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Lübeck Spurensuche im alten Pastorat
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21:42 15.08.2017
Maire Müller-Andrae und Joachim Glowe betrachten die freigelegte Deckenmalerei. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Restauratorin macht spannende Entdeckungen – Deckenmalereien aus Renaissance und Barock.

Das Gerüst unter der Holzdecke mit ihren dicken Eichenbalken sieht nach anstrengender Arbeit aus. Monatelang hat die 47-jährige Restauratorin, unterstützt von Kollegin Catherina Staiger, hier über Kopf gearbeitet. „Alleine schafft man das gar nicht“, sagt sie. Mühsam haben sie die vermutlich durch einen früheren Brand verrußte Decke mit allerlei Mitteln, Mulltupfern und Wattestäbchen gereinigt und Malerei aus der Renaissance freigelegt. Zum Vorschein kamen Ranken und Medaillons mit Porträts. „Wer hier dargestellt wird, ist nicht bekannt, das herauszufinden wäre vielleicht eine Aufgabe für Kunsthistoriker“, sagt die Restauratorin. Bereits 2010 hatte die Gemeinde erste Befundsuntersuchungen beauftragt, die Decke wurde baustatisch gesichert. An den Balken gibt es zwar Fraßspuren vom Wurm, „aber die sind nur im Splintholz, der obersten und jüngsten Schicht.“

Der gesamte Gebäudekomplex stammt, wie der stellvertretende Kirchenvorstand Joachim Glowe (71) zu berichten weiß, aus dem Jahr 1264, „damals wurde die erste bürgerliche Lateinschule Lübecks hier eingerichtet.“ Später bewohnten Organisten den Jakobikirchhof 2, also den Gebäudeteil mit den ältesten Bauspuren des gesamten Komplexes. Seit den 1930er Jahren schließlich war die Nr. 2 vom Kioskbetreiber bewohnt, seine Nachfahren nutzten das Gebäude als Ferienhaus. Während der Zeit war die Decke abgehängt. Nach der ersten Befunduntersuchung und den baustatischen Sicherungen stockten die Arbeiten. Etwa im April dieses Jahres, als man überlegte, das internationale „Café Camino“ hier einzurichten, nahm Müller-Andrae die Arbeiten wieder auf.

Im Erdgeschoss hat sie vor einiger Zeit eine tolle Entdeckung gemacht: die Tür zum jüngeren Anbau Jakobikirchhof 1. Ganz vorsichtig, stets mit frischer Skalpellklinge, legte sie 17 Schichten Farbe auf dem Türblatt frei. Als sie bei der zweiten Schicht von unten angelangt war, stellte sie fest: „Das ist kein einfarbiger Anstrich!“ Auf einem winzigen, freigelegten Stückchen glaubte sie einen Baum zu erkennen. „Ich wurde von allen ausgelacht“, erzählt sie, „aber dann stellte sich raus: Es ist ein Baum!“ Inzwischen ist auf dem Türblatt nicht nur ein Baum, sondern ein ganzes Landschaftsgemälde zu sehen. Eine Seltenheit auf Türen nicht feudaler Häuser, „es war unerwartet und macht irre viel Spaß!“ Die Tür wurde datiert auf Anfang des 17. Jahrhunderts (noch Renaissance), die Landschaftsmalerei auf etwa Mitte (Barock).

Ende des Jahres könnte die Diplom-Restauratorin die Arbeiten im Erdgeschoss beendet haben. Laut Glowe ist es „wichtig, dass dieses Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.“ Sobald wie möglich soll hier das „Café Camino“ mit Durchgang zum Jugendpfarramt entstehen. Die Finanzierung der Arbeiten ist gesichert: Von den veranschlagten 250000 Euro übernehmen der Verein zur Erhaltung der Kunstwerke, der Orgeln und der historischen Bausubstanz an St. Jakobi, die Possehl- und eine Hamburger Stiftung 195000 Euro, den Rest muss die Gemeinde aufbringen.

Doch auch im Obergeschoss des Hauses ist schon vieles entdeckt, das restauriert werden müsste. Allerdings wird da noch ein wenig Zeit ins Land gehen . . .

 Sabine Risch

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