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Lübeck St. Petri: Jetzt beginnt die Sanierung
Lokales Lübeck St. Petri: Jetzt beginnt die Sanierung
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21:10 03.07.2014
Hat die Gerüstteile und seine Männer fest im Griff: Kolonnenführer Daniel Wiemers (33) von der Stapelfelder Gerüstbaufirma Treichel. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Lautes Gehämmer von Metall auf Metall, ein Lkw, der auf dem engen Gelände vor dem Haupteingang von St. Petri rangiert, muskulöse Männer, die Streben und Platten Stück für Stück zum Kirchturm tragen, um das Gerüst zu bauen: Ziemlich ungemütlich geht es derzeit vor der Kultur- und Universitätskirche zu. Doch gestern gab es auch viel Grund zur Freude, „denn jetzt geht die ganz große Baumaßnahme los“, so Pastor Dr. Bernd Schwarze.

Es ist der erste Bauabschnitt der Gesamtsanierung, die etwa 2,8 Millionen Euro kosten wird. Bis Ende 2015 wird der Turmschaft von außen ausgebessert, danach folgen die Sanierung der Nordwestecke und des Portales bis 2016, zum Schluss ist dann 2017 die Südwestecke an der Reihe, wie Liane Kreuzer, Leiterin der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, erklärt. Drei bis vier Wochen wird es dauern, bis die 4000 Quadratmeter Gerüst gebaut und auf 46 Metern Höhe angelangt sind. Dann legen Kirchenbauhütten-Leiter Bernd Leinert und sein neunköpfiges Team los.

„Sieben Türme sollst Du sehen“ lautet die Kampagne des Kirchenkreises, die bei den Bürgern der Hansestadt Spenden einwerben will für den Erhalt der Innenstadtkirchen mit ihren zusammen sieben Türmen.

St. Petri ist erst der Anfang. Spendenstand vom 2. Juli: 1 087 520, 85 Euro. „Die sieben Türme sind ein Geschenk für uns“, sagt Lienhard Böhning, einstiger stellvertretender Stadtpräsident, langjähriges SPD-Bürgerschaftsmitglied und zugleich lange Zeit in der Synode des Kirchenkreises tätig. Er ist seit gestern Schirmherr der Kampagne — „Schirmherr für alle sieben Türme“, wie er sagt.

Man habe ihm dieses Ehrenamt angetragen, erklärt Kai Schröder stellvertretend für Pröpstin Petra Kallies, weil er „durch die Verbindung von Politik und Kirche nahezu prädestiniert“ dafür sei. Und Böhning hatte es gern übernommen, „weil ich weiß, dass die Lübecker ihre Türme lieben und ich hoffe, dass sie viel spenden“. Er versprach, sich intensiv dafür einzusetzen.

Die Sanierung der Backsteinfassade aus dem 12. Jahrhundert kann erst jetzt begonnen werden, weil der Kirchenkreis auf Zusagen für Fördermittel vom Bund und der Stiftung Deutscher Denkmalschutz warten musste. Das äußere Mauerwerk ist durch eintretende Feuchtigkeit erheblich beschädigt. Bei früheren Ausbesserungsarbeiten hatte man Kalkmörtel verwendet — was aus heutiger Sicht ein Fehler war. Dieses Mal will man alles richtig machen, weshalb Bernd Leinert und seine Leute sieben verschiedene Testfelder mit unterschiedlichen Sorten Hochbrandgips mittelalterlicher Machart gemauert hatten. Wenn Leinert und seine Leute voraussichtlich Anfang August mit der Arbeit beginnen, werden schätzungsweise 40 000 sogenannte Klosterformatsteine und 4500 Formsteine verwendet. Zudem werden 2000 Quadratmeter Fugen zu erneuern sein, so die Schätzungen. „Ich bin gespannt, was uns oben erwartet“, sagt Bauchefin Kreuzer.

Hüttenchef Leinert hoffte gestern derweil, „dass die Gerüstbauer mit dem Tunnel über dem Eingang fertig werden, damit wir ein Dach drauf machen können“. Denn der Eingang wird gebraucht, der Betrieb geht weiter. „Der Aussichtsturm bleibt geöffnet, das Café bietet seine Spezialitäten an, und alle Veranstaltungen finden statt“, verspricht Pastor Schwarze.

Wenn alles glatt läuft, steht die Petrikirche Anfang 2018 wieder ohne Gerüst da. Doch dann stehen schon die nächsten Sanierungen an — Dom, St. Aegidien und St. Marien seien dann wohl an der Reihe, derzeit laufen Untersuchungen. Liane Kreuzer: „Wir wissen sicher, dass bis 2020 immer eine Innenstadtkirche eingerüstet sein wird.“

Zahlen und Fakten
1,087 Millionen Euro — so lautet der Spendenstand vom Mittwoch. 2,8 Millionen Euro wird die Petri-Sanierung insgesamt kosten 1000 Euro kosten allein Material und Austausch von 50 einfachen Fassadensteinen, ein Quadratmeter Mauer-Sanierung schlägt mit 140 Euro zu Buche 2000 Quadratmeter Fassadenfläche werden von der Kirchenbauhütte saniert, 75 schmiedeeiserne Anker müssen fachmännisch begutachtet und gegebenenfalls ausgetauscht werden.

Sabine Risch

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