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Lübeck So baut man heute: Architekten präsentieren ausgewählte Häuser
Lokales Lübeck So baut man heute: Architekten präsentieren ausgewählte Häuser
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18:15 11.06.2016
Bauherr Jörg Hackmann aus Münster zeigt, dass der Innenhof seines historischen Dielenhauses in der Fleischhauerstraße mehrere Jahrzehnte lang komplett überbaut war. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (4)

Es muss schlimm ausgesehen haben. Das kleine Lübecker Dielenhaus aus dem 15. Jahrhundert war 1961 zu einer Produktionsstätte für eine Druckerei umgebaut worden. Auf die Gotlandplatten in der Diele waren 40 Zentimeter Beton aufgebracht – und der Innenhof war komplett überbaut worden. „Das Haus war völlig entstellt“, berichtet Architekt Thomas Schröder-Berkentien – und das durch einen renommierten Architekten. Gestern präsentierten Schröder- Berkentien und Bauherr Jörg Hackmann am landesweiten „Tag der Architektur“, wie „ein verloren geglaubtes Kulturdenkmal wiederhergestellt wurde“.

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Landesweiter „Tag der Architektur“: 20 Objekte zwischen Ahrensburg und Flensburg können besichtigt werden – Vom Eigenheim zum Forschungsgebäude.

Geld braucht man dazu, viel Geld. Geduld und erfahrene Fachleute. Jörg Hackmann, von Hause aus Historiker, hat vor 20 Jahren schon einmal ein Altstadthaus saniert. Er wusste, worauf er sich einlässt.

„Trotzdem kauft man immer die Katze im Sack“, erzählt der Bauherr aus Münster. Durch Zufall wurde er auf das Gebäude in der Fleischhauerstraße 85 aufmerksam. Weil seine Schwiegermutter Geld übrig hatte, investierte Hackmann in die Sanierung. 70 000 Euro kostete allein der Abriss der Druckerei. Eineinhalb Jahre dauerte die Sanierung. Hackmann schätzt, dass er insgesamt rund eine Million Euro in das Gebäude investiert hat. Unterstützung kam von der Possehl-Stiftung. „Ohne die Stiftung“, sagt Schröder-Berkentien, „geht es nicht.“

Der Ärger während der Sanierungszeit habe sich in Grenzen gehalten, berichtet der Bauherr. Es gab Abstimmungsprobleme mit Nachbarn, ein Mitarbeiter der Denkmalpflege habe zwei Monate gebraucht, bis er eine Entscheidung zu den Dachpfannen getroffen hatte, im Hof wurde eine Kloake archäologisch untersucht, und drei Tage, bevor die ersten Mieter einziehen sollten, war die Holztreppe noch nicht eingebaut. Heute leben in dem Dielenhaus drei Mietparteien, und im Erdgeschoss hat die Modeschöpferin Margrit Edelhoff ihr Geschäft. Bei der Führung, an der über 50 Bürger teilnahmen, musste der Architekt noch eine Kritik an den Stadtwerken loswerden. Die würden ihre Hausanschlüsse querbeet verlegen, und wenn ein Bauherr die an einer Stelle konzentrieren will, werde er dafür noch kräftig zur Kasse gebeten.

Solche Probleme kennt Familie Pöhlsen nicht. Ihr Haus im Neubaugebiet „St. Hubertus“ ist etwas mehr als zwei Jahre alt. Zusammen mit dem Architekturbüro Mißfeldt & Kraß haben Kathrin und Stephan Pöhlsen das 175 Quadratmeter große Haus geplant. Quadratisch, praktisch, hochwertig sind die Kennzeichen der Immobilie, für die die kleine Familie eine gute halbe Million Euro inklusive Grundstück investiert hat. „Wir haben vorher in einer Dreizimmer-Wohnung im dritten Stock gewohnt“, erzählt Kathrin Pöhlsen. Die Idee, eine fertige Immobilie zu kaufen, haben sie schnell beerdigt. „Der Markt ist leergefegt“, sagt die junge Mutter.

Das Neubaugebiet im Süden Lübecks biete in der Nähe Schulen, Kitas und Einkaufsmöglichkeiten. „Das Grundstück mit Blick auf den Wald und den Landgraben hat uns auf Anhieb gefallen“, erzählt Stephan Pöhlsen. Dass Häuslebauer einen Architekten beauftragen und nicht einen Bauträger, sei heutzutage nicht mehr üblich, erklärt Tobias Mißfeldt den 25 Besuchern. Häuser dürften aber nicht nur dem Bauherren gefallen, sondern seien auch der Öffentlichkeit verpflichtet, sagt der Lübecker Architekt. Im Neubaugebiet „St Hubertus“ sei das nicht überall gelungen.

Programm für heute

Das CBBM, das Center of Brain, Behavior and Metabolism der Uni, kann um 11 Uhr besichtigt werden, hier war eine Voranmeldung erforderlich. Um 11 Uhr wird das Ganghaus in Käselaus Gang 13 gezeigt. Um 12.15 Uhr werden die Außenanlagen des CBBM erklärt. Um 13 Uhr kann in der Torstraße 16 in Travemünde ein saniertes Fischerhaus besichtigt werden. Um 14 Uhr präsentiert das Uniklinikum das Gebäude 33 auf dem Campus.

Kai Dordowsky

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