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Lübeck Stadtbibliothek: Neuer Bereich für junge Leser
Lokales Lübeck Stadtbibliothek: Neuer Bereich für junge Leser
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10:34 27.10.2017
Aufmerksam schauen die Manga-Zeichnerinnen zu, wie Künstlerin Monika Sava eine Technik demonstriert. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Innenstadt

Die 28-jährige Lübeckerin Sophie Weigand ist ein echter Lese-Fan: Rund 100 Bücher pro Jahr „verschlingt“ sie. „Ich kann mich an keinen Zeitpunkt in meinem Leben erinnern, zu dem ich nicht gern gelesen hätte.“ Seit sechs Jahren schreibt sie für den Blog „Literaturen“– begonnen hatte sie damit, um eine „Art Lese-Tagebuch“ zu haben. Inzwischen verfolgten etwa 7000 Menschen im Monat ihren Blog.

Jugendliche haben jetzt einen neuen Bereich in der Stadtbibliothek – einen Bereich, in dem sie das gesamte Angebot an Medien finden und in dem sie auf modernen Möbeln gemütlich sitzen können. Zur Eröffnung am Donnerstag gab es allerhand Aktionen zum Mitmachen.

Im neuen Bereich der Kinder- und Jugendbibliothek in der Hundestraße plauderte Sophie Weigand gestern vor jüngerem Publikum mit den Bibliothekarinnen Nina Neumann, Nina Machurig und Anja Schnerr über das Bloggen und das Verfassen von Rezensionen. Die Bibliothekarinnen gaben zwischendrin Lese-Tipps für Jugendliche, während jüngere Kinder fangen spielten oder mit ihren Eltern nach Lesestoff suchten.

„Elf Prozent der Nutzer der Stadtbibliothek sind Jugendliche“, sagt Anja Schnerr, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung. „Jetzt können wir ihnen mehr Platz zum Lesen und Arbeiten bieten.“

Besonders schön: Am roten Tresen mit den trendigen Barhockern gibt es ausreichend Steckdosen, um mitgebrachte Tablets aufzuladen. Auch Veranstaltungen könnten in dem neuen Raum stattfinden.

Solch extreme „Leseratten“ wie Sophie Weigand, die übrigens gelernte Buchhändlerin ist, dürfte es eher wenig geben. Die 16-jährige Hanna Schey allerdings ist auch häufig in der Stadtbibliothek unterwegs – oft in der Erwachsenenabteilung. „Ich lese gern Bücher übers Erwachsenwerden – allerdings sind die meisten voller Klischees, was mir nicht so gut gefällt.“ Hanna folgt auf der Suche nach Tipps auch Buchblogs auf „Tumblr“. Selbst einen Blog zu schreiben, könne sie sich jedoch nicht vorstellen.

Selbst Taschen bedrucken, Buttons herstellen oder Mangas zeichnen: Die Angebote gab es gestern zur Feier des Tages in der Kinder- und Jugendbuchabteilung. Gerade der Tisch mit den Mangas war schnellstens belagert, kaum dass der offizielle Part der Eröffnung beendet war. Künstlerin Monika Sava (43), die den Jungen und Mädchen Tipps gab und aus ihrer Arbeit im Jugendzentrum „Röhre“ um die Anziehungskraft der Mangas und Animes weiß, wundert das nicht. „Man kann damit viele Emotionen ausdrücken“, erklärt sie. In entsprechenden Zeichen-Büchern sind eine Vielzahl von Emotionen und dazu passende Augen- oder Mundformen abgebildet. „Klar braucht man eine zeichnerische Basis“, sagt Sava, „aber schön ist es dann, wenn man beim Zeichnen einen eigenen Charakter findet.“ Sveja Anderson (14) und Lilli Steen (13), die sich bei einem Manga-Zeichenkurs kennengelernt haben, sind eindeutig schon bei eigenen Charakteren angelangt. „Es ist etwas anderes, als eine Obstschale zu zeichnen“, sagt Sveja, „es macht einfach Spaß.“

Wer Mangas zeichnen will, muss sie erst einmal lesen. Da hat die Kinder- und Jugendabteilung ein großes Angebot, das von Merve (13) fast täglich genutzt wird. „Es sind schöne Storys“, sagt sie – Storys mit Highschool-Themen und Romantik.

Studie der Stiftung Lesen

Eltern beginnen zu spät mit Vorlesen, sagt die Stiftung Lesen. Bereits im Babyalter sollten sie ihren Kindern vorlesen, denn das habe nicht nur mit dem Spracherwerb zu tun. Die emotionale Bedeutung sei genauso wichtig: Beim gemeinsamen Betrachten von Bilderbüchern entstehe Nähe – und dazu kämen gute Gefühle wie Sicherheit und Geborgenheit, kurz Kuschelglück für Eltern und Kind. Für die Kinder seien „Bücher dann später keine andere Welt, sondern gehören selbstverständlich zum Leben dazu“.

 Sabine Risch

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