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Lübeck St. Petri hat die Stadt fest im Blick
Lokales Lübeck St. Petri hat die Stadt fest im Blick
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23:14 09.10.2014
Quelle: Neelsen
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Lübeck

Hintergrund ist die Sanierung des Turms, dessen Mauerwerk beschädigt ist. Sie dauert noch bis Ende 2015. So lange soll auch die Plane hängenbleiben. Schon am Stadteingang ist das neue Gewand der Kirche zu sehen, und jeder, der es betrachtet, glaubt, er werde angeschaut. „Wir hätten auch einfach die Fassade auf der Plane abbilden und so tun können, als ob nichts wäre“, sagt Pastor Bernd Schwarze. „Doch wir wollten eine besondere Aufmerksamkeit erzeugen.“

Seit Mittwochmorgen sind die Mitarbeiter der Kirchenbauhütte damit beschäftigt, das Baugerüst von St. Petri zu verhüllen. Im August bereits hatten die Vorarbeiten an dem beschädigten Mauerwerk der Kirche begonnen, nun muss die 1800 Quadratmeter große Verkleidung aus leichter Kunstfaser allein aus sicherheitstechnischen Gründen angebracht werden. „Herabfallende kleine Steine oder sogar Werkzeug könnten Menschen gefährden“, sagt Bernd Leinert, Leiter der Bauhütte. „Zudem kann man gerade jetzt im Herbst länger arbeiten, da die Plane auch einen gewissen Schutz vor der Witterung darstellt.“

Laut Architekt Christoph Diebold soll die Verkleidung bis Ende 2015 bestehen bleiben. Denn dann ist der erste und umfassendste Bauabschnitt, die Sanierung des Turms, abgeschlossen, der rund 1,1 Millionen Euro kosten soll. „Die Plane war von Anfang an in die Kosten für die Ausstattung der Baustelle einberechnet worden“, so Diebold. „Nur die Kosten für die Produktion, also die Einrichtungs- und Druckkosten, kommen nun noch dazu.“ Diese belaufen sich auf rund 11000 Euro. „Das neue Kleid ist aber eine Kompensation für die Ausfälle, die wir derzeit haben“, so Bernd Schwarze. Denn seit St. Petri eingerüstet gewesen ist, sind deutlich weniger Besucher auf den Aussichtsturm gefahren, da viele dachten, dass die Kirche aufgrund von Bauarbeiten geschlossen sei. Die bedruckte Plane soll nun wie eine Art Werbung funktionieren, die sagt: „Wir sind offen.“

Bei der Wissenschafts- und Kulturkirche ist das natürlich wieder in einem doppelten Sinn zu verstehen. Denn nicht nur das allsehende Auge, das an die Wachsamkeit Gottes erinnert, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Besucher, die sich St. Petri nähern, werden eine vielschichtige Struktur auf dem neuen Kleid rund um den Turm erkennen. „Die unterste Schicht ist die Abbildung von St. Petris Mauerwerk“, erklärt Kathrin Romer, Kommunikations- und Ausstellungsdesignerin, die das Motiv für die Kirche entworfen hat. „Darüber gibt es eine farbige Ebene, die die Baualterskartierung abbildet.“

Und darüber schließlich liegt der Schriftzug, eine Anlehnung an den 135. Psalm, der das Vertrauen zwischen Gott und dem Menschen thematisiert. Auf der Plane ist er jedoch als Frage formuliert: „Du erforscht mich. Kennst du mich?“

„So erzeugt das Bild natürlich erst einmal Big-Brother-Assoziationen“, sagt Schwarze. „Aber es soll gerade verschiedene Diskussionen anstoßen. Zum Beispiel: Wie viel ‚Durchleuchten‘ und ‚Durchschauen‘ in der Gesellschaft oder in der Wissenschaft ist eigentlich gut? Bringt es uns weiter?“

So läuft die Sanierung
1 147 790,09 Euro wurden bisher für die Aktion „Sieben Türme sollst Du sehen“ zum Erhalt des Petri-Turms gespendet.
Die Spendenaktion hat schon St. Marien und St. Jakobi gerettet. Jetzt werden zur dringend erforderlichen Instandsetzung der Kulturkirche St.
Petri rund 2,8 Millionen Euro benötigt — eine Summe, die St. Petri und der Kirchenkreis nicht allein stemmen können.
Bis Ende 2015 soll der Turm von außen ausgebessert werden, danach folgen die Sanierung der Nordwestecke der Kirche und des Portals bis 2016; zum Schluss ist im Jahr 2017 die Südwestecke an der Reihe.
Ab 2018 kommt dann Marien oder der Dom dran. Wer sich mit Aktionen und Initiativen an der Spendenkampagne beteiligen möchte, kann sich unter Telefon 0451/ 7902185 melden.

Lena Schüch

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