzielle. Das haben vor genau 315 Jahren auch eine Reihe von Travemünder Bürgern so gesehen und die Travemünder Totenlade gegründet. Diese Sterbeversicherung, die auf Gegenseitigkeit basiert und zu den ältesten Vereinigungen in Travemünde gehört, feiert nun Jubiläum.

Die Gründung der Sterbekasse beruht auf tragischen Umständen. Denn als Ende des 17 Jahrhunderts die Pest in der Hansestadt wütete, wurde auch der Stadtteil an der Travemündung nicht verschont.

Besonders den ärmeren Bewohnern machte die Seuche schwer zu schaffen. Sie waren häufig nicht in der Lage, den verstorbenen Familienmitgliedern ein ordentliches Begräbnis auszurichten. 1701 gründeten daher einige Travemünder eine Schutzgilde zur gemeinsamen Selbsthilfe. Die Travemünder Totenlade war geboren.

„Es waren 115 Männer und 44 Frauen, die die Satzung unterschrieben haben.“ Heike Wiechmann sitzt, mit einer Lupe in der Hand, im Lübecker Stadtarchiv vor den Original-Unterlagen und zeigt die Unterschriften auf dem alten Dokument. Mit feinem Pinselstrich sind auf einer großen Pergament- Rolle von 1701 die Satzungsbedingungen der Totenlade festgehalten. „Im Nahmen der heiligen Dreifaltigkeit, Grund und zu wissen sey hiermit das wir Erstunterzeichnete Bürger und Einwohner zu Travemünde“ steht dort als Einleitung notiert.

Gingen Urkundenrollen und Kontenbücher früher von Ältermann zu Ältermann, liegen die wertvollen Unterlagen seit 2012 im Stadtarchiv der Hansestadt. Auch das St. Annen-Museum hatte Interesse daran.

Doch der Vorstand der Travemünder Totenlade stellte sich lange quer. „Die Stadt wollte die Unterlagen lange haben, aber man wollte das nicht nach Lübeck geben“, sagt Heike Wiechmann.

Heike Wiechmann und ihre Schwester Christine sind schon seit ihrer Jugend Mitglied bei der Totenlade. „Früher war es so, dass man zum 15. Geburtstag das Mitgliedsformular auf den Geburtstagstisch bekam“, erzählt Heike Wiechmann. Ihre Eltern haben sie damals einfach angemeldet. „Ich wusste da lange gar nichts von“, sagt sie. Für die beiden Schwestern stand ein Austritt aus der Sterbekasse nie zur Debatte. Wer austritt, bekommt seine eingezahlten Gelder nicht wieder. „Es beruht ja auf Gegenseitigkeit“, sagt Christine Wiechmann.

Bis zum 49. Lebensjahr kann man in die Sterbekasse eintreten, die früher nur für Travemünder und ihre Nachkommen offen stand. Ab dem 65. Lebensjahr sind die Mitglieder sogar beitragsfrei versichert.

„Heute kann jeder Mitglied werden, egal wo er wohnt“, sagt Kassenwart Jürgen Holst. Gab es 1997 noch rund 300 Mitglieder, sind es jetzt nur noch um die 100. Rund 100000 Euro hat die Sterbeversicherung angesammelt. „Sollen alle Mitglieder auf einen Schlag sterben, können wir trotzdem alle Erben auszuzahlen“, sagt Jürgen Holst.

Wurde früher noch einmal im Jahr ein so genannter Hebungstag gefeiert, an dem sich die Mitglieder getroffen und ihren Beitrag bezahlt haben, läuft heute alles per Banküberweisung und Dauerauftrag.

„Treffen tun wir uns trotzdem noch, doch viele kommen nicht mehr“, sagt Jürgen Holst. Er ist seit 2004 Kassenwart des Vereins, genau wie sein Vater vor ihm. Nun sucht der Verein neue Mitglieder.

Maximal 60 Euro im Jahr kostet die Versicherung, die meisten zahlen weniger ein. „Aber mit dem Höchstbetrag kriegen die Nachkommen ungefähr die Kosten für eine Seebestattung abgedeckt. Das ist doch nicht schlecht.“

Mitglieder gesucht

Der Verein sucht neue Mitglieder. Maximal 60 Euro im Jahr kostet die Versicherung, die im Todesfall dann 2600 Euro an die Erben auszahlt. Mit dieser Summe können die Nachkommen ungefähr die Kosten für eine Seebestattung bezahlen.

Bis zum 49. Lebensjahr kann man in die Sterbekasse eintreten, die früher nur für Travemünder und ihre Nachkommen offenstand.

Interessierte können sich beim 1. Vorsitzenden Karl-Heinz Sülberg unter Telefon 04502/889990 melden.

mg

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