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Lübeck Sellschopp-Haus: Unbekannte stehlen den Grundstein
Lokales Lübeck Sellschopp-Haus: Unbekannte stehlen den Grundstein
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09:55 27.06.2017
Baggerfahrer Heiko Fronder ist mit Abbrucharbeiten des alten Sellschopp-Hauses in der  Moislinger Allee beschäftigt.  Quelle: Holger Kröger
Buntekuh

Gerade erst gefunden und jetzt schon wieder weg. Beim Abriss des Sellschopp-Hauses ist ein Baggerfahrer der Firma Grabowski in einem Kellerraum auf den 1907 gelegten Grundstein der ehemaligen Lübecker Vereinsbrauerei gestoßen. Da die Arbeiter nach dem Fund keine Möglichkeit hatten, die schwere Granitplatte von der Baustelle zu transportieren, lagerten sie den Grundstein über das Wochenende auf der eingezäunten Baustelle. Gestern morgen war der Fund dann plötzlich verschwunden.

Beim Abriss des Gebäudes fand ein Arbeiter die historische Platte. Seit gestern ist das schwere Stück weg.

„Das ist schon schade“, sagt Dirk Grabowski, Juniorchef des Abrissunternehmens. „So etwas finden wir nicht alle Tage. Wir wollten die Platte dem Bauherren übergeben, schließlich ist es sein Grundstück.“ Deswegen habe man auch die Polizei eingeschaltet. Und die ermittelt jetzt wegen Diebstahls. Und zwar wegen eines ziemlich „schweren“ Diebstahls: „Die Platte wiegt sicher 100 Kilo und war sogar mit drei Mann kaum zu heben“, berichtet Dirk Grabowski. Nach dem Freilegen habe man sie mit dem Bagger transportieren müssen. Woraus folgt: Es waren vermutlich mehrere Personen am Werk.

„Vielleicht mit einer Sackkarre oder Ähnlichem“, sagt Dirk Grabowski. Leider, so der Juniorchef, seien Diebstähle auf Baustellen keine Seltenheit.

Warum aber überhaupt jemand auf die Idee verfallen ist, einen Grundstein zu stehlen, bleibt schleierhaft. „Es ist eine Granitplatte“, berichtet Firmenchef Bernd Grabowski. Der Materialwert halte sich also sehr in Grenzen. Bleibt das „noblere“ Motiv der Geschichtsversessenheit. Vielleicht wollte einfach jemand ein Stück Gebäudehistorie an sich nehmen, bevor das Sellschopp-Haus endgültig verschwunden sein wird. Immerhin ist das Haus in der Moislinger Allee über 100 Jahre alt: 1907 hatte die ehemalige Vereinsbrauerei Lübeck ihr Werk dort bauen lassen, wenige Jahre später fusionierten sie mit der Brauerei Lück. Die Betriebsstätte wurde aufgegeben, und seit 1935 nutzte das Gebäude Friedrich Wilhelm Sellschopp, der dort die Norddeutsche Reifen-Neugummierungs-Fabrik betrieb.

2001 erwarb schließlich Lidl das über 6000 Quadratmeter große Areal. Ursprünglich, um dort eine Filiale zu eröffnen. Mittlerweile haben sich die Pläne geändert, und es sollen Wohnungen entstehen. Der Abriss hatte sich in diesem Jahr verzögert, weil überwinternde Fledermäuse in den alten Mauern entdeckt wurden. Jetzt aber ist die Firma Grabowski mit ihrer Arbeit fast fertig – sogar der Grundstein ist schon weg. Ironie kann man meinen; war er doch das Einzige, was man behalten wollte.

 Luisa Jacobsen

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