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Lübeck Sportvereine fordern neue Halle
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20:29 27.12.2017
Neue Cricket-Mannschaft der Lübecker Turnerschaft: In der Mannschaft spielen vor allem Afghanen, die diesen Sport aus ihrer Heimat mitgebracht haben. In Afghanistan ist Cricket Nationalsport. Die Taliban wollten ihn verbieten, aber er ist dort zu beliebt. Quelle: Fotos: Felix König
Lübeck

Lübecks Sportler sind unzufrieden. Es gibt zu wenig Sporthallen in der Hansestadt. Sie fordern eine neue Halle. Kosten: vier Millionen Euro. „Es ist unmöglich, eine freie Hallenzeit zu bekommen“, klagt Joachim Giesenberg, Chef des TSB. Bei den Schwimmhallen sei es dasselbe. „Es gibt keine freien Zeiten.“ Deshalb will er auch eine neue Schwimmhalle. Geschätzte Kosten: zehn Millionen Euro.

Mehr Platz für den Sport: Der Turn- und Sportbund (TSB) schlägt Alarm. Der Dachverband fordert mindestens eine neue Sporthalle für Lübeck. Es fehlt zudem eine Tennis- und eine Schwimmhalle. Und die Handballer vom VfL Lübeck-Bad Schwartau wollen eine große Eventhalle.

Der Dachverband vertritt 141 Vereine mit 39000 Sportlern. In Lübeck gibt es drei Schwimmhallen – und 76 Sporthallen. Tagsüber werden sie von Schulen für den Sportunterricht genutzt, abends von Vereinen. Vor allem im Winter wird es eng in den Sporthallen: Da sind sie restlos ausgebucht. Nur in der Halle der Heinrich-Mann-Schule in Moisling gibt es noch drei bis vier freie Stunden am Abend.

Das bestätigt die Stadt. „Im Winterhalbjahr gibt es Bedarf an Hallenzeiten – vor allem nahe der Innenstadt“, so Friedrich Thorn, Bereich Schule und Sport.

Zwar gibt es diese Situation seit Jahren, aber im Mai ist Kommunalwahl. Da wollen die Sportler für ihre Forderungen kämpfen. Jetzt ist der Druck größer geworden, denn durch die Flüchtlinge sind in den Vereinen neue Sportarten entstanden, die es bisher nicht gab. So hat der ESV Hansa jetzt eine Ringerabteilung – und die Lübecker Turnerschaft bietet nun nach Angaben des TSB auch Cricket an.

„Viele Flüchtlinge wollen keinen Fußball spielen“, sagt Pito Bernet vom TSB-Vorstand. Integration durch Sport ist seine Devise – aktuell haben sich hundert Flüchtlinge in Vereinen angemeldet. Sie bringen Sportarten ihrer Heimat mit.

Der Vorschlag des TSB: „Eine neue Sporthalle könnte am Buniamshof entstehen“, so Giesenberg. Dort gibt es den großen Rasenplatz samt Laufbahn. Aber die Halle kann nicht an der Stelle der dortigen Umkleidekabinen gebaut werden, weil dann die Wallanlagen weichen müssten. Das will die Stadt nicht. Auf dem Areal des benachbarten Bauhofs wäre Platz, aber der müsste verlagert werden.

„Sportstätten sollten möglichst in Wohnquartieren entwickelt werden“, sagt Thorn dazu. In dem geplanten neuen Wohngebiet am Geniner Ufer wird eine Grundschule samt kleiner Halle vorgesehen – unweit des Buniamshofs. Entsteht dort aber eine weiterführende Schule, dann werde eine große Dreifeldhalle gebaut – mit einer Sportfläche von 45 mal 22 Metern. Generell kann sich Thorn auch eine Freilufthalle vorstellen, ähnlich einem Carport mit Netzen an den Seiten und einem Sportboden, aber ohne Heizung. Eine solche Halle kostet nur die Hälfte – ein bis zwei Millionen Euro.

Ein weiteres Problem für die Sportler sind die Tennisplätze. 23 Hallenplätze gibt es in Lübeck. Zwölf davon liegen in der Welsbachhalle am Geniner Ufer, die Ende 2022, Anfang 2023 zugunsten eines neuen Wohnviertels abgerissen wird. „Wir brauchen aber Tennisplätze“, macht Giesenberg klar. Außerdem werden drei weitere Plätze in einer Vereinshalle aufgegeben. „Dann sind von 23 Tennis-Hallenplätzen nur noch acht da“, sagt Axel Wurth-Becker vom LSC, Sportwart der Tennissparte. Der Verein hat 600 bis 700 Mitglieder – 200 davon spielen Tennis.

Der LSC will an der Thomas- Mann-Straße auf einem Grandplatz eine Tennishalle mit zwei Plätzen bauen. Die Stadt hat ihr Okay gegeben. Allein: Geld fehlt. Kosten: bis zu eine Million Euro. Der LSC hofft auf Stiftungen.

Immerhin: Jetzt soll die Hansehalle umgebaut werden – für 2,25 Millionen Euro. Das Land wird voraussichtlich 1,5 Millionen Euro übernehmen, die Stadt 450000 Euro und der Handball-Zweitligist VfL Lübeck-Bad Schwartau 300000 Euro. Denn die Hansehalle ist die Heimspielstätte des VfL. Die Stadt hat einen Antrag beim Land gestellt. „Es freut mich total, dass das so gut geklappt hat“, sagt Michael Friedrichs, Geschäftsführer des VfL. Die Hansehalle hat zu wenige Zuschauerplätze. Ihre Zahl soll von 2114 auf 2300 erhöht werden. Zudem muss die Halle technisch erneuert werden, damit TV-Teams die Spiele übertragen können. Losgehen könnte der Umbau 2018. Zum Sommer 2019 wäre alles fertig. Während des Umbaus kann die Halle benutzt werden.

Doch der VfL hat noch einen anderen Traum. Der Verein will eine große Veranstaltungshalle für 25 bis 20 Millionen Euro. Sie soll neben der Musik- und Kongresshalle (MuK) errichtet werden. Der VfL hat einen fünfstelligen Betrag für die Machbarkeitsstudie ausgegeben, sie soll im Januar vorliegen. Finanziert werden sollen Bau und Betrieb von Privaten. Der VfL würde 20 Prozent der Hallenkapazität belegen. Friedrichs kann sich dort auch Konzerte vorstellen. „So eine Halle wäre cool.“ Aber das Areal neben der MuK ist schon verplant. Dort wollen Politiker den Neubau für die Stadtverwaltung errichten.

Was die Stadt für den Sport ausgibt

Sechs Sporthallen von Schulen hat die Stadt in den letzten Jahren saniert – und vergrößert. Beispiel: Aus der Einfeldhalle der Schule Tremser Teich ist eine größere Dreifeldhalle geworden.

322000 Euro jährlich gibt die Stadt für Sportförderung aus. Das Geld kriegen die 141 Vereine unter anderem für Jugendarbeit und Schwimmstunden.

200 000 Euro pro Jahr erhalten die Vereine zudem von der Stadt, wenn sie neue Geräte anschaffen oder Sportanlagen erneuern.

Zwölf Euro kostet die Stunde in einer großen Halle für einen Verein, der weniger als zehn Prozent Jugendliche betreut. Ein Verein mit einer Jugendquote von mehr als 30 Prozent zahlt für eine Stunde in einer großen Halle vier Euro, in einer kleinen Halle einen Euro.

Viele Hallenstunden werden von den Vereine reserviert, aber die Sportler nutzen die Halle nicht. Und gleichzeitig können andere dort keinen Sport treiben. Jetzt hat die Stadt mit der Uni eine neue Software entwickelt, in der jede Stunde individuell gebucht werden kann. Anfang 2018 soll sie online geschaltet werden.

Josephine von Zastrow

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