Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck So soll der Einzelhandel dem Internet die Stirn bieten
Lokales Lübeck So soll der Einzelhandel dem Internet die Stirn bieten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 14.01.2016
Scharenweise suchen Bürger an verkaufsoffenen Sonntagen die Altstadt auf. Aber nicht jeder, der zum Shoppen kommt, kauft auch in den Geschäften ein. Der Anteil des Online-Handels wächst kontinuierlich. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Jahrelang galt die Grüne Wiese als größter Konkurrent des innerstädtischen Einzelhandels. Doch die großen Passagen vor den Toren der Altstadt werden abgelöst. Der Onlinehandel im Internet wird für den sogenannten stationären Einzelhandel, also das Geschäft um die Ecke, zur neuen Bedrohung. Stadtverwaltung, Politiker und zahlreiche Verbände wollen gegenhalten. Noch in diesem Jahr soll ein Konzept entstehen, wie der Handel in der Innenstadt gestärkt werden kann.

Der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft hat die Verwaltung beauftragt, noch in diesem Jahr Vorschläge zu unterbreiten. Beteiligt werden sollen das Lübeck Management, die Kaufmannschaft, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, der Gewerkschaftsbund und die Wirtschaftsförderung. Ziele sind eine höhere Aufenthaltsqualität in der Altstadt, einheitliche Öffnungszeiten, gemeinsame Serviceangebote, die Erstattung von Bus- und Parkkosten, Events in der Fußgängerzone, kulturelle Angebote und eine bessere Verkehrsführung.

„Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, die Hände in den Schoß gelegt zu haben, wenn die Leerstände in der Innenstadt in ein paar Jahren 20 Prozent betragen“, begründet Ulrich Krause (CDU) die gemeinsame Initiative von CDU und SPD. 14,2 Prozent der Geschäfte in der Innenstadt standen 2014 leer. Auch die Umsätze des innerstädtischen Einzelhandels sanken um 25 auf 327,6 Millionen Euro.

SPD-Politiker Peter Reinhardt sieht aber nicht nur Politik und Verwaltung in der Pflicht. Der Einzelhandel solle ebenfalls seine Schularbeiten machen — beispielsweise bei den Öffnungszeiten.

Wie stark der Online-Handel in Lübeck ist, weiß keiner. Bundesweit liegt der Onlineumsatz bei neun Prozent des gesamten Handelsumsatzes. Nach Schätzungen von Marktforschern wird er bis 2020 auf gut 20 Prozent anwachsen. „Derzeit nutzen aber nur 70 Prozent der Unternehmen das Internet als Vertriebsweg“, so Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Er forderte die Kaufleute auf, eigene Potenziale zu prüfen und die Chancen der neuen Medien stärker zu nutzen.

Die Lübecker Wirtschaftsförderung hat jetzt zum ersten Mal erfasst, wie die Geschäfte im Internet aufgestellt sind. Von etwas mehr als 1200 Betrieben sind 359 oder 29,6 Prozent überhaupt nicht im Netz vertreten. 253 (20,9 Prozent) präsentieren ihr Unternehmen im Internet, 228 (18,8 Prozent) stellen ihr Geschäft vor und beschreiben einzelne Produkte, 237 (19,6 Prozent) betreiben einen Online-Shop und 112 (9,2 Prozent) verknüpfen Online-Shop und Ladengeschäft.

„Endlich kommt Bewegung in die Sache“, lobt Olivia Kempke vom Lübeck Management den Beschluss, „aber der Blick auf den Internethandel greift zu kurz.“ Das Lübeck Management hat zusammen mit anderen Akteuren eine Reihe von Informationsveranstaltungen auf die Beine gestellt, in denen es um die Zukunft der Innenstadt geht. Dazu gehört auch das Thema Verkehrsführung, das die Grünen mit einem brisanten Vorschlag zum Jahresbeginn wieder auf die Tagesordnung gesetzt haben. In ihrem Konzept „Besser für alle“ schlagen sie unter anderem eine Sperrung der Königstraße für den motorisierten Verkehr vor.

Innenstadt: Birl hofft auf eine rigorose Verkehrsberuhigung
Die Bürgerinitiative Rettet Lübeck (Birl) begrüßt die neuen Debatten über eine weitergehende Verkehrsberuhigung in der Altstadt. „Es besteht die Hoffnung, dass eines Tages auch die große Verkehrslösung ohne Busse bei rigoros eingeschränktem Autoverkehr mehrheitsfähig sein wird“, sagen die Sprecher Manfred Finke und Detlev Holst. Die geplanten Maßnahmen am Koberg seien Flickschusterei, solange pausenlos schwere Busse über den Platz geführt würden. „Ziel muss sein, den Koberg von störendem und substanzschädigendem Durchgangsverkehr zu befreien.“ Die Verlegung der Busse an den Altstadtrand sei eine der großen politischen Aufgaben der nahen Zukunft. Die Grünen, die zum Jahresanfang eine neue Debatte über Verkehrsberuhigung angestoßen haben, wollen am 11. Februar im Koki mit möglichst vielen Interessengruppen über das Konzept „Besser für alle“ diskutieren.

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige