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Lübeck Stadt prüft Neubau eines Altenheimes
Lokales Lübeck Stadt prüft Neubau eines Altenheimes
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09:35 06.10.2016
Helga Ehrhardt (l.) und Margret Hansen betrachten die neue Werbung für das städtische Altenheim „Behnckenhof“ in der Königstraße. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Bereichsleitung der städtischen Seniorenheime prüft den Neubau oder die Anmietung eines Gebäudes, in dem ein neues, städtisches Altenheim untergebracht werden kann. „Wir holen Angebote bei Investoren ein und prüfen drei Standorte“, berichtete die Chefin der acht städtischen Heime, Sigrid Roggensack, dem Sozialausschuss der Bürgerschaft. Die Stadtvertretung hatte Ende November 2015 beschlossen, dass zwei Altenheime 2019 beziehungsweise 2027 geschlossen werden. Hintergrund: Der Betrieb ist defizitär. Außerdem beschloss die Bürgerschaft mit deutlicher Mehrheit, dass es keinen Neubau geben soll.

 

„Wir holen Angebote für ein neues Heim bei Investoren ein.“Sigrid Roggensack (Bereichsleiterin)

Werbekampagne

Die städtischen Seniorenheime haben eine Werbekampagne gestartet. Zunächst wird auf modernen Stellwänden für die Einrichtung am Behnckenhof und in Bussen für alle acht Häuser geworben. Für den Behnckenhof, dessen Auslastung deutlich unter den übrigen Häusern liegt, sind Sonderveranstaltungen und Imagebroschüren geplant.

Auf Nachfrage von Sozialpolitikern erklärte Roggensack, dass sie den Auftrag für die Prüfung nicht von der Bürgerschaft, sondern von der Verwaltung bekommen habe. Empört reagierte die Fraktionsvorsitzende und Sozialpolitikerin der Grünen, Michelle Akyurt: „Für die Prüfung eines Neubaus gibt es keinen Auftrag, ein Neubau steht überhaupt nicht zur Debatte.“ Und städtisches Geld gebe es dafür gleich gar nicht. Tatsächlich hatten SPD und Freie Wähler Ende November 2015 in nicht-öffentlicher Sitzung der Bürgerschaft beantragt, dass Sozialsenator Schindler bis zum November dieses Jahres „konkrete Finanzierungs- und Umsetzungsschritte sowie mögliche Neubaulösungen aufzeigen“ sollte. Dieser Antrag scheiterte mit 29 zu 19 Stimmen. Akyurt gestern auf LN-Anfrage: „Gegen den Beschluss wird weiter an dem Thema gearbeitet. Die SPD will das und der Senator macht das.“

Ein neues städtisches Altenheim auf dem umkämpften Lübecker Markt? Das will auch die CDU nicht. Sozialpolitikerin Heidi Menorca: „Wir wollen keinen Neubau und auch keine Anmietung eines Gebäudes über 30 Jahre. Der Markt ist satt, wir wissen gar nicht, ob wir das Haus voll bekommen.“

Die SPD verteidigt diesen ungewöhnlichen Vorgang. Andreas Sankewitz, Vorsitzender des Sozialausschusses: „Mehrere städtische Seniorenheime sind abgängig. Wir müssen Bewohnern und Beschäftigten Perspektiven bieten.“ Ein Neubau sei wichtig, damit der städtische Betrieb mit den privaten Konkurrenten mithalten könne. Sankewitz: „Das Vorgehen des Senators ist richtig.“ Die städtischen Senioreneinrichtungen fit zu machen, „heißt auch einen Neubau zu planen“, erklärt Ingo Schaffenberg. Die Stadt werde das nicht alleine machen, versichert der sozialpolitische Sprecher: „Es steht im Raum, einen Partner mit hineinzunehmen.“ Die GAL-Fraktion unterstützt die SPD. Sozialpolitiker Rolf Klinkel: „Wir stehen zu einem Neubau. Es geht nicht nur um die Zukunft der Beschäftigten, sondern auch um gute Pflege.“

Es gebe weder einen Standort noch Investoren, beschwichtigt Sozialsenator Schindler: „Mir geht es darum, einmal Antworten auf Fragen zu finden und seriös durchrechnen zu lassen, was so etwas kostet.“

Die Grundstücksgesellschaft Trave errechnet für Schindler Zahlen. Der Senator: „Die ,Trave‘ hat ja bereits in der Solmitzstraße ein Alten- und Pflegeheim für uns gebaut und an uns vermietet.“

Der Antrag der Frauen- und Sozialverbände, 2019 nach der Schließung des Heimes in der Schönböckener Straße sofort einen Neubau zu errichten, wurde vom Sozialausschuss mit überwältigender Mehrheit abgelehnt.

 Kai Dordowsky

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