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Lübeck St. Marien und Dom in der Warteschleife
Lokales Lübeck St. Marien und Dom in der Warteschleife
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22:10 23.12.2017
Eine tolle Dom-Ansicht – aber Rissbildungen an den Türmen und abplatzendes Mauerwerk haben schon Absperrungen des Geländes nötig gemacht.

In seinem Fazit ist Uwe Brunken ehrlich. „Jetzt nach der Petri-Sanierung ist das Sparschwein erstmal leer. Nun müssen wir es wieder füllen, bis sich so in etwa ein oder zwei Jahren erneut die Maurerkelle der Kirchenbauhütte bewegt“, sagt der Sieben-Türme-Projektleiter. Und die nächsten Jahre im Blick fügt er noch an: „Das ist erneut eine Mammutaufgabe.“

Der Turm von St. Petri ist gerade für knapp drei Millionen Euro saniert worden. Doch es warten bereits die nächsten vier Innenstadt-Kirchtürme. Auch am Dom und an der Marienkirche bröckelt gefährlich das Gemäuer. Deshalb rührt der Kirchenkreis schon wieder kräftig die Spendentrommel.

In den vergangenen viereinhalb Jahren hat die Kampagne „Sieben Türme will ich sehen“ das Projekt St. Petri begleitet und ordentlich Spenden eingeworben. Denn der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg habe selbst nur eine Million Euro pro Jahr in seinem jährlichen Bau- Etat für all seine 57 Gemeinden zur Verfügung, so Brunken. Zusammen mit seinem Kollegen, Fundraiser Christian Hohmann, versucht er, dass zusätzlich dringend benötigte Geld aufzutreiben.

Die Reihenfolge der Instandsetzung der einzelnen Türme steht derzeit allerdings noch nicht fest. „Wenn es ganz schlimm kommt, hätte man vier Türme gleichzeitig in der Sanierung“, sorgt sich Brunken.

Dann müsse man sich dem Schicksal fügen. An der Marienkirche jedenfalls sind die Voruntersuchungen fast abgeschlossen. Es wurden Rissbildungen, Steinabplatzungen, Lösen von Eckquadern und nasses Mauerwerk diagnostiziert. Die Sanierung der Außenmauern der Turmschäfte ist geplant. Die Gemeinde sitzt zurzeit mit einem Architektenbüro zu den genauen Baumaßnahmen zusammen und ist dabei, einen Finanzierungsplan aufzustellen.

Am Dom zu Lübeck stehen die klärenden Voruntersuchungen im kommenden Jahr jedoch noch an. Wie bereits bei St. Petri sollen eine Musterfläche ausgewählt und genau die Zerstörungsprozesse im Mauerwerk analysiert werden. Anhand dieser Fläche werden die Schäden, die folgenden Schritte und damit auch die Kosten kalkuliert. „Nur so ist es möglich, dass man keine bösen Überraschungen erlebt. Dass sich dies auszeichnet, haben wir schon bei St. Petri gesehen“, erklärt Hohmann.

Allein die Voruntersuchungen werden schon mit etwa 400000 Euro zu Buche schlagen. Die Domgemeinde beginnt deshalb schon mit der Akquise von Drittmitteln und Spenden. „Und einen gemeinsamen Projektplan haben wir auch bereits entworfen“, sagt Uwe Brunken. Fest steht: Das Außenmauerwerk der Doppelturmanlage muss in den nächsten Jahren saniert werden. Große sichtbare Rissbildungen an den Backsteintürmen und abplatzendes Mauerwerk haben bereits zu einer teilweisen Sperrung des Geländes geführt.

Wie viel Geld insgesamt investiert werden müsse, lasse sich zurzeit nur sehr grob überschlagen. „Eine Summe von sechs Millionen Euro für den Dom, und für St. Marien wohl weniger, schwirrt so herum“, erklärt Fundraiser Hohmann. Das heißt: Zwischen elf und zwölf Millionen Euro an Sanierungskosten werden wahrscheinlich auflaufen.

„Das ist immens“, so Hohmann, der seit knapp zwei Jahren in der Kirchenkanzlei arbeitet. Der Hamburger kannte Lübeck zwar als mittelalterliche Stadt mit dem Holstentor, Gängen und so weiter. Die Bezeichnung „Stadt der Sieben Türme“ aber kannte er nicht. Das ist nun anders. „Ich denke, dass unser Projekt noch viel Potenzial hat“, ist er zuversichtlich.

Sein Optimismus wird aus den Erfahrungen der Vergangenheit gespeist. So haben während der Kampagne für St. Petri neben den großen Stiftungen an die 1000 Groß- und Kleinspender Geld überwiesen. Aber auch das Engagement vieler eher kirchenferner Menschen, die sich auch durch Aktionen wie den Türme-Kalender, den Kampagnen-Film oder in Kooperationen für ihre Wahrzeichen stark machen, sei beeindruckend.

Neuer Türme-Film auf LN-Online

Die sieben InnenstadtKirchtürme sind aus mehreren Backsteinschichten gemauert und Wind, Regen und Frost schutzlos ausgeliefert. Der Petri-Turm ist nun saniert; 3500 Quadratmeter Fassadenfläche wurden instandgesetzt, das heißt Klosterformatsteine und Fugen getauscht, die Natursteingesimse und Maueranker saniert sowie die Dienste und Maßwerke an den Fenstern wieder gesichert.

Jetzt stehen die Türme von St. Marien und vom Dom als nächstes an. Ein neuer Film verdeutlicht die Größe dieses Projektes.

"Der ganze Film wird am Donnerstag, 21.12. auf dem Sieben-Türme-Kanal bei youtube eingestellt und dann auf die Internetseite der Kampagne www.sieben-tuerme-luebeck.de verlinkt."

 Michael Hollinde

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