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Lübeck Stadt saniert kaputte Straßen für 5,3 Millionen
Lokales Lübeck Stadt saniert kaputte Straßen für 5,3 Millionen
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18:16 15.03.2016
Reparatur der Schlaglöcher in Lübeck. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Kein Geld: Die Stadt investiert nur 5,3 Millionen Euro in kaputte Straßen. Nötig wären 18 Millionen Euro pro Jahr. Doch die Hansestadt ist pleite — und ab 2020 gibt auch der Bund kein Geld mehr für die Straßen der Kommunen. Die Bauverwaltung versucht das Beste aus dem vorhandenen Geld herauszuholen und saniert 45 Straßen.

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Aber das Geld reicht bei etlichen Fahrbahnen nicht für eine komplette Sanierung — Viele Wege werden dieses Jahr nur mit einer dünnen Asphaltdecke überzogen — Priwall-Promenade und Untertrave sind die Großprojekte 2016.

Von den 5,3 Millionen Euro sind 1,3 Millionen Euro für eine oberflächliche Straßen-Kosmetik reserviert. Das Geld soll für 38 Straßen ausgegeben werden (siehe Grafik, orangefarbene Straßen). Dabei wird eine kalte Asphaltschicht auf die Fahrbahn aufgetragen — nur einen Zentimeter dick. Dadurch soll die Oberfläche neu versiegelt und das Eindringen von Nässe verzögert werden. Fünf bis acht Jahre soll die Straße halten. Kosten: 15 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Wird eine Straße komplett saniert, dann wird bis zu 60 Zentimeter tief in die Erde gebuddelt und die Straße in drei neuen Schichten aufgebaut. Die Kosten dafür sind etwa zehn Mal so hoch: 135 bis 150 Euro pro Quadratmeter.

Die Straße hält aber auch vier bis sechs Mal länger: 30 Jahre. Schon 2015 hat die Stadt nach diesem kosmetischen Verfahren 46 Straßen saniert.

Kritik kommt von BfL-Mann Dieter Rosenbohm: „Ich bin kein Freund von diesem Verfahren.“ Er bezeichnet es als Geldverschwendung, vor allem bei Straßen wie dem Waldhusener Weg. „Da ist wenig Verkehr drauf“, so Rosenbohm. Dem stimmt Ulrich Pluschkell (SPD) zu: „Warum müssen wir Feldwege asphaltieren, nur weil das einer in den 60er-Jahren angefangen hat?“ Den Waldhusener Weg solle die Stadt nicht machen, sondern lieber Schilder aufstellen. „Dort ist es ganz schön hubbelig“, meint indes der Grüne Carl Howe. Er fahre dort mit dem Rad entlang: „Man könnte nur einen Streifen für Radfahrer sanieren.“ Harald Quirder (SPD) merkt an: „Die Hundert Meter im Schwarzmühlenweg — da reiht sich Schlagloch an Schlagloch.“ Das Dilemma kennt Matthias Drever vom Bereich Verkehr: „Wir können uns eine Komplettsanierung nicht leisten.“ Aber: „Wir sind zugleich für die Sicherheit der Straßen zuständig.“ Da bleibe nur, neuen Asphalt aufzutragen. Drever: „Eine grundhafte Sanierung wäre wünschenswert — aber das Geld haben wir nicht.“ Christopher Lötsch (CDU) bringt es auf den Punkt: „Letztendlich erkaufen wir uns Zeit.“

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Aber die Stadt macht auch sieben Straßen komplett neu: Dafür gibt sie vier Millionen Euro aus. Los geht es jetzt in der Schwartauer Landstraße — der Abschnitt von der Warthestraße bis zur Stadtgrenze nach Bad Schwartau. Außerdem wird der Knotenpunkt zur Straße Bei der Lohmühle runderneuert — von Juli bis September. Dort wird die Kreuzung voraussichtlich an einem Wochenende gesperrt. Hinzu kommt die Sanierung der Ratzeburger Allee mit neuer Kommunalspur — im Juli und August. Der Sandberg wird von Mai bis September erneuert, die Solmitzstraße von Mai bis August. Der Koberg wird im Juli und August voll gesperrt. Dort wird das alte Kopfsteinpflaster herausgerissen und durch Flüsterasphalt ersetzt. Davon betroffen sind täglich 6500 Wagen, darunter 900 Busse und Lastwagen. Außerdem wird die Zufahrt zum Hafen neu gemacht und verschlingt 1,35 Millionen Euro. Die Arbeiten dauern von Juni bis September. Betroffen davon sind täglich 3850 Autos, davon 2070 Lastwagen. Der Abschnitt zwischen der Anschlussstelle zur B 75 und dem Skandinavienkai ist zeitweise voll gesperrt — zunächst von der Brücke bis zur Einmündung der alten Travemünder Landstraße. Autos müssen über den Kücknitzer Teil der Travemünder Landstraße fahren. Im zweiten Abschnitt wird der Verkehr über die Henry- Koch-Straße umgeleitet. Im letzten Bauabschnitt wird voraussichtlich nur eine Spur befahren werden können — mit Hilfe einer Ampel.

Neben diesen Straßen hat die Bauverwaltung zwei Großprojekte auf dem Zettel. So startet im April der Umbau der Promenade am Passathafen auf dem Priwall — für 6,3 Millionen Euro. Ende 2017 soll er fertig sein. Und die Frischzellenkur für die Untertrave beginnt im Oktober. Sie wird für 14,8 Millionen Euro neu gestaltet — inklusive Drehbrückenplatz. Ab Anfang 2017 dürfen Autos nur noch in eine Richtung an der Untertrave fahren — vom Holstentor zur Hubbrücke. Ende 2018 soll alles fertig sein. Betroffen sind täglich 18000 Autofahrer.

Zusätzlich werden die Brücken angegangen. Der Neubau der Possehlbrücke sowie die Instandhaltung der Sandbergbrücke und der Wakenitzbrücke im Spätsommer.

Von Josephine von Zastrow

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