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Lübeck Sollte Lübeck ein „Haus der Wissenschaft“ bekommen?
Lokales Lübeck Sollte Lübeck ein „Haus der Wissenschaft“ bekommen?
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21:14 25.10.2013
Dr. Iris Klaßen. Quelle: Maxwitat

Lübecker Nachrichten: Mit dem „Tag der Wissenschaft“ ging die Wissenschaft 2009 erstmals öffentlichkeitswirksam in Lübeck in die Offensive. Was hat diese Veranstaltung ausgelöst?

Dr. Iris Klaßen: Sie hat gezeigt, dass Forschungseinrichtungen wie die Hochschulen sowie ihre Kooperationspartner einen festen Platz in unserer Stadt haben und zu Lübeck dazu gehören wie das Marzipan. Die Unikirche St. Petri eignet sich als Präsentations- und Diskussionsfläche eben als „siebter Turm der Wissenschaft“ dafür besonders. An diesem Tag kann hier jeder Bürger, jede Bürgerin direkt mit Wissenschaft in Kontakt kommen.

LN: Womit wir beim Motto „Hanse trifft Humboldt“ sind. Mit dem Titel „Stadt der Wissenschaft“ wurde Lübeck 2012 ausgezeichnet; das Prädikat „Wissenschaftsstadt“ muss man sich verdienen . . .

Klaßen: Stimmt. Der Sieg im Wettbewerb „Stadt der Wissenschaft“ war ein wichtiger Impuls dafür. Lübeck hat an sich als Wissenschaftsstadt geglaubt. Deshalb wurden wir ausgezeichnet. Trotz Niederlage beim ersten Anlauf 2009 in Jena haben wir weitergemacht und 2010 gemeinsam als starkes Bündnis die Uni gerettet. Nun heißt es für alle weiter dran bleiben und den Nachweis liefern, dass Lübeck Wissenschaftsstadt ist und bleibt.

LN: Lübeck ist also schon „Wissenschaftsstadt“?

Klaßen: Ja — dank Uni-Kampf und „Stadt der Wissenschaft“ sind wir Wissenschaftsstadt! Damit dieses Profil automatisch mit der Identität der Stadt verbunden wird, sowohl in der Innen- wie auch Außenwahrnehmung, ist ein andauernder Prozess nötig. Vielleicht wie in einer Ehe: Nach der Verliebtheit kommt lange Beziehungsarbeit, und dann klappt auch die Goldene Hochzeit.

LN: Welche Rolle spielt das Wissenschaftsmanagement in dem Prozess?

Klaßen: Wir sehen uns in der Rolle des Kümmerers und bringen die Akteure für die Wissenschaftsstadt aus Wirtschaft, Forschung, Gesellschaft, Stadt und Politik zusammen. Wir sind auch über die Stadtteilkoordinatoren vor Ort und Anlaufstelle für die Bürger aus allen zehn Stadtteilen. Für alle wollen wir weiter regelmäßig Begegnungen mit Wissenschaft ermöglichen.

LN: Im „Lübecker Katalog“, den die sieben bisherigen „Städte der Wissenschaft“ erarbeitet haben, sind die Schritte hin zur Wissenschaftsstadt aufgezeigt. Unter Punkt eins ist Wissenschaft als „Wertschöpfungstreiber“ genannt. Was heißt das?

Klaßen: Dieser Punkt betont die Bedeutung der Wissenschaft als Arbeitsplatzmotor. Durch Ausgründungsaktivitäten der Hochschulen können Firmen entstehen. Absolventen werden Unternehmer, und Forschung kommt aus dem Labor auf den Markt. Zudem profitieren bestehende Unternehmen von der steigenden Attraktivität des Innovationsstandorts. Ein attraktiver Standort zieht Fachkräfte an und hält Absolventen in der Region.

LN: Wissenschaft müsse sichtbar werden, lautet eine weitere Forderung. Brauchen wir also in der Altstadt ein „Haus der Wissenschaft“?

Klaßen: In anderen Städten wie Bremen, Braunschweig und zuletzt in Oldenburg zeigt sich, dass solche zentralen Anlaufpunkte erfolgreich sind und von den Bürgern angenommen werden. Wir müssen hier also in einen Diskussionsprozess eintreten.

LN: Dann wäre Wissenschaft auch sichtbarer für Touristen. Kann denn Wissenschaft direkt Städtebesucher anlocken?

Klaßen: Wissenschaft ist für sich genommen kein sogenannter Werttreiber für Touristen. Doch wir haben alle unterschiedliche Rollen: Ein Tourist ist auch Abiturient, der nach einem attraktiven Studienort sucht, oder ein Hochschullehrer, der eine Tagung zu organisieren hat, oder eine Fachkraft, die eine neue Herausforderung sucht. Sie alle sollen nach ihrem Urlaub auch einen Eindruck von Lübeck als Wissenschaftsstadt mitnehmen und darüber sprechen.

LN: Spielt die Wissenschaft denn eine Rolle beim Hansetag 2014?

Klaßen: Ja! Die neue Hanse handelt mit Wissen. Wir möchten, dass unsere Bürger und unsere Gäste die Bedeutung der Hafenstadt Lübeck für Handel und Wissensaustausch wahrnehmen und Schiffe als Wissensorte entdecken. Alle Wissenschaftseinrichtungen und St. Petri mit seinem Kirchenschiff sind beteiligt, und Gastschiffe bringen ihr Wissen mit.

Interview: Michael Hollinde

Vertrag bis 2015
Dr. Iris Klaßen (47) hat am 1. Juni 2009 ihr Amt angetreten und federführend die erfolgreiche Bewerbung zur „Stadt der Wissenschaft 2012“ begleitet. Die Absolventin der Uni Hannover startete als Journalistin, arbeitete als Pressesprecherin in der Chemischen Industrie, war zehn Jahre in der Wissenschaftskommunikation tätig, unter anderem als Vorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation. Ihr Vertrag läuft zunächst bis Mai 2015.
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