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Lübeck So bunt war der Wahlkampf
Lokales Lübeck So bunt war der Wahlkampf
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11:48 05.11.2017
Wanted: Mit originellen Plakaten wirbt Detlev Stolzenberg (57, parteilos).
Lübeck

Das schönste Wahlkampf-Erlebnis? Für Senatorin Kathrin Weiher (parteilos) klar: der kleine Mika. Der Sohn ihrer Wahlkampfmanagerin wollte unbedingt eine Karte mit ihrem Konterfei samt Unterschrift. Jetzt hängt Weiher zwischen all den prominenten Fußballstars an seiner Pinnwand. „Das fand ich toll“, sagt Weiher. Und die kleinen Begegnungen mit den Menschen in der Stadt haben ihr am besten gefallen. „Wenn ich an der Ampel stehe und die Leute sagen: ,Ich drück’ Ihnen die Daumen‘“, sagt Weiher. CDU, Grüne, Linke, BfL und FDP unterstützen die Parteilose.

Originell, provokant, traditionell: Selten war der Kampf um das Bürgermeisteramt so bunt. Jetzt geht er nach gut sechs Wochen zu Ende. Was bleibt, sind sechs Kandidaten mit vielen positiven Erlebnissen und der Hoffnung, morgen möglichst viele Stimmen der Lübecker zu bekommen.

Im Schlussspurt hat Weiher neu plakatieren lassen. Auf den großen Werbeträgern ist sie zu sehen mit dem Schriftzug „Lübeck braucht Lösungen und seriöse Politik“. Sie hat sich bewusst für diesen traditionellen Stil entschieden. „Es ist ein ernsthaftes Amt, um das ich mich bewerbe“, sagt Weiher. Heute hat sie noch prominente Unterstützung: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist mit ihr im Citti- Park am Wahlkampfstand, zieht anschließend mit ihr durch Schönböcken und macht Haus-zu-Haus- Wahlkampf. Ebenfalls im Schlepptau: die Vertreter der Parteien, die Weiher unterstützen. Sonntag geht Weiher mit ihrem Mann in die Jakobi-Kirche und die Schiffergesellschaft, abends geht’s ins Rathaus.

„Ich hatte noch nie so viel Spaß beim Wahlkampf“, sagt Jan Lindenau (SPD). Und als Fraktionschef hat er schon einige mitgemacht. Am besten hat ihm „der direkte Kontakt zu den Menschen“ gefallen – beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf. „Da trifft man auf Menschen, die nicht zu Wahlveranstaltungen kommen“, sagt er. 400 Lübecker hat er auf diese Art persönlich getroffen – es waren allesamt positive Begegnungen, bis auf sieben. „Die Menschen finden gut, dass ein Lübecker und junger Mensch antritt“, sagt Lindenau.

Er hat vor zwei Wochen noch einmal neue Plakate aufgehängt – darauf zu sehen ist er selbst, wie er mit anderen Menschen auf den Betrachter zugeht. „Lübecks Zukunft fest im Blick“ ist dort notiert.

Heute ist Lindenau auf dem Brolingplatz. Am Wahlsonntag ist Familientag – und abends geht’s ins Rathaus.

„Ich hab Sie schon gewählt“, das hat Detlev Stolzenberg (parteilos) öfter von Briefwählern gehört, wenn er Menschen bei seinen Spaziergängen durch die Stadtteile getroffen hat. Am besten hat ihm gefallen, wenn er dorthin gegangen ist, wo sich Menschen sowieso treffen: zum Essen ins Stadtteilhaus Hansering oder zum Frühstück bei der Awo. „Dann kommt man sehr ungezwungen ins Gespräch und hört, was die Menschen bewegt.“

Seine neuen Plakate hängen seit Dienstag an den Werbeanlagen der Wall AG. Fünf verschiedene Motive sind es mit Schriftzügen wie „Du bist wichtig“, um daraufhinzuweisen, dass die Stadt Dienstleister ist für die Bürger, oder „Deine Zeit ist kostbar“ thematisiert die Stausituation. Heute hat Stolzenberg einen Termin in Krummesse um 11 Uhr. Dort will er mit dem Bürgermeister und den Krummessern über interkommunale Themen reden, denn in dem Ort leben 1100 Lübecker – und 2000 Lauenburger. Am Wahlsonntag geht er mit seiner Frau zu den Nordischen Filmtagen ins Kino. Abends ist er im Rathaus.

Für die anderen drei Kandidaten ist der Wahlkampf gelaufen. „Ich verteile noch die letzten Flyer“, sagt Thomas Misch (Freie Wähler). Ihm hat der Wahlkampf „sehr viel Spaß“ gemacht. Vor allem die Misch-Brot-Aktion am Bahnhof war ein Höhepunkt für ihn. Dort hat er extra gebackenes Brot an Pendler verteilt. „Sehr viele Leute haben gesagt: ,Ich drück Ihnen die Daumen‘“, berichtet Misch. Am Sonntag will er Fahrradfahren – und am Abend geht es ins Rathaus.

Das schönste Erlebnis hatte Joachim Heising (parteilos) am späten Abend in der Falkenstraße. Er hat Plakate aufgehängt und wurde von einer Frau angesprochen. Sie kannte sich ziemlich aus in Sachen Politik, und Heising hat sich mit ihr eine gute Stunde unterhalten. „Das war richtig nett, sehr positiv“, sagt Heising. Auch er verteilt jetzt noch Flyer – und wird sich am Wahlsonntag im Rathaus tummeln.

Die Sache mit der Pizza hat Ali Alam am besten gefallen. Da ist der Kandidat der Satire-Gruppe „Die Partei“ in die Bürgerschaft gekommen und hat eine große Pizza verteilt. „Das war am schönsten, weil ich allen eine Freude machen konnte“, sagt Alam. Der „Akt der spontanen Freundlichkeit“ gehört für Alam zum Wahlkampf-Programm. Am Wahlsonntag ist er nicht im Rathaus, sondern will sich mit seinen Helfern in der „Bar 12“ in der Clemensstraße treffen – zur Wahlfreudenparty.

 Von Josephine von Zastrow

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