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Lübeck „Serienkratzer“ schlägt wieder zu
Lokales Lübeck „Serienkratzer“ schlägt wieder zu
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20:57 25.01.2017
Böse Überraschung: Im Lack von Svenja Krügers Auto sind tiefe Kratzer entstanden. Unbekannte haben am Wochenende in der Viktoriastraße gewütet. Quelle: Holger Kröger
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St. Jürgen

Tief ist der Riss, der in dem dunklen Lack des VW von Svenja Krüger prangt. In der Viktoriastraße sind mehrere Autos mutwillig zerkratzt worden. Zum wiederholten Mal, wie die Polizei bekannt gibt. Geht in der Wohnstraße ein „Serienkratzer“ um, der es auf die Fahrzeuge der Anwohner abgesehen hat?

„Bei der Polizeistation Hüxtertor wurden elf Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung erstattet“, erklärt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. Der Sachschaden belaufe sich auf zirka 6000 Euro. Zwischen Sonnabend gegen 17 und Sonntag um 12.24 Uhr haben Unbekannte die Autos beschädigt. „Ich habe morgens nur gesehen, wie meine Nachbarn an ihren Autos standen“, sagt Svenja Krüger. Ihr sei sofort klar gewesen, worum es wieder einmal gehen musste. Denn die Anwohner der Viktoriastraße werden regelmäßig Opfer von Sachbeschädigungen. „Seit Jahren passiert das immer wieder, irgendeiner läuft hier rum und zerkratzt die Wagen“, sagt Krüger. Bisher habe sie immer Glück gehabt, aber am Wochenende traf es auch ihren VW. „Die Leute müssen echt Langeweile haben“, sagt Krüger genervt, als sie über die dicken Kratzer streicht.

Dass die Anwohner der Viktoria straße morgens ihre kaputten Autos vorfinden, ist keine Seltenheit: Insgesamt zehn Fahrzeuge wurden im September 2013 bis auf die Grundierung zerkratzt. Fast genau ein Jahr zuvor passierte das Gleiche mit etwa acht Autos. In beiden Fällen lagen die Schäden im fünfstelligen Bereich. Im Juli 2007 fielen ganze 40 Wagen den Vandalen zum Opfer. Zwei Monate später wurden wieder 30 Autos mit spitzen Gegenständen zerkratzt. „Und es war nicht nur ein einziger Kratzer, sondern die Autos wurden von vorne bis hinten beschädigt“, sagt Günther Thiele (79). Der lebt schon lange in der Nachbarschaft und weiß, dass die Viktoriastraße regelmäßig zum Tatort wird.

Auch der Wagen von Michael Kuhn trägt nun einen hellen Streifen an der Seite. „Mit 60 Zentimetern ist der noch klein, bei meinem Nachbarn ist der Schaden allerdings richtig heftig“, erzählt er. Dass der Schaden bei 6000 Euro liegen soll, hält Kuhn für unterdimensioniert. „Mein Wagen wurde schon einmal zerkratzt und ich musste ihn reparieren lassen – bei elf Autos kommt man mit 6000 Euro nicht hin.“ Dem willkürlichen Vandalen sei man hilflos ausgesetzt, denn Alternativen gibt es in der Nähe nur wenige. „Die Kratzer sind so tief, dass das mit einem Cuttermesser oder etwas Ähnlichem gemacht worden sein muss“, sagt Kuhn. Viele Anwohner würden die Schäden an den Autos manchmal auch gar nicht mehr anzeigen, sagt er.

In der Straße gibt es viele Spekulationen und Vermutungen. „Es stand schon im Raum, dass jemand aus der Nachbarschaft hier sein Unwesen treibt“, erzählt Anwohnerin Sabine Bühl. Drei Mal hat sie ihr Auto in den letzten Jahren schon zum Lackierer geben müssen. „Dieses Mal habe ich nichts abbekommen“, so Bühl. Über 2000 Euro habe sie schon für die Kratzer-Reparaturen bezahlt. „Mit der Polizei und den Anwohnern gab es dann vor einigen Jahren ein Treffen, bei dem wir eine Lösung finden wollten. Das war aber kaum möglich“, berichtet die Anwohnerin. Allerdings sei es nach dem Treffen ruhig geworden. „Und das ist schon sehr verdächtig.“ Wie viele Bewohner der Viktoriastraße fürchtet Bühl nun, dass der Auto-Hasser wieder zurück ist. „Es ist doch einfach unglaublich, dass über Monate verschiedene Leute unsere Autos zerkratzen“, sagt sie. Die Art und Weise der Beschädigung lasse den Schluss zu, dass man nicht zufällig an die Autos stieß. „Bei der Viktoriastraße handelt es sich um eine Einbahnstraße“, erklärt Polizeisprecher Dürbrook. Tatsächlich seien auf beiden Seiten der Fahrbahn geparkte Fahrzeuge von der Sachbeschädigung betroffen. Da den Ermittlern der Polizeistation Hüxtertor bisher noch zielführende Ermittlungsansätze fehlten, hofft die Polizei um Hinweise aus der Bevölkerung. Unter der Telefonnummer 0451/709 82 95 können sich Zeugen melden.

Von Tomma Petersen

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