Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck St. Petri: Sorge um Gewölbe über dem Café
Lokales Lübeck St. Petri: Sorge um Gewölbe über dem Café
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:19 10.12.2013
Von Torsten Teichmann
Bernd Guericke, Liane Kreuzer, Bernd Schwarze und Christoph Diebold (v. l.) nahmen das Gewölbe von oben in Augenschein. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck

Tiefe Risse im Mauerwerk des Kirchturms, durch die Wasser eindringt, poröse Gesimse, die dringend erneuert werden müssen — und als ob das noch nicht genug sei, kommt jetzt die Nachricht: Die Standsicherheit des Gewölbes über dem Café in St. Petri im Nordwestteil der Kirche ist langfristig nicht mehr gesichert. Eine akute Gefahr besteht derzeit nicht. Doch die Sanierungsarbeiten könnten nicht auf die lange Bank geschoben werden, betonten gestern der Statiker Prof. Bernd Guericke, die Leiterin der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Liane Kreuzer, und Architekt Christoph Diebold. Vor dem Einsturz stehe das Gewölbe noch nicht, doch Sicherungsmaßnahmen seien dringend erforderlich. Nichts zu tun sei „langfristig nicht zu verantworten“, sagte Guericke.

Erleichtert äußerten sich die Kirchensanierer darüber, dass die Schäden am Gewölbe vor dem Beginn der Baumaßnahmen am Kirchturm entdeckt worden seien. Denn die Arbeiten am Kirchturm verursachen zwangsläufig Vibrationen und Erschütterungen. Es zahle sich aus, dass man die Kirche seit Monaten intensiv untersucht und ein „großes Aufmaß der Fassadenflächen“ erstellt habe, erklärte Liane Kreuzer: „Alle problematischen Stellen sind untersucht worden.“

Jetzt sind die Sanierer vor großen bösen Überraschungen gefeit, weil sie genaue Kenntnisse über den Krankheitszustand von St. Petri haben. Und sie wissen deshalb: Die Sicherung des Gewölbes hat Priorität und wird deshalb vorgezogen.

Die Maßnahmen am Gewölbe beginnen bereits in diesem Monat mit dem Aufbau der Gerüste und sollen schon im Oktober abgeschlossen sein. Die veranschlagten Gesamtkosten der Sanierung von St. Petri in Höhe von 2,8 Millionen Euro werden sich dadurch um bis zu 150 000 Euro erhöhen. Das große St.-Petri-Rettungsprojekt, das am Ostermontag mit der Aktion „Sieben Türme sollst Du sehen“ startete, ist dringender denn je auf Spendengelder angewiesen. 475 000 Euro sind bereits zusammengekommen, so dass die unumgänglichen Sicherungsmaßnahmen am Gewölbe sofort in Angriff genommen werden können und nicht am Geld scheitern.

Das notleidende Gewölbe sieht von oben betrachtet wie ein eingeknicktes Ei aus und weist Querrisse auf. Schuld am durchhängenden Gewölbe ist der Baugrund unter der Nordwestecke der Petrikirche. Denn in diesem Bereich steht die Kirche nicht auf in Jahrtausenden natürlich gewachsenem und gefestigtem Baugrund, sondern auf weichen Aufschüttungen. Das führt immer wieder zu kleinsten Bewegungen im Kirchenfundament, auf die „das Gewölbe sehr sensibel reagiert“, erklärte Bernd Guericke, der die Petri-Kirche liebevoll einen „alten Patienten“ nennt, den es zu pflegen gelte.

Bis Oktober werden oberhalb des Gewölbes (und dadurch vom Kirchenschiff aus künftig nicht sichtbar) vier acht Meter lange Gewindestähle durch die Kirchenmauern gebohrt. Sie wirken statisch dann wie ein Ringanker. Zusätzlich wird der Dachstuhl oberhalb des Gewölbes, der Mängel aufweist, verstärkt. Die Konstruktion des Dachstuhls war 1950 nicht optimal verändert worden. Vom 22. Juli bis 5. August werden im Café-Bereich sechs Stützen aufgebaut, die das Gewölbe während der Sanierungsmaßnahmen sichern. In dieser Zeit ist das Café geschlossen. Die eigentliche Sanierung des St.- Petri-Turms startet nach Aussage von Liane Kreuzer im Sommer kommenden Jahres. Dann sollte man sich über die Standsicherheit des gefestigten Gewölbes keine Sorgen mehr machen müssen.

 Architekt Christoph Diebold machte gestern deutlich, dass die Sanierung der Altstadt-Kirchen in Lübeck nie ein Ende haben wird. Er bezeichnete die Kirchen als „Kinder, für die wir immer wieder sorgen müssen“. Auch Liane Kreuzer unterstrich, dass es Sinn mache, die Kirchen alle 20 Jahre einzurüsten, um sich aus nächster Nähe ein Bild vom Zustand der Bausubstanz machen zu können. So habe man die Möglichkeit, frühzeitig mit der Instandsetzung zu beginnen und größere Schäden gar nicht erst aufkommen zu lassen. St.-Petri-Pastor Bernd Schwarze spricht von einer „langfristigen Strategie“ und betonte: „Wir müssen permanent aufpassen“.

Kirchen-Führungen
Am Welterbetag, Sonntag, 8. September, haben die Lübecker die Möglichkeit, sich über das Petri-Gewölbe und dessen Sicherung zu informieren. In der Zeit von 11 bis 15 Uhr finden in der Kirche Führungen statt, gibt Liane Kreuzer, Leiterin der Kirchenbauabteilung, bekannt. Die Sanierungsarbeiten am Kirchturm von St. Petri, die in einem Jahr beginnen, werden drei Jahre dauern und 2,8 Millionen Euro kosten. Die 800 Jahre alte Kirche war an Palmarum 1942 bei einem britischen Bombenangriff zerstört worden. Erst 1988 war sie wieder vollständig saniert.
„Kirchen sind wie Kinder, für die wir immer sorgen müssen.“

Christoph Diebold

Torsten Teichmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!