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Lübeck In Lübeck fehlt es an günstigem Wohnraum
Lokales Lübeck In Lübeck fehlt es an günstigem Wohnraum
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06:00 15.04.2019
Torsten Kärlin, Prokurist der Grundstücksgesellschaft „Trave“, zeigt eine 63 Quadratmeter große Wohnung in Moisling, die lange leer stand und die nur 320 Euro kalt kostet. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Mai 2015 in Kücknitz: Bei einem Richtfest appellierte der damalige Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) an die Wohnungswirtschaft: „Sie müssen eine Schippe drauflegen, sonst erleben wir in absehbarer Zeit eine Wohnungsnot.“ Das Wort war vor vier Jahren in Lübeck noch tabu, die Wohnungswirtschaft wiegelte auch sofort ab. Heute sind Wohnungsnot, Wohnungskrise oder Wohnungsmangel Standard-Vokabeln auch in der Hansestadt. Und viele diskutieren, was getan werden müsste.

Bei einem Richtfest in Kücknitz mahnte der damalige Bürgermeister Bernd Saxe (SPD, M.) an, dass die Wohnungswirtschaft „eine Schippe drauflegen muss.“ Quelle: LN-Archiv

Keine teuren Luxusimmobilien mehr

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm fordert einen Abriss-Stopp. Das haben die Unabhängigen auch schon getan. Die BfL bringt immer wieder ihren Vorschlag ins Gespräch, leerstehende Läden in Wohnungen umzuwandeln. Grüne und Linke haben im Januar gefordert, dass in den kommenden drei Jahren in Neubaugebieten nur noch Geschosswohnungen entstehen dürfen. Fraktionsvorsitzende Michelle Akyurt (Grüne): „Wir dürfen die immer knapper werdenden Flächen nicht für teure Luxusimmobilien verschwenden.“

Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins, befürchtet, dass die Zahl bezahlbarer Wohnungen in Lübeck weiter sinken wird. Quelle: 54°/Christian Schaffrath

Leerstände und verzweifelte Suche

Ist die Lage an der Trave wirklich so dramatisch? Wer sich auf den einschlägigen Immobilienportalen im Internet tummelt, findet jede Menge Wohnungen – teure genauso wie günstige, große genauso wie kleine. Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins, erlebt bei seinen Beratungen Bürger, die zwei Jahre nach einer neuen Bleibe suchen. Gleichzeitig gibt es in Moisling noch Leerstände. „Wir haben 96 leerstehende Wohnungen“, berichtet Torsten Kärlin, Prokurist der Grundstücksgesellschaft „Trave“. Der Stadtteil leide immer noch unter seinem Ruf aus früheren Zeiten.

SPD diskutiert über Wohnungsnot

„Wohnungsnot in Lübeck: Was tun, wenn die Miete steigt und steigt?“, lautet der Titel einer Veranstaltung der SPD-Frauen (AsF). Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins, berichtet über die Lage in der Hansestadt. Die Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm informiert über Mietpreisbremse und Begrenzung der Modernisierungsumlagen.

Die Veranstaltung findet am Freitag, 26. April, um 18.30 Uhr im Technikzentrum, Breite Straße 6-8, statt, die Teilnahme ist kostenfrei. Die AsF bittet aus organisatorischen Gründen um Anmeldung per E-Mail (asf-luebeck@gmx.de) oder telefonisch unter 04 51/702 72 20.

Kündigungen und Räumungsklagen

Statistiken, Studien und Berichte zeichnen ein widersprüchliches Bild. Maik Krüger vom Kieler Innenministerium erklärte bei einer Anhörung im Sozialausschuss, dass Lübeck beim Bau von Sozialwohnungen landesweit auf Platz drei liege. Thomas Klempau vom Mieterverein rechnet vor, dass der Bedarf an 1000 Wohnungen pro Jahr zusätzlich nicht erreicht wird. „Dazu muss man kein Prophet sein“, sagt Klempau. Es werde eine wachsende Zahl an Kündigungen und Räumungsklagen geben. „Die sind um 30 Prozent in den vergangenen Jahren angestiegen“, erklärte der Geschäftsführer des Mietervereins bei der Anhörung im Sozialausschuss.

Die Riege der Experten von Wohnungswirtschaft, Mieterverein und Land bei einer Anhörung im Sozialausschuss der Bürgerschaft. Quelle: Lutz Roeßler

Die amtliche Statistik der Stadt weist an fertiggestellten Wohnungen aus: 93 im Jahr 2015, 840 im Jahr 2016 und 371 im Jahr 2017. Die Schippe, die Altbürgermeister Saxe meinte, sieht anders aus. Laut amtlicher Statistik der Stadt sind knapp 63 000 Lübecker auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen. Eine preisgünstige Einzimmerwohnung mit 50 Quadratmetern dürfte laut Wohnungsmarktbericht der Hansestadt zwischen 380 und 430 Euro kalt kosten, eine 85 Quadratmeter große Wohnung für vier Personen zwischen 635 und 730 Euro kalt im Monat.

Mit einer Demo vor dem Holstentor wies der DGB Nord auf 17 000 fehlende , bezahlbare Wohnungen in Lübeck hin. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Mangel in einigen Segmenten

Laut Mietspiegel liegen zwischen 56 und 82 Prozent in diesem Bereich. Der DGB Nord hingegen warnt, dass in Lübeck 17 000 bezahlbare Wohnungen fehlen und 38 Prozent der Lübecker zu viel Miete – gemessen an ihrem Einkommen – zahlen. Die drei großen Wohnungsgesellschaften „Trave“, „Neue Lübecker“ und „Bauverein“ haben nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 1447 Wohnungen für Mieten zwischen 5,69 und 7,66 Euro kalt vermietet. Fazit der Wohnungswirtschaft: Es gebe keine Wohnungsnot, sondern nur Mangel in einigen Segmenten.

Bei der Diskussion über die Mietenentwicklung kursieren jede Menge Zahlen. Laut Mieterverein ist die durchschnittliche Nettokaltmiete bei Neuvermietungen auf 8,30 Euro hochgeschnellt – in zwei Jahren um 30 Prozent gestiegen. Der amtliche Mietspiegel, der die Preise der letzten vier Jahren zu Grunde legt, kommt auf eine Durchschnittsmiete von 6,64 Euro pro Quadratmeter kalt.

Stadt verzichtet auf Geld

So geht es auch: Die Bürgerschaft beschloss im September 2017, auf Ausschüttungen der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“ zu verzichten, um den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. 644 000 Euro plus eine Steuer von 290 000 Euro sparte die „Trave“ dadurch. Von dem Geld kaufte die Grundstücksgesellschaft ein Grundstück im Baugebiet Rothebek und errichtet 33 neue Sozialwohnungen.

Laut Mietspiegel des Internetportals „Wohnungsbörse“ hat sich eine 30-Quadratmeter-Wohnung in Lübeck von 7,96 (2011) auf 9,27 (2018) Euro pro Quadratmeter verteuert. Die 100-Quadratmeter-Wohnung ist im gleichen Zeitraum um 2,02 Euro pro Quadratmeter teurer geworden. Und der Immobilienspiegel der Sparkasse notierte für 2017 eine durchschnittliche Angebotsmiete von 7,38 Euro pro Quadratmeter – 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie auch immer. Am Ende helfe nur bauen, bauen, bauen, sagt CDU-Fraktionschef Oliver Prieur: „Wenn das Angebot größer als die Nachfrage ist, sinken die Preise.“

Kai Dordowsky

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