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Lübeck Ohne Dom-Türme geht es nicht
Lokales Lübeck Ohne Dom-Türme geht es nicht
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18:51 01.11.2018
Dom-Pastorin Margrit Wegner und Dom-Pastor Martin Klatt hatten am Reformationstag zum „Fest unter den Türmen – Fest für die Türme“ und zum Auftakt ihrer Spendenkampagne für die Kirchensanierung eingeladen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

„Es ist Zeit, ein Fest zu feiern.“ Eine Begrüßung, die manch Gast im Dom wohl ein wenig verwundert. Schließlich wird doch eigentlich erst gefeiert, wenn die Aufgabe, die sich stellt, geschafft ist. Und es ist eine Mammutaufgabe, die die Dom-Gemeinde zu bewältigen hat. Es gilt, die beiden, am Westwerk der prächtigen Altstadtkirche, 114 Meter hohen, in den Himmel ragenden Türme zu sanieren. Grob geschätzt wird dies fünfeinhalb Millionen Euro kosten.

„Wir beginnen mit einem Fest, weil die Freude über so viel Unterstützung, die es längst für unsere Kirche gibt, uns die Zuversicht verleiht, dass auch dieses große Projekt gemeinsam gelingen wird“, liefern die beiden Geistlichen Margrit Wegner und Martin Klatt auch gleich die Begründung für die Einladung, von der sich viele angesprochen fühlten und nun die Kirchenbänke füllen.

Menschen aus der Gemeinde mit ihren 3200 Mitgliedern, aus der Bürgerschaft, von Stiftungen und Unternehmen, aus der Kultur und gesellschaftlichen Institutionen. Und wer könnte die Verbundenheit der Hansestadt mit der Silhouette der sieben Türme besser verkörpern als Stadtrepräsentant Bürgermeister Jan Lindenau, der in der ersten Reihe Platz genommen hat. „Der Gedanke, dass dieses Ensemble stadtbildprägend und identitätsstiftend ist, ist tief beeindruckend“, merkt Festredner Helge Adolphsen an.

Der 77-Jährige war 18 Jahre lang Hauptpastor am Hamburger Michel und hatte während seiner Amtszeit eine noch größere Sanierungsmaßnahme zu stemmen – schließlich verschlang die Michel-Sanierung insgesamt 8,5 Millionen Euro. Aber Zweifel daran, dass dieses Geld woanders besser aufgehoben sein könnte als in einem Kirchenbau, lässt er erst gar nicht aufkommen. „Ich kenne die Türme des Doms und dieser Stadt ja schon seit dem Jahr 1960, als ich mit der Kantorei des Schleswiger Domes hier aufgetreten bin. Und sie sind ja nicht nur Wahrzeichen, sondern für uns auch Wahrheitszeichen“, betont der Theologe.

„Ich sage: weiterbauen, immer weiterbauen. Das Leben vorwärts leben. Und diese Kathedrale weiter lieben und pflegen“, so sein Appell. Kathedralen seien Orte der Absichtslosigkeit und der Zweckfreiheit, Gnadenorte, keine Zweckräume. „Und jeder, der im Dom verweilen will, ist hier willkommen. Ihm gilt der Gruß am Eingang – ,Schön, dass du da bist!‘ Kümmern Sie sich also um Ihren Dom, tun Sie es in voller Zuversicht und mit Weitblick“, sagt Helge Adolphsen.

Jemand, der dies schon sehr lange macht, ist Hans-Georg Rieckmann. Er ist Vorsitzender der Stiftung Dom zu Lübeck. Mit ihrer beträchtlichen finanziellen Unterstützung hat die Stiftung dazu beigetragen, dass der Ostchor nach der Zerstörung in der Bombennacht von Palmarum 1942 in alter Größe und neuer Weite im Jahre 1977 der Gemeinde wieder übergeben werden konnte. „Wir werden es in dieser Stadt nur alle zusammen schaffen, denn so etwas schafft niemand allein“, betont Rieckmann.

Die hohe Identifikation der Lübeckerinnen und Lübecker – unabhängig von ihrem Glauben – mit den sieben Türmen sieht Pröpstin Petra Kallies als eine Art Trumpfkarte. „Das haben wir schon bei der Sanierung von St. Petri gemerkt – niemand kann sich unsere Hansestadt ohne die Türme vorstellen“, merkt sie an. Dies ist auch die Einschätzung von Hannes Woest, der im vergangenen Frühjahr im Dom konfirmiert worden ist. „Die schönen mächtigen Türme des Doms gehören einfach zu unserer Stadt und müssen erhalten bleiben“, sagt der 14-Jährige.

Momentan läuft die Voruntersuchungsphase. Diese kostet allein schon 400 000 Euro und wird bis weit ins nächste Jahr andauern. Ziel ist eine exakte Budgetierung des ersten Bauabschnittes, der möglichst bald nach den Voruntersuchungen beginnen soll.

Auftakt der Spendenkampagne zur Sanierung der beiden Dom-Türme

Michael Hollinde

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