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Lübeck Sozialer Wohnungsbau nicht attraktiv
Lokales Lübeck Sozialer Wohnungsbau nicht attraktiv
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20:48 08.02.2018
36 von 94 Wohnungen, die die Grundstücksgesellschaft „Trave“ in der Stettiner Straße baut, sind Sozialwohnungen. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Nach Angaben der Verwaltung wurden bisher aus dem Fördertopf 4,2 Millionen Euro bewilligt, 2,1 Millionen sind für Bauvorhaben reserviert. Insgesamt würden 60 neue Wohnungen damit gefördert. Das Kommunale Förderbudget der Jahre 2011 bis 2014 sei dagegen voll ausgeschöpft und 684 Wohnungen daraus gefördert worden. Ein großer Teil sei im Bau wie im Schneewittchenweg, in der Ratzeburger Allee, in der Stettiner Straße oder im Hertzweg. Warum bleibt das neue Geld liegen? Wirtschafts- und Sozialsenator Schindler im Sozialausschuss: „Geschosswohnungsbau ist heute erst ab einer Miete von 8,50 Euro pro Quadratmeter wirtschaftlich.“ Selbst eine zusätzliche Landesförderung von 250 Euro pro Quadratmeter Baukosten locke die Wohnungsbaugesellschaften nicht hinter dem Ofen hervor.

Schindler regte im Sozialausschuss an, die städtische Verbilligungsrichtlinie noch attraktiver zu gestalten. Der Preisnachlass für ein Grundstück sei derzeit bei 40 Prozent des Verkehrswertes gedeckelt. „Mit Zustimmung der Politik und der Kieler Kommunalaufsicht könnten wir darunter gehen“, schlug der Senator vor. Die Verbilligungsrichtlinie soll vor allem den Bau von Sozialwohnungen ankurbeln. 110 bis 120 solcher Einheiten seien geplant, erklärte die Verwaltung. Aktuell gehen mehr geförderte Wohnungen aus der Mietpreisbindung als neue gebaut werden. 2017 sind 156 Einheiten aus der Bindung gefallen und 23 fertiggestellt worden. Wie angespannt der Wohnungsmarkt sei, zeige auch das Angebot, das bei der städtischen Wohnungsvermittlung eingeht. 2015 wurden der Vermittlung noch 349 freie Wohnungen gemeldet, im vergangenen Jahr nur noch 226. Die Zahl der Lübecker, die mit Hilfe der Stadt eine Bleibe suchen, beträgt rund 1100. Fast 57 Prozent sind Ein-Personen-Haushalte, etwas mehr als 17 Prozent sind große Familien. Große Probleme hätten Frauen, die mit ihren Kindern in Frauenhäusern Zuflucht gesucht hätten, sagte Matthias Wulf vom Bereich Soziale Sicherung. „Diese Menschen finden auf dem Markt keine Wohnungen.“ Wulf kündigte ein neues Landesprojekt mit dem Titel „Frauen-Wohnen“ an. Das Land schafft vier Koordinierungsstellen, eine davon in Lübeck. Dort soll den Frauen bei der Wohnungssuche tatkräftig geholfen werden.

Die Stadt stoße im Kampf gegen Wohnungsnot an ihre Grenzen, erklärte die Verwaltung im Sozialausschuss. Sie könne lediglich Bauflächen ausweisen, aber nicht selbst bauen. Nach Angaben von Senator Schindler gebe es durchaus Bewegung auf dem Wohnungsmarkt: „1200 Wohnungen von der ,Trave‘, dem Bauverein und der Neuen Lübecker wurden im Laufe eines Jahres frei und wieder neu bezogen.“ Bei den Mietpreisen sei der Markt gespalten. So würden allein die drei genannten Wohnungsgesellschaften zusammen 11000 Wohnungen im Bestand haben, die günstiger seien als eine neu gebaute Sozialwohnung.

Aber die, die eine günstige Bleibe suchen, würden derzeit auf dem Lübecker Markt nicht fündig.

Michelle Akyurt (Grüne) kritisierte, dass in Lübeck Wohnquartiere für Besserverdienende entstehen (Wasserkunst und Gründungsviertel). „Das schafft keine Entlastung für den Wohnungsmarkt.“ Die Bauverwaltung solle bei der Vergabe von Flächen Priorität auf den sozialen Wohnungsbau setzen. Katjana Zunft (Linke) schlug vor, die Pflichtquote von 30 Prozent Sozialwohnungen bei der Vergabe von städtischen Flächen auf 40 bis 50 Prozent hochzuschrauben. Jens-Uwe Schulz (GAL) hielt der Verwaltung vor, in ihrem Wohnungsmarktbericht die Lage nicht dramatisch genug zu schildern. „Die Situation wird sich bis 2020 deutlich zuspitzen“, sagte Schulz voraus. Ingo Schaffenberg (SPD) sagte, Politik und Verwaltung hätten alles getan, um die Lage zu verbessern. „Wir können noch so viel Bauland ausweisen. Aber was willste machen, wenn keiner baut?“

Von Kai Dordowsky

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