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Lübeck St. Petri: Diese Kirche liebt die Vielfalt
Lokales Lübeck St. Petri: Diese Kirche liebt die Vielfalt
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12:21 10.12.2013
Sie haben sich in St. Petri getraut: Das Brautpaar Sabine Haß und Marc Buscher. Die Kollekte ihres Hochzeitgottesdienstes spenden sie der sanierungsbedürftigen Kirche. Quelle: Jörn Kießler
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Lübeck

Die Titelmelodie des Filmklassikers „Indiana Jones“ erklingt an der Orgel. Das Brautpaar Sabine Haß (31) und Marc Buscher (38) betritt die Kirche: Heute geben sich die beiden das Jawort. Eine ungewöhnliche Musik für diesen Anlass, doch St. Petri ist auch eine ungewöhnliche Kirche. „Eine, die den weiten, lichten Raum liebt“, wie ihr Pastor Bernd Schwarze sagt. Und er meint das durchaus bildlich auf ihre Vielfalt bezogen.

Dass dort auch Trauungen stattfinden, ist auch schon etwas Besonderes. „Ich habe meist nur zwei bis drei im Jahr, manchmal gar keine“, sagt Schwarze. „So etwas ist bei so viel Kulturprogramm in der Kirche auch gar nicht möglich.“ Bei Menschen, die jedoch ihren ganz persönlichen Bezug zu St. Petri haben, macht der Pastor ab und an eine Ausnahme. Sabine Haß und Marc Buscher sind so ein Paar.

„Wir sind zwar in einem kirchlichen Kontext aufgewachsen, waren aber nie beständige Kirchengänger“, sagt der Bräutigam Marc Buscher. „Erst über die Veranstaltungen in St. Petri sind wir überhaupt der Kirche näher gekommen.“ Während eines Auslandsjahres in Neuseeland hatte Sabine Haß eine Kirchengemeinde kennengelernt, deren Konzept ihr besonders zusagte: Hintergründige und kritische Veranstaltungen zu Themen, die die Menschen aktuell bewegen. In der St.-Petri-Veranstaltungsreihe „Petrivision“ fand die 31-Jährige genau das wieder.

Denn als „kein Gottesdienst im klassischen Sinne, sondern als ein vielstimmiger Themenabend für aufgeklärte Zeitgenossen“ wird die Petrivision angekündigt. Glaube, Kultur und Wissenschaft werden hier verbunden in einem Mix aus Vorträgen und künstlerischen Einlagen von Gesang über Theater bis hin zu Instrumentalmusik mit Lichtinstallationen — ein Erlebnis für alle Sinne. „Es gibt da so Momente, in denen dort einfach nur eine Opernsängerin steht und ohne Mikro singt, so etwas habe ich noch nirgendswo anders gesehen“, sagt Sabine Haß. „Da kann man aus dem Alltag aussteigen und danach noch angeregt über das Thema diskutieren und reflektieren.“ Die Offenheit, welche die Kirche ausstrahlt, hat das Paar überzeugt: „Wir hatten gleich so ein Gefühl der Zugehörigkeit.“ Aus diesem Grund wollten sie unbedingt in St. Petri ein symbolisches Ausrufezeichen hinter ihre Verbindung setzen.

Dass besonders Menschen den Weg zu St. Petri finden, die sonst der Institution Kirche nicht so zugeneigt sind, das kennt Bernd Schwarze schon. „Hier finden viele einen Ort, die sich noch nicht so sicher mit ihrem Glauben sind“, so der Pastor. „Die Menschen sollen sich auch in Ruhe auf solche Fragen einlassen können, da soll kein Druck ausgeübt werden.“

So findet die ungewöhnliche Gottesdienst-Reihe Petrivision ab September wieder jeweils am ersten Sonnabend im Monat ab 23 Uhr mit einem neuen Programm statt — dieses Mal zum Thema „Krisen“. „Wir haben immer eine Kreativgruppe aus zehn bis zwölf Leuten aus Theater, Musik und Wissenschaft, welche die Basis für die inhaltliche Arbeit legen“, erklärt Schwarze. „Dieses Mal wollten alle wieder eine etwas politischere Stoßrichtung und haben ein Thema gewählt, das uns ständig begegnet.“ Doch St. Petri als Kulturkirche hat regelmäßig noch mehr Veranstaltungen zu bieten: Derzeit findet dort eine Reihe an Lesungen zum Literatursommer unter dem Länderschwerpunkt Estland, Lettland und Litauen statt. Auch Kunstausstellungen, Konzerte oder das LN-Forum zur Wahl haben in der Kirche eine Heimat.

Das Paar Sabine Haß und Marc Buscher möchte dazu beitragen, dass der Betrieb in der Kulturkirche weiter so laufen kann und spendet die Kollekte ihres Hochzeitsgottesdienstes für das sanierungsbedürftige Bauwerk. Buscher: „Es ist uns einfach sehr wichtig, dass die Kirche so wie sie ist mit ihren Veranstaltungen erhalten bleibt.“

Spendenaktion
Sieben Türme sollst du sehen — so heißt die Spendenaktion für die Kirche St. Petri. Passend zu diesem Motto steht der momentane Spendenstand auf einem Betrag mit vielen Siebenen: 377 722,77 Euro.
Jeder Cent wird für die Sanierung gebraucht: Nachdem Experten herausgefunden haben, dass Wasser ins Gewölbe über dem Café eingedrungen ist, hat sich die ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten von 2,8 Millionen Euro noch um weitere 150 000 Euro erhöht.

Lena Schüch

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