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Lübeck Soll Lübeck sexistische Werbung verbieten?
Lokales Lübeck Soll Lübeck sexistische Werbung verbieten?
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07:33 12.02.2019
Wall AG, Uhr, Fackenburger Allee TEXTBKOH H&M Quelle: E-Mail-LN-Luebeck
Lübeck

München hat sexistische Werbung auf städtischen Werbeanlagen Ende vergangenen Jahres verboten. In Hannover startete im November 2018 die Online-Kampagne „Uns reicht’s“ gegen Sexismus in der Werbung – getragen von einem breiten Bündnis. Die Linken in der Lübecker Bürgerschaft haben Ende November 2018 einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, dass sexistische Werbung in Lübeck ebenfalls verboten wird.

Jetzt beschäftigt sich der Hauptausschuss damit – jener männerdominierte Ausschuss, der seit kurzem für Gleichstellungsfragen zuständig ist.

Elke Sasse ist die Frauenbeauftragte der Hansestadt: „Nur mit den städtischen Werbeflächen bekommen wir das Thema nicht in den Griff.“ Quelle: HFR/privat

Bei Elke Sasse, Frauenbeauftragte der Hansestadt, gehen gelegentlich Meldungen von Bürgerinnen ein, die sich von einer Werbung belästigt fühlen. „Auf städtischen Werbeflächen habe ich solche Werbung bisher nicht wahrgenommen“, sagt Sasse, „aber wenn es nur um städtische Werbeflächen geht, bekommen wir das Thema nicht in den Griff.“

Catharina Strutz-Hauch vom Frauennotruf: „Es geht darum, politisch ein Zeichen zu setzen.“ Quelle: Guido Kollmeier

Catharina Strutz-Hauch vom Frauennotruf: „Es geht nicht um die einzelne Werbefläche, sondern darum, ein politisches Zeichen zu setzen.“ Der Frauennotruf bewertet Werbung, die die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen abbildet, als diskriminierend, respekt- und würdelos. Strutz-Hauch: „Das müssen sich Frauen und Mädchen in ihrem Alltag anschauen, das ist verletzend.“

Aus Sicht des Frauennotrufs kann auch eine BH- oder Tanga-Werbung von Frauen und Männern bereits als sexuelle Belästigung empfunden werden. Die Notruf-Sprecherin: „Wir begrüßen den Antrag als ein Statement der Hansestadt, dass Sexismus in Lübeck keinen Platz hat.“

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Linke: Bürgermeister und Frauenbüro sollen entscheiden

Ragnar Lüttke (Linke) will, dass der städtische Werbepartner, die Wall GmbH aus Berlin, nicht nur auf Werbung verzichtet, die gegen die guten Sitten oder die Menschenwürde verstößt. Sondern explizit auch keine Werbung in Lübeck aushängt, die sexistisch ist. Diese Klausel solle grundsätzlich bei der Vergabe von Werbeflächen gelten. Verträge ohne solche Klausel sollen nicht mehr abgeschlossen werden. Über die Frage, ob sexistische Werbung vorliegt, „entscheidet im Einzelfall der Bürgermeister einvernehmlich mit dem Frauenbüro“, steht im Linken-Antrag.

„Das ist Obrigkeitsstaat pur, wenn der Bürgermeister über Werbung entscheidet“, kritisiert Michelle Akyurt (Grüne). Auch Akyurt fordert, „dass Sexismus keinen Platz in Lübeck haben darf“. Die Fraktionschefin bezweifelt aber, „dass wir ein Problem bei den städtischen Werbeanlagen haben.“

Grüne waren mit ähnlichem Vorstoß schon einmal gescheitert

Die Grünen wissen, wovon sie reden. 2016 waren sie mit einem Vorstoß, sexistische Werbung laut Werbesatzung zu untersagen, gescheitert – wegen fehlender Vorfälle. Auch jetzt sind weder den Linken noch der Frauenbeauftragten oder dem Notruf aktuelle, anstoßerregende Werbungen auf den Wall-Werbeträgern bekannt.

Sexistische Werbung

Wächter über die Werbung ist der Deutsche Werberat mit Sitz in Berlin. Laut aktueller Pressemitteilung hat der Werberat gerade vier Unternehmen öffentlich gerügt. Für das Jahr 2018 wurden damit insgesamt 16 öffentliche Rügen von der Selbstkontrolleinrichtung ausgesprochen.

Als sexistisch gilt Werbung, wenn die sexuelle Attraktivität einer Frau oder eines Mannes ohne Zusammenhang mit dem beworbenen Produkt genutzt wird. Klassisches Beispiel ist ein weiblicher Po, auf dem Touchscreen geschrieben steht, oder die halbnackte Frau, die eine Spülmaschine bewirbt. Als sexistisch gilt eine Reklame aber auch, wenn Frauen oder Männer in klischeehaften Rollen gezeigt werden, gedemütigt oder als Ware angepriesen werden.

Die CDU lehnt weitere Regelungen ab. „Wir sehen dafür keine Notwendigkeit“, sagt die frauenpolitische Sprecherin Claudia Treumann, durch Werbevorschriften und den Werberat sei alles geregelt. Treumann: „Wir setzen auch auf den Konsumenten, der auf Produkte solcher Unternehmen ja entsprechend reagieren kann.“

SPD und Unabhängige verweisen in einem eigenen Antrag auf die Richtlinien des Deutschen Werberates, die beachtet werden müssen. „In der Werbung abgebildete Menschen dürfen nicht auf ihre Sexualität reduziert und zu einem Objekt sexueller Begierde degradiert werden“, fordern SPD und Unabhängige. Die Verwaltung soll den Politikern berichten, „welche Regelungen zur Verhinderung diskriminierender und sexistischer Werbung mit der Firma Wall und anderen Firmen, die die Werbeflächen der Hansestadt und der stätischen Gesellschaften vermarkten, getroffen wurden.“

Wichtige Links und Artikel zur Lübecker Bürgerschaft

31. Januar: Chaotische Sitzung – Bürgerschaft verheddert sich bei Umbenennung von Straßennamen aus der Nazi-Zeit

31. Januar: Die Bürgerschaft will eine Brücke über den Stadtgraben bauen lassen – die Sitzung im LIVE-Blog

29. November 2018: Haushalt 2019: Die Bürgerschaft gibt massiv mehr Geld aus

Themenseite: Alle LN-Berichte zur Bürgerschaft und ihren Entscheidungen auf einer Seite

Mögliche Bündnisse nach der Wahl: Kommt jetzt Rot-Grün? (11. Oktober 2018)

Die Grünen wollen eine Ampel (28. November 2018)

Die SPD ist für eine große Koalition (8. Dezember 2018)

Wall hat Ärger in Leipzig

Die Berliner Wall GmbH, die seit 1. Juli 2012 die 1125 städtischen Werbeanlagen und 380 Bushaltestellen in Lübeck mit Werbung verziert, sieht keinen weiteren Regelungsbedarf. Unternehmenssprecherin Frauke Bank: „Die Richtlinien des Deutschen Werberates sehen wir als verbindliche Grundsätze unserer Arbeit. Sexistische oder sonst eine diskriminierende Werbung hängen wir nicht aus.“

Gerade habe das Unternehmen eine Pizza-Werbung in Leipzig abgelehnt, in der sich ein Model leicht bekleidet in Pizza-Kartons räkelt. In diesem Fall fühlt sich das Unternehmen, das die Werbung in Auftrag gegeben hat, gegängelt. Wall-Sprecherin Frauke Bank: „In Lübeck haben wir einen solchen Fall bislang nicht gehabt.“

Kai Dordowsky

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