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Lübeck Spektakuläre Verfolgungsjagd in Lübeck
Lokales Lübeck Spektakuläre Verfolgungsjagd in Lübeck
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09:33 27.07.2011
Unmittelbar vor der A 20 stoppt die Polizei den flüchtenden BMW. Die fünf Insassen werden festgenommen. Foto: Holger Kröger Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Schauplatz ist die Ampel vor der Autobahnauffahrt Genin: Die Streifenwagen stehen wild verteilt auf der Fahrbahn, mittendrin ein silberfarbener BMW aus Kiel. Die fünf Insassen des Autos müssen ihre Hände auf das Wagendach eines Einsatzfahrzeuges legen, sie werden durchsucht. Polizeibeamte mit Hunden beobachten das Geschehen. Anschließend werden die fünf Männer festgenommen und zum Behördenhochhaus in die Possehlstraße gebracht. Es ist das vorläufige Ende eines versuchten Raubüberfalls (die LN berichteten).

18.25 Uhr am Montag: Der Mitarbeiter eines Autohauses in der Geniner Straße war im Gespräch mit potenziellen Kunden. Vor der Tür schauten sie sich einen Gebrauchtwagen an. „Dann kamen plötzlich drei Männer an“, erinnert sich der 46-Jährige. Er möchte anonym bleiben. „Sie hatten Interesse an einem schwarzen Mercedes“ – und wollten eine Probefahrt machen. Laut Autohaus-Mitarbeiter ging er mit ihnen ins Büro, um den Fahrzeugschlüssel zu holen.

Im Geschäftszimmer änderte sich die Stimmung. Der Mitarbeiter schildert die Ereignisse folgendermaßen: Die Unbekannten wollten sofort 15 000 Euro in bar haben. Sie sollten Schulden eintreiben. Einer der Täter hatte eine Pistole in der Jackentasche versteckt. „Geh raus und mach die Tür zu“, rief der 46-Jährige auf Kurdisch zu seinem Landsmann Musa Shalan. Der Bekannte beobachtete alles vom Verkaufsraum aus. Die Männer reagierten gereizt, so der Mitarbeiter. Sie wollten auf der Stelle das Geld – und die Schlüssel für den Mercedes. Der 46-Jährige tat, was die Angreifer verlangten. Er beugte sich über die Schublade mit den Zündschlüsseln.

Urplötzlich bäumte er sich auf, schubste einen der Männer. Dieser fiel zu Boden, schildert das Opfer den Tathergang. Vor lauter Panik rannten die beiden anderen aus dem Autohaus. Der dritte rappelte sich auf, lief hinterher. Der 46-Jährige alarmierte die Polizei. Shalan und er stürmten danach auf die Straße. In etwa 50 Metern Entfernung sahen sie nach ihren Angaben den BMW aus einer Einfahrt preschen – in Richtung A 20. Zwei Minuten später brausten Streifenwagen vorbei, ebenfalls zur Autobahn. Um 18.34 Uhr stoppten die Beamten den BMW kurz vor der Auffahrt Genin. Die Männer leisteten keinen Widerstand.

Mit bis zu neun Streifenwagen war die Polizei im Einsatz. Gerade einmal fünf Minuten waren vergangen, da waren die mutmaßlichen Täter gefasst. „Das Zusammenspiel hat wunderbar funktioniert“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz. Gleichwohl war nach seinen Worten auch ein klein wenig Kommissar Zufall im Spiel.

Der Tatort wurde daraufhin von der Spurensicherung inspiziert, Fingerabdrücke genommen. Im Wagen der fünf Kieler stellten die Beamten zwei Macheten sicher. Von der angeblichen Schusswaffe fehlt aber bis jetzt jede Spur. „Das Gerücht hält sich hartnäckig“, so Muhtz. Bei der Suche rund um den Tatort konnte keine gefunden werden. Auch im Wagen soll keine gelegen haben. Gegen 19.30 Uhr waren die Ermittlungen vor Ort beendet. Der Einsatz selbst mit Vernehmungen dauerte allerdings noch bis Mitternacht.

Die gefassten Männer sind zwischen 24 und 32 Jahren alt. Sie wohnen in Kiel. Ob einer oder mehrere der mutmaßlichen Täter bereits polizeilich bekannt sind, darüber hüllt sich Sprecher Muhtz in Schweigen. Auch das Gerücht, sie hätten einen ausländischen Akzent, bestätigt er nicht. Die mutmaßlichen Täter sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Untersuchungshaft hat die Staatsanwaltschaft nicht beantragt. Das sichergestellte Auto allerdings bleibt vorerst in Lübeck.

Für die Polizei ist der Fall noch nicht so eindeutig, wie er sich laut Zeugenaussagen darstellt. Es gebe einige Fragen, so der Polizeisprecher. „Die Situation ist nicht glasklar“, sagt er. Was exakt in dem Autohaus vorgefallen ist, wissen die Ermittler noch nicht. Auch die Sprachprobleme des Autohaus-Mitarbeiters machen die Arbeit schwierig. Muhtz: „Er spricht nicht wirklich gut Deutsch.“ Fraglich sei ebenfalls, warum drei kräftige, womöglich bewaffnete Männer so plötzlich flüchteten.

Peer Hellerling

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