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Lübeck Staatsanwalt fordert jahrelange Haft für JVA-Geiselnehmer
Lokales Lübeck Staatsanwalt fordert jahrelange Haft für JVA-Geiselnehmer
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10:34 14.04.2016
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Lübeck

Der Prozess um die Geiselnahme des Justizvollzugsbeamten Rene K. in der Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) an Heiligabend 2014 geht auf die Zielgerade. Gestern schloss Richter Kai Schröder die Beweisaufnahme, und Staatsanwalt Martin Peterlein hielt sein Plädoyer. Er ist überzeugt, dass sich die Vorwürfe gegen die vier Inhaftierten Alexej S. (23), Eugenijus F. (38), Kahaberi A. (25) und Gintaras A. (51) bestätigt haben. Dabei übernahmen laut Peterlein Alexej S. und Eugenijus F. die entscheidenden Rollen in dem Geschehen.

„Eine Alkoholisierung ist auszuschließen. Deshalb

liegt keine eingeschränkte Schuldfähigkeit vor.“ Staatsanwalt Martin Peterlein

Deshalb forderte der Staatsanwalt, Alexej S. (23), der bereits wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt worden ist, zusätzlich wegen gemeinschaftlichen Raubes, Geiselnahme, Widerstand und Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten zu verurteilen. Auch Eugenijus F. soll nach Angaben des Staatsanwalts für fünf Jahre und neun Monate hinter Gitter. Für Kahaberi A. und Gintaras A. plädiert Peterlein wegen Beihilfe zur sogenannten Gefangenenmeuterei und versuchter Körperverletzung auf zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung. Weil Kahaberi A. schon verurteilt ist, würde sich seine Gesamtstrafe dann auf drei Jahre und acht Monate belaufen.

Der Staatsanwalt sah es als erwiesen an, dass Alexej S. und Eugenijus F. den Beamten Rene K. in einer Zelle überwältigt haben. Eugenijus F. täuschte einen Anfall vor, als Rene K. die Zelle aufschloss. „Alexej S. und Eugenijus F. wollten fliehen“, so Peterlein. Er glaubt, dass es sich um eine spontane Tat gehandelt haben muss. Kahaberi A. und Gintaras A. leisteten wohl ebenfalls spontan Hilfe, indem sie die Zelle absicherten.

Als herauskam, dass der Schlüssel, den Alexej S. dem Beamten abnehmen wollte, nicht für die Türen in die Freiheit passte, nahm Alexej S. den Beamten Rene K. als Geisel, um mit ihm den Weg aus der JVA freizupressen, so der Staatsanwalt. Alexej S. drohte Rene K. mit einem Brotmesser und zwang ihn aus der Zelle ins Erdgeschoss. „Rene K. hatte fortwährend ein Messer an der Kehle. Er hatte Angst um sein Leben“, betonte Peterlein. Erst in einem Vorflur konnte der 23-Jährige von einem Häftling und von Beamten überwältigt werden.

Eugenijus F. (38) befand sich laut Staatsanwalt immer in unmittelbarer Nähe von Alexej S. — und er war derjenige, der Rene K. in der Zelle festhielt. Ohne mit S. vorher die Tat abgesprochen zu haben, wäre sowas nicht durchzuführen gewesen. Aktiv an der späteren Geiselnahme beteiligen musste er sich nach Angaben von Peterlein nicht. Er wäre S. nur in den Weg gekommen. Dass er nach eigener Aussage Schlimmeres verhindern wollte, sei eine Schutzbehauptung gewesen.

Für Diskussionen sorgte die Frage der Schuldminderung aufgrund von Steuerungsunfähigkeit durch Alkoholkonsum. Die vier Angeklagten hatten vor der Tat selbstgebrauten Schnaps getrunken. „Im Ergebnis standen den Angeklagten etwa 200 Milliliter reiner Alkohol zur Verfügung“, so Peterlein. Es könne eher von einer alkoholbedingten Enthemmung ausgegangen werden. „Eine Alkoholisierung ist auszuschließen. Deshalb ist es keine eingeschränkte Schuldfähigkeit“, so Peterlein.

Der Prozess wird am 20. April um 9.30 Uhr fortgeführt.

Von Beke Zill

 

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