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Der Brolingplatz: Von Ratsherren und Arbeitern

LN-Serie "Mein Viertel, mein Zuhause" Der Brolingplatz: Von Ratsherren und Arbeitern

Seit der Brolingplatz neu gestaltet ist, erwacht das Quartier ringsum zu neuem Leben — Es hat eine lange Tradition.

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Die Alteingesessene: Helga Klusmann wurde vor 71 Jahren an der Schwartauer Allee geboren und wohnt noch heute in der Nähe des Brolingplatzes.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Helga Klusmann (71) ist in ihrem Leben genau einmal umgezogen. Das Stadtviertel hat sie dabei nicht gewechselt. Im Jahr 1893 kauften ihre Urgroßeltern ein Haus an der Schwartauer Allee im schnell wachsenden Stadtteil St. Lorenz. 1944 wurde Helga Klusmann in diesem Haus geboren und lebte dort, bis sie 1971 in die Reiferstraße zog — einen Steinwurf entfernt. Im Mittelpunkt ihres Lebens steht heute die ehrenamtliche Arbeit in der Matthäi-Kirche an der Schwartauer Allee, in der sie getauft und konfirmiert wurde. „Ich möchte nirgendwo anders wohnen“, sagt sie.

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Helga Klusmann ist das wandelnde Gedächtnis des Quartiers rund um den Brolingplatz. Als Kind spielte sie auf einem Trümmerfeld an der Schwartauer Allee oder zeichnete mit einem Stock Hinkepott-Felder auf den Sandstreifen am Straßenrand. An ihrem Haus fuhr die Straßenbahn vorbei. Sonntags kamen Hunderte zum Gottesdienst in die neugotische Matthäi-Kirche. Überall spielten Kinder auf den Kopfsteinpflasterstraßen. „An jeder Straßenecke war ein Laden“, erzählt sie. „Man musste das Viertel nicht verlassen.“ Sie erinnert sich an den Gartenbedarfsladen, die Laufmaschenaufnahme, an Milchladen, Gemüseladen, Süßigkeitenladen, Drogerie, Leihbücherei, Pferdeschlachterei. Weil viele Familien in dem Arbeiterstadtteil keine eigene Badewanne hatten, gab es eine Badeanstalt.

Die Straßenbahn, das enge Geflecht aus Kleinhandel und Kleingewerbe, die Kinderscharen auf der Straße — das gibt es alles nicht mehr, und die Kirche ist sonntags auch nicht mehr voll; aber die Straßen, die Häuser, die Kirche, das gibt es fast alles noch. Das Quartier zwischen Fackenburger Allee, Lohmühle und Eisenbahn hat den Charakter eines typischen Gründerzeitviertels bewahrt: geschlossene Bebauung, Kopfsteinpflasterstraßen, städtische Dichte. Einen verbindlichen Namen hat das Viertel nicht. Früher wurde es oft „Ratsherrnviertel“ genannt, wegen der vielen Straßennamen, die an Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte erinnern: Gloxin, Glandorp, Warendorp, Westhoff, Kerckring. Lauter Lübecker Patriziergeschlechter — dabei war dieses Viertel in seinen frühen Jahren ein typisches Arbeiterviertel. Noch heute lassen Bürgermeister Bernd Saxe und andere Lübecker SPD-Größen sich gern auf dem Wochenmarkt am Brolingplatz blicken.

Die Geschichte des Viertels

1764: In der Adlerstraße entstehen die ältesten erhaltenen Reihenhäuser der Vorstadt.

1861: Die Vorstädte werden offiziell anerkannt. St. Lorenz ist die bevölkerungsreichste.

1883: Der Bau des Schlachthofs beginnt. Er wird ständig erweitert. Anschließend an das Gebäude entsteht 1913 ein Kühlhaus.

1892: In der Ludwigstraße entstehen die ersten Wohnungen des Gemeinnützigen Bauvereins.

1900: Die neugotische Backsteinkirche St. Matthäi an der Schwartauer Allee wird eingeweiht.

1942: Der Bomberangriff auf Lübeck trifft auch St. Lorenz Nord – unter anderem den Schlachthof.

1952: Für die vielen katholischen Flüchtlinge wird die Bonifatius-Kirche an der Wickedestraße eingeweiht.

2015: Im Dezember wird der Wochenmarkt auf dem neu gestalteten Brolingplatz wiedereröffnet.

Dieser Platz wird heute meist als Namensgeber für das Viertel verwendet. Er war lange Zeit unansehnlich, auch dann noch, als sich nicht mehr der Verkehr zur Autobahnauffahrt an der Lohmühle an ihm vorbei durch die Friedenstraße wälzte. Seit Ende November ist er wieder eröffnet. Der Wochenmarkt ist vom Exil vor einem Baumarkt an der Lohmühle an seinen Platz mitten im Viertel zurückgekehrt.

Sehr zur Freude von Margrit Feldmann (64). Ihr Obstbaubetrieb aus dem Alten Land ist dem Brolingplatz besonders verbunden: Es ist der einzige Wochenmarkt, auf dem er einen Verkaufsstand hat, und das seit drei Generationen. Jede Woche zwei Mal kommt Margrit Feldmann aus dem Alten Land. Die Kinder kriegen bei ihr immer einen Apfel. „Dann sagen die Eltern oft: Das kenn‘ ich noch von früher, als ich ein Kind war“, sagt sie. Detlef Mischnik (48) verkauft auf dem Brolingplatz mit seiner Frau Kerstin (48) seit 25 Jahren Fisch — und auch er ist froh, wieder hier zu sein. Die alten Kunden seien alle wiedergekommen, sagt er. „Das ist ein gemütlicher Markt mit bodenständigem Publikum. Es kommen hauptsächlich Stammkunden, zu zwei Dritteln aus diesem Viertel. Viele kenne ich mit Namen.“

Einer seiner neueren Kunden ist Kai Obermüller (33), der vor einem Jahr aus dem Rheinland gekommen ist. Er freut sich, dass er in dieser Gegend etwas gefunden hat: „Es ist bezahlbar und hat eine schöne, ruhige Lage.“ Er kommt viel in dem Viertel herum, weil er mit seiner Lebensgefährtin Geocaching betreibt, eine Art digitale Schnitzeljagd mit GPS-Ortung. „Das ist von hier bis zur Lohmühle ganz groß, da sind viele Geocaches versteckt.“ Als er in sein Haus gegenüber der Grundschule in die Brockesstraße zog, habe die Vermieterin ihn vor den lauten Kindern gewarnt. „Ich habe gesagt: Das ist doch kein Lärm! Wenn Sie aus Wuppertal kommen, ist das hier wie ein Dorf.“

Hanno Kabel

Wussten Sie, dass

. . . 8050 Menschen im Quartier Brolingplatz leben? 17,6 Prozent von ihnen sind 60 Jahre und älter.

. . . der amtliche Name des Quartiers „Holstentor Nord östlich der Fackenburger Allee“ lautet?

. . . Ein-Personen-Haushalte einen immer größeren Anteil ausmachen? Zurzeit sind es 61,8 Prozent, gegenüber 50,9 Prozent in ganz Lübeck.

. . . die Friedenstraße, die mitten durch das Wohnquartier führt, bis 2009 eine Art inoffizieller Autobahnzubringer war? 2009 wurde sie verkehrsberuhigt.

. . . die Awo ein Nachbarschaftsprojekt verfolgt, das vor allem Treffpunkte für alte Leute schaffen soll?

. . . die Reiferstraße ihren Namen von den Reifschlägern (Reepschlägern) hat, die Taue flochten und dafür lange Bahnen brauchten?

. . . dort, wo einmal der Schlachthof an der Schwartauer Allee war, ein Investor 25 Millionen Euro investieren und einen Supermarkt und Wohnungen bauen will? Das Vorhaben ist wegen der Größe des Supermarkts aber politisch umstritten.

  Die neue LN-Serie "Mein Viertel, mein Zuhause" entführt Sie alle zwei Wochen jeweils am Wochenende in ein anderes Viertel unserer Stadt. Sie stellt Ihnen die Menschen vor, die dort leben, und erzählt, was den Kiez so besonders macht. Was bewegt in den Stadtteilen? Gibt es etwas, das die Menschen in Ihrem Viertel bewegt, freut oder ärgert? Etwas, worüber die LN berichten müssen? Schicken Sie uns eine E-Mail an: redaktion.luebeck@ln-luebeck.de

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