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Lübeck St. Aegidien vergessen: Automat prägt Sechs-Türme-Münzen
Lokales Lübeck St. Aegidien vergessen: Automat prägt Sechs-Türme-Münzen
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16:43 04.08.2015
In Wirklichkeit sind noch alle sieben Altstadt-Kirchtürme da: St. Jakobi (v. l.), St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und der Dom. Quelle: Fotos: Peer Hellerling (2), Olaf Malzahn, Holger Kröger
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St. Jakobi, St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und der Dom: Fünf Altstadt-Kirchen, sieben Türme. Lübecks Silhouette ist weltberühmt, Touristen lieben den mittelalterlichen Anblick. Er ziert Tassen, Teller, Bilder und sogar das Logo eines Marmeladen-Herstellers.

Seit Neuestem hat sich auch eine Souvenirmünze dazugesellt, die Lübeck-Besucher an der Obertrave selbst walzen können. Doch wer genau hinschaut, wird feststellen, da stimmt etwas nicht: St. Jakobi, St. Marien, St. Petri und der Dom. Macht vier Altstadt-Kirchen, sechs Türme — St. Aegidien fehlt.

Der Wuppertaler Hersteller Automaten Winkels als Teil der europaweit aktiven Souvenirpräger-Gruppe Euroscope hat den Kirchturm offenbar schlicht vergessen — oder bloß übersehen. Das Gotteshaus versteckt sich je nach Blickwinkel gerne mal hinter St. Petri oder dem Dom. Oder es ist die Rache des Einbrechers, der im Juli aus St. Aegidien Silberinventar im Wert von rund 25 000 Euro gestohlen hatte. Der 32-Jährige wurde Mitte des Monats im Dom festgenommen, als er auch da zuschlagen wollte. Hat er sich nun gerächt und gleich ganz St. Aegidien verschwinden lassen?

„Ich habe gerade aus dem Fenster geschaut, da war die Kirche noch da“, sagt Aegidien-Pastor Thomas Baltrock amüsiert, als er von der Sechs-Türme-Münze erfährt. Dass ausgerechnet sein Gotteshaus vergessen wurde, findet er „im Grunde putzig“. Baltrock: „Vom Zustand des Mauerwerks her ist St. Aegidien von allen Altstadt-Kirchen die solideste.“ Mit anderen Worten: Ausgerechnet die Stabilste soll es nicht mehr geben.

Mindestens drei Präge-Säulen hat Euroscope bislang in der Hansestadt aufgestellt — an der MuK-Bücke, an der Obertrave und am Holstentor. Die ersten beiden Säulen walzen eine Fünf-Cent-Münze platt, man kann vorab aus jeweils drei verschiedenen Motiven wählen. An der Untertrave sind es zwei Schiffsbilder und das Holstentor, an der Obertrave die Salzspeicher, das Holstentor und das Sechs-Türme-Panorama. Man muss einen Euro und fünf Cent in den Automaten werfen — der Euro ist quasi die Gebühr — und zehnmal kräftig kurbeln. Danach fällt unten das ovale Souvenir heraus. Am Holstentor wiederum kostet das Andenken zwei Euro, dafür gibt es einen Silbertaler mit zwei verschiedenen Aufdrucken.

Schon bis zur Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) hat sich das falsche Kupferstück herumgesprochen. Einige Touristen seien bereits zum Welcome Center gekommen, um auf das Verschwinden von St.

Aegidien hinzuweisen. Doch die LTM ist nicht zuständig, die Münz-Maschinen wurden ohne Absprache aufgestellt. Dennoch wäre LTM- Chef Christian Martin Lukas glücklicher, wären alle Kirchen zu sehen:

„Wir sind auf jeden einzelnen der insgesamt sieben Türme stolz, die seit Jahrhunderten die Stadtsilhouette prägen“, sagt er. „Wir wünschen uns daher natürlich von allen Souvenirartikel-Herstellern eine einwandfreie Darstellung im Sinne der Lübeck-Werbung.“

Als die LN bei Automaten Winkels anrufen, zeigt man sich dort verwundert. Sie haben unter anderem Medaillenpräger in Brüssel, London und Berlin. Dass Lübeck aber die Sieben- Türme-Stadt ist, scheint niemand zu wissen. Trotz mehrmaliger Nachfrage konnte man bislang keine Erklärung abgeben, wieso einer vergessen wurde.

In St. Aegidien bleibt Pastor Baltrock hingegen gelassen. Das Panorama-Motiv dürfe allerdings gerne überarbeitet werden — dann bitte mit der Aegidienkirche. Und wenn nicht: „Wir werden es überleben“, sagt Baltrock. „Uns wird es garantiert noch geben, wenn die Münzen schon längst weg sind.“

Peer Hellerling

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