Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck St. Petri: Neuer Mörtel nach altem Rezept
Lokales Lübeck St. Petri: Neuer Mörtel nach altem Rezept
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 16.02.2015
Insgesamt drei Wochen arbeitet Restauratorin Magdalena Jakubek in der Werkstatt neben der Petrikirche. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Grau ist nicht gleich Grau: Zart, beinahe weiß kann es scheinen, und sich wiederum, durch die Beimengung von Schwarzpigmenten, zu einer tiefdunklen Mischung verkehren.

Dazwischen gibt es eine weite Palette unterschiedlicher Grauabstufungen — weit sichtbar an Plattenbauten oder Brückenpfeilern oder dezent-kleinteilig, etwa als Mörtel zwischen Granit- oder Backsteinen.

So auch im Mauerwerk von St. Petri — seit Juni letzten Jahres laufen hier die Sanierungsmaßnahmen der Außenfassade, im ersten Arbeitsschritt wurden bereits zehn Meter der Westfront mit ihrem 108 Meter hohen Kirchturm von beschädigten Steinen und brüchigem Mörtel befreit. „Es handelt sich dabei um einen mittelalterlichen Hochbrandgipsmörtel, der mit Holzkohle angereichert ist“, sagt Bernd Leinert, Leiter der Bauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Über 800 Jahre hat das Füllmaterial an den meisten Stellen der Fassade gehalten — eine lange Zeit, die laut Leinert für die besondere Stabilität des Gipsmörtels spreche: „Wir haben uns daher entschieden, dieses Material auch für die Sanierungsarbeiten zu verwenden.“

Um die drei Euro kostet ein Kilo Hochbrandgips, Leinert schätzt, dass im Zuge der Fassadenrestaurierung insgesamt etwa 15 000 Kilo des Materials verwendet werden. „Zement ist da weitaus günstiger, hat aber eine geringere Festigkeit und ist langfristig weniger wetterbeständig“, so der Bauhüttenleiter.

Bei der Entwicklung des neuen Mörtels ist neben der Farbe auch die Zusammensetzung und Festigkeit des Materials wichtig. „Der Hochbrandgipsmörtel muss an den betreffenden Stellen mit dem alten Mörtel eine haftende Verbindung eingehen“, sagt Architekt Christoph Diebold, „sonst besteht die Gefahr, dass er bei schlechter Witterung und Feuchtigkeit wieder abplatzt.“ Ein Risiko, das nun mit fachkundiger Hilfe minimiert wird: Seit zwei Wochen arbeitet Magdalena Jakubek in der Kirchenbauhütte, die Diplom-Restauratorin hat sich in ihrem Arbeitsfeld auf mittelalterliche Gipsmörtel spezialisiert. „Ich habe mich in meiner Dissertation mit dem Thema befasst.“ Jetzt hilft die gebürtige Polin die richtige Mörtelmasse für St. Petri zu finden.

Dafür reichert die Restauratorin Hochbrandgipsmörtel mit unterschiedlichen Mengen zermahlener Holzkohle an. „Mit den Proben kann man unter anderem den für die Fassade richtigen Grauton bestimmen“, erklärt Jakubek. An einer Testwand an der Kirchenmauer werden die Proben dann auf ihre Farbwirkung und Festigkeit geprüft.

Mittlerweile haben sich die Beteiligten für einen dunklen Grauton entschieden, ansonsten werde bei den Restaurierungsarbeiten so wenig alte Bausubstanz wie möglich ersetzt. „So wenig wie nötig — das ist unser Ziel. Schließlich steht die Petrikirche unter Denkmalschutz“, sagt Christoph Diebold.

Das Auffüllen der beschädigten Fugen beginnt allerdings erst im Frühjahr. „Wir brauchen für die Verarbeitung des Mörtels Temperaturen von mindestens fünf Grad“, sagt Bernd Leinert, „momentan können wir nur die brüchigen Mörtelstellen mit einem Präzisionshammer aus dem Mauerwerk schlagen.“

Die Westfassade soll bis Ende 2015 fertig saniert sein, „anschließend beginnen wir mit den Arbeiten an der Nordwestfassade, 2017 soll die Sanierung der Südwestseite abgeschlossen werden“, so Leinert.

Wichtige Sanierung

2,8 Millionen Euro soll die Sanierung der Außenfassade kosten, die Arbeiten sollen Ende 2014 abgeschlossen werden. Insgesamt werden um die 15000 Kilo Hochbrandgipsmörtel verarbeitet.


Eintretende Feuchtigkeit und Frost haben dem alten Mauerwerk über die Jahre zugesetzt, in den Eckaufmauerungen sind bereits tiefe Risse zu erkennen.

Katrin Diederichs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

39-Jähriger erhält zwei Jahre und neun Monate Haft wegen Freiheitsberaubung.

16.02.2015

Die Straßenbrücke über die Schleuse Büssau, die Ober- und Niederbüssau miteinander verbindet, darf ab Montag, 2. März, nur noch mit einem Gesamtgewicht von maximal zwölf Tonnen befahren werden.

16.02.2015

Die Frühjahrsaktion zur kostenlosen Baum- und Strauchabfuhr beginnt. Bis zum 20. März nehmen die Entsorgungsbetriebe Anmeldungen an.

16.02.2015