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Lübeck Stadt verbannt private Holzfäller aus dem Wald
Lokales Lübeck Stadt verbannt private Holzfäller aus dem Wald
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22:27 03.12.2013
Kernige Kerle: Reiner Meckelburg (v. l.), Roland Lafin, Bernd Urban und Norbert Lietzke dürfen kein Holz mehr im Wald schlagen. Quelle: Maxwitat

Aus, vorbei: Die Stadt will keine privaten Holzfäller mehr im Wald haben. Vor zwei Jahren wurde den sogenannten Selbstwerbern das Fällen der Bäume untersagt. Doch jetzt dürfen sie auch kein am Boden liegendes Holz mehr sägen. Zu Hochzeiten gab es 600 private Holzfäller, nun dürfen noch hundert ausgewählte Männer sägen — aber nur Stämme am Wegesrand oder auf dem Holzhof Wesloe. „Wir haben das Geschäft mit den Selbstwerbern nach und nach runtergefahren“, sagt Knut Sturm, Bereichsleiter Stadtwald. In diesem Jahr greifen die Förster konsequent durch.

Die Gründe: Sturm ist es zu gefährlich, wenn die Hobby-Holzfäller im Wald sägen. Und er will in einigen Bereichen mehr Totholz liegen lassen, damit der Wald besser gedeiht. „Ich bin dafür verantwortlich, dass dort auch noch in 200 Jahren Wald wächst“, sagt Sturm. Zudem: Er will mehr Geld machen. Ab 2015 muss er schwarze Zahlen schreiben. Sturm: „Der Wald ist kein Selbstbedienungsladen.“

Die betroffenen Holzfäller sind stinksauer. „Abserviert fühlt man sich“, ärgert sich Reiner Meckelburg, der seit 1985 jedes Jahr Holz aus dem Wald holt — für den Eigenbedarf. Der ehemalige Bundespolizist versteht nicht, warum Sturm die Holzfäller nicht mehr im Wald haben will. „Es ist doch genug Holz da.“ Oft sehe er umgestürzte Bäume, die verrotten. „Früher habe ich den Förster angerufen und das Holz weggeholt.“ Heute sei das alles nicht mehr möglich. Norbert Lietzke: „Wir leben hier im Wald.“Auch er ist seit den 80er Jahren dabei und schlägt Holz. Vor allem die Baumkronen hat er kleingemacht. Jetzt bleiben sie liegen. „Zu viel Totholz ist nicht gut für den Wald“, weiß Ehefrau Helga Lietzke. Zehn Prozent sollen nur liegenbleiben, laut Waldkonzept.

„Das hier ist mein Sport, mein Fitnessraum“, sagt Bernd Urban mit seiner Kettensäge. Der Küster der St.-Lorenz-Gemeinde in Travemünde geht seit fast 20 Jahren in den Wald und macht Holz. Die Männer haben alle den Motorsägen-Führerschein gemacht, sich eine teure Säge zugelegt samt Ausrüstung. Kosten: mindestens 1500 Euro. Feuerwehrmann Roland Lafin hat sogar sein Heizsystem zu Hause auf Holz umgestellt — dafür braucht er zwölf Raummeter im Jahr. Die hat er immer selbst geschlagen. Das ist billiger, als Brennholz zu kaufen. „Ich habe nur lübsche Hölzer verbrannt“, sagt Lafin. Und jetzt?

Er zuckt die Schultern: „Wir müssen uns ein anderes Revier suchen.“ Besonders verärgert die Hobby-Holzfäller, dass sie so „sang- und klanglos“ von ihrem Rausschmiss erfahren haben und keine Zeit hatten, sich Alternativen zu suchen. Meckelburg: „Und das mitten in der Holzernte-Saison.“ Brennholz zu kaufen, ist für die Männer keine Alternative. Lietzke: „Ich kaufe doch kein Holz, wenn ich zu Hause eine Säge habe.“

Sturm verteidigt sein Vorgehen. „Das Fällen von Bäumen ist eine professionelle Arbeit.“ Die dürften Lehrlinge erst im dritten Jahr erledigen. Doch auch die am Boden liegenden Baumkronen sollen nicht mehr von den Hobby-Holzfällern zersägt werden. Sturm: „Sie lassen das dünne Holz nicht liegen.“ Bis zu zehn Zentimetern Durchmesser müsse es im Wald bleiben. Darin seien viele Nährstoffe, die für das Klima im Wald wichtig sind, so Sturm. Außerdem rechnen sich die privaten Holzfäller für den Stadtwald nicht. Weil sie weniger zahlen und gleichzeitig betreut werden müssen, macht Sturm nur vier Euro pro Raummeter Gewinn. Wenn er Brennholz verkauft, verdient er 15 bis 20 Euro. Sturm: „Ich muss meine Waldarbeiter beschäftigen.“ Bis vor drei Jahren seien zudem Männer in den Wald gekommen, die das Holz anschließend verkauft haben. Jetzt dürfen nur noch die ausgewählten Holzfäller Stämme sägen. Sturm: „Wir haben eine Traditionsliste, nach der wir vorgehen.“

Lübsches Brennholz
85 Euro kostet der Raummeter Brennholz. Die Stadt verdient daran 15 bis 20 Euro. Wer selbst Holz im Wald geholt hat, zahlte 30 Euro pro Raummeter. Daran verdient die Stadt aber nur vier Euro. Jetzt dürfen die ausgewählten Holzfäller entweder Stämme im Wald sägen für 35 Euro oder auf dem Holzhof Wesloe für 50 Euro.

4600 Hektar Wald gehören der Hansestadt. Im Wald arbeiten der Bereichsleiter Knut Sturm, fünf Förster und 20 Waldarbeiter.

Josephine von Zastrow

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