Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Sportbad braucht 7,4 Millionen Euro
Lokales Lübeck Sportbad braucht 7,4 Millionen Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:41 13.01.2017
Eckhard Graf (hinten) leitet seit Juni 2016 kommissarisch den Bäderbetrieb. Am 1. Februar wird er vom neuen Chef Björn Hoppe abgelöst. Controller Peter Scholl ist seit 25 Jahren bei den Schwimmbädern. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

„Der gute Eindruck reicht nur bis zur Eingangstür“, sagen der kommissarische Werkleiter Eckhard Graf und Controller Peter Scholl.

Graf und Scholl haben einen Sanierungs- und Investitionsplan ausgearbeitet, der nächste Woche im Schul- und Sportausschuss der Bürgerschaft vorliegt. Danach muss die Anlage in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten für insgesamt 7,4 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden.

Die Umkleide- und Sanitärräume müssen erneuert werden, ebenso die Umrandung des großen Beckens sowie die Wärmebänke. Am Sprungturm bildet sich Rost, und das Kinder- oder Lehrschwimmbecken braucht einen Hubboden. „Wir könnten dann die Wassertiefe variieren, um Kurse vom Schwimmen für Kleinstkinder bis zu Aqua Aerobic anzubieten“, sagt der Werksleiter, „ein Hubboden ist heute Standard in Schwimmhallen.“ Rund um das Lehrschwimmbecken müssen die Einläufe und Fliesen ständig repariert werden. Das Kassensystem ist altmodisch, Bistro und Eingangsbereich würden nicht zum Verweilen einladen, listen Scholl und Graf einen Punkt nach dem anderen auf. „Mit unserer Sauna liegen wir Lichtjahre hinter anderen Schwimmhallen zurück“, sagt Graf.

Aber erst im Keller wird es richtig schlimm. Für die Technik, die 43 Jahre alt ist, finden die Verantwortlichen oft keine Ersatzteile mehr. Die Rohrwendeltauscher, drei graue, unscheinbare Röhren, erneuern das Badewasser. „Wenn die ausfallen, wäre das ein Gau“, erklärt der Werksleiter. Das Wasser könnte nicht mehr auf 26 Grad aufgeheizt werden, das Bad wäre nicht mehr benutzbar. Während in anderen Hallen das Badewasser nachts gereinigt wird, müssen die Mitarbeiter im Sportbad morgens um fünf Uhr die Ventile öffnen. Knapp drei Millionen Liter Wasser fasst das große Becken, 480000 Liter können stündlich gereinigt werden. Die drei stählernen Ausgleichsbehälter, die das überschwappende Wasser aus den Becken auffangen, sind verrostet. Im vergangenen Jahr gab die Wassererwärmung für die Duschen den Geist auf. „Wir haben neue Speicher und Regler gekauft“, berichten Scholl und Graf.

Aber bei all diesen Mängeln und Unzulänglichkeiten gibt es auch eine wirklich gute Nachricht. 2015 untersuchten Fachleute in einer Machbarkeitsstudie das Betonbecken. Und stellten fest, dass der Beton in Ordnung ist, das Sportbad also saniert werden kann und nicht neu gebaut werden muss.

Das hätte den Betrieb, der am Ende seiner finanziellen Möglichkeiten ist, überfordert. Selbst die derzeit so billigen Kredite helfen der Schwimmbäder GmbH nicht. Werkleiter Graf: „Wir können das Geld für die Tilgung nicht aufbringen. Wir können die Bäder betreiben, aber nicht mehr investieren.“ Zumal der Betrieb die Kredite aus der früheren Sanierung anderer Bäder immer noch abbezahlt. In den Anlagen stehen laut Wirtschaftsplan bald die nächsten Instandsetzungen an.

Von den Politikern erhofft sich der Bäderbetrieb jetzt ein Signal, wie eine Finanzierung des Sportbades aussehen könnte. Scholl: „Entweder die Stadt erhöht ihre Zuschüsse oder übernimmt die Kreditaufnahme.“ 197 500 Euro Mehreinnahmen erhofft sich der Betrieb durch eine Preiserhöhung von zehn Prozent und die Anpassung der Preise für das Schulschwimmen. Das hat eine Mehrheit der Politiker in den letzten Jahren stets abgelehnt. Bei der November-Bürgerschaft fiel dazu keine Entscheidung. Werkleiter Graf: „Wichtig ist, dass es nicht so weit kommt wie bei der MuK.“

1974 eröffnet

52000 Vereinssportler und fast 48000 Schüler betrieben 2014 im Sportbad an der Ziegelstraße ihren Schwimmsport. Insgesamt tauchten 185628 Besucher ins warme Nass. 2015 fielen die Zahlen wegen der monatelangen Schließung aufgrund der Fassadensanierung geringer aus.

5,2 Millionen Euro betragen die jährlichen Betriebskosten der Lübecker Schwimmbäder. 57 Prozent werden für die Personalkosten aufgewandt, 16,5 Prozent für die Energiekosten.

Mit 3,8 Millionen Euro Verlusten plant der Bäderbetrieb für das Jahr 2017.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige