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Lübeck Zum Hilfseinsatz im Kriegsgebiet

Die Sonne scheint in ihre schöne Dachgeschosswohnung in der Hansestraße. Eine dampfende Tasse Tee steht vor ihr wie auch ein Schüsselchen voller Nüsse.

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Franziska Noll hat in der Klinik die einheimischen Ärzte gecoacht.

St. Lorenz Süd. Die Sonne scheint in ihre schöne Dachgeschosswohnung in der Hansestraße. Eine dampfende Tasse Tee steht vor ihr wie auch ein Schüsselchen voller Nüsse. Franziska Noll ist wieder angekommen, aber die Erinnerungen halten sie noch immer gefangen. „Man kann dort helfen und den Menschen beistehen, ihnen Hoffnung für eine bessere Zukunft geben“, ist die 32-Jährige überzeugt. Ein gefülltes Päckchen steht bereits wieder zum Versand nach Afghanistan parat, wie ein Symbol. „Das ist für meine Freunde, die ich in den sechs Monaten dort gewonnen habe“, sagt sie.

LN-Bild

Die Sonne scheint in ihre schöne Dachgeschosswohnung in der Hansestraße. Eine dampfende Tasse Tee steht vor ihr wie auch ein Schüsselchen voller Nüsse.

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Franziska Noll ist Assistenzärztin in der Weiterbildung Pädiatrie. Ein Jahr fehlte ihr noch, um Spezialistin, also Fachärztin in der Kinderheilkunde zu sein. „Ich habe meinen Job aber gekündigt, um bei ,Ärzte ohne Grenzen‘ arbeiten zu können. Denn wenn man sich dort für einen Hilfseinsatz bewirbt, kann es ganz schnell gehen, so dass man innerhalb von ein paar Wochen losgeschickt wird“, erklärt die gebürtige Brandenburgerin.

Und die Wahl-Lübeckerin wurde entsandt, für ein halbes Jahr in ein Krisenland, das mal voller Hoffnung war, nun aber von immer mehr Menschen wegen Hoffnungslosigkeit verlassen wird. „Khost liegt an der pakistanischen Grenze, und ,Ärzte ohne Grenzen‘ hat in dieser afghanischen Stadt ein ehemaliges, leer stehendes Militärkrankenhaus zu einer Geburtsklinik umgebaut mit einer Neugeborenenstation, auf der ich tätig war“, berichtet sie. Die Einrichtung sei eine „richtige Geburtsfabrik, mit rund 20 000 Geburten pro Jahr“.

Man sei dort spezialisiert auf komplizierte Geburten und trage somit einen großen Teil zur Reduzierung der Mütter- und Neugeborenen-Sterblichkeit in der Region bei. „Trotzdem hatten wir noch bis zu 20 tote Babys pro Woche. In Deutschland habe ich gerade mal zwei verstorbene Säuglinge in vier Jahren gesehen“, sagt sie. „Bis zum Schluss ist mir jedes Totgeborene nahe gegangen.“ Notfallsituationen gab es während ihres Einsatzes sehr häufig, da die Mütter oft viel zu spät und mit schweren Geburtskomplikationen das Krankenhaus erreichten.

Es sei eine sehr intensive Zeit gewesen. Besonders gern erzählt sie dabei in der Rückschau die Geschichte von Parishta. „Das kleine Mädchen erblickte als einzig überlebender Drilling mit nur 710 Gramm Gewicht das Licht der Welt. Die Mutter hatte bereits seit acht Jahren versucht, schwanger zu werden, und war so dankbar für die drei Monate, in denen wir als Team die kleine Kämpferin behandelt haben“, erinnert sie sich mit einem noch immer glücklichen Lächeln. „Sie ist uns allen ans Herz gewachsen. Und als wir sie wieder in die Obhut ihrer Familie entlassen konnten, war sie stabil. Das war wohl der schönste Moment in den sechs Monaten“, so Franziska Noll.

Vom Land Afghanistan selbst hat sie nur sehr wenig gesehen. Bis auf einen Wochenend-Ausflug in die Hauptstadt Kabul ließ die Sicherheitslage nicht mehr zu. „Entsprechend haben wir die ganze Zeit auf dem Krankenhausgelände gewohnt und dort auch unsere Freizeit verbracht“, sagt die junge Medizinerin. „In der Umgebung hat es schon öfters mal geknallt — ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt Angst.“

Folglich habe sie das Land „durch ein kleines Schlüsselloch“ wahrgenommen, über den Kontakt mit den einheimischen Kollegen und den hilfesuchenden Familien. „Die Frauen aus der Region kamen stets mit Burka in die Klinik, während in Kabul häufig ein locker gebundenes Kopftuch zu sehen war“, beschreibt sie ihre Eindrücke. Und aus den Gesprächen im Team habe sie mitgenommen, dass man sich die Freiheiten, die im öffentlichen Raum immer mehr verloren gegangen seien, eher im Privaten schaffe.

„Wir haben unser Wissen weiter gegeben; es bleibt also beim verbliebenen Team vor Ort“, resümiert sie, „so bleibt auch die Hoffnung auf bessere Zeiten.“

Medizinische Nothilfe

70 Länder sind derzeit im Fokus von „Médecins Sans Frontière“/„Ärzte ohne Grenzen“. Die Mitarbeiter der privaten internationalen Organisation leisten medizinische Nothilfe für Menschen, die durch Kriege oder Naturkatastrophen in Not geraten sind. Sie rekrutieren sich meist aus Ärzten und Pflegekräften; in den Projekten sind auch Vertreter zahlreicher anderer Berufe tätig. Die spendenfinanzierte Organisation sieht sich den in den Genfer Konventionen festgelegten Prinzipien — Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität — verpflichtet.

Von Michael Hollinde

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