Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Stadtverkehr: Jetzt rollen die ersten E-Busse durch Lübeck
Lokales Lübeck Stadtverkehr: Jetzt rollen die ersten E-Busse durch Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:25 14.06.2017
Mit Strom in die Zukunft: Geschäftsführer Willi Nibbe (l.) und Aufsichtsratschef Ulrich Pluschkell mit den Ladegeräten. Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Beglückt schaut Sven Bohnstedt wieder und wieder auf die Anzeige beim Fahrer. „Jetzt sind wir schon bei einer Reichweite von 300 Kilometern“, freut sich der Vertriebsleiter von „Sileo“. Bohnstedt ist voll des Lobes für Wilfried Bumann, Leiter der Fahrschule des Stadtverkehrs. „Der Mann kann fahren“, schwärmt Bohnstedt. Denn immer, wenn Bumann vom Gaspedal geht, bremst der Bus und lädt seine Batterien neu auf.

Seit gestern sind die Fahrzeuge auf den Linien 21 und 33 im Einsatz.

Sauber und leise

13 000 Tonnen Kohlendioxid stoßen die Fahrzeuge des Stadtverkehrs aktuell aus. Die Umweltbelastung würde bei einer reinen E-Bus-Flotte auf null sinken. Außerdem dient die Umstellung auf E-Busse auch der Lärmminderung, sagt die Unternehmensleitung.

Probefahrt mit den Führungsleuten der Busbetriebe: Vom Betriebsgelände des Stadtverkehrs im Ratekauer Weg geht es eine kleine Runde durch Stockelsdorf und wieder zurück. „Man hört nur die Fahrgeräusche“, ist Willi Nibbe, Chef des Stadtverkehrs, beeindruckt. „Die Beschleunigung ist super“, sagt Ulrich Pluschkell (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Gleich nach der Probefahrt nehmen die beiden ersten reinen Elektrobusse des Stadtverkehrs den Linienbetrieb auf – einer, der blaue, auf der Linie 21, der andere, der rote, auf der Travemünder Linie 33.

„Die Zukunft hat begonnen“, sagt Willi Nibbe, der die Umstellung der Busflotte auf E-Mobilität vorangetrieben hat. Mit den ersten beiden Fahrzeugen ist der Anfang gemacht. Nibbe: „Wir wollen nicht nur über Elektromobilität reden, sondern diese zukunftsweisende Technologie schrittweise einführen.“ Bis alle 200 Fahrzeuge von Stadtverkehr und der Travemünder Tochter LVG durch E-Busse ersetzt sind, werden aber noch Jahre vergehen. Denn erst einmal muss die Industrie mehr Fahrzeuge liefern. Und dann müssen diese auch bezahlbar sein. 500000 Euro kostet ein E-Bus bislang, das Doppelte eines Dieselgefährts. Der Stadtverkehr konnte sich die ersten beiden „Sileos“ nur leisten, weil der Bund 280 000 Euro an Fördermitteln dazugab. Ein neues, von der Bundesregierung aufgelegtes Förderprogramm biete die Chance, die Anschaffung weiterer Fahrzeuge zu planen, sagt Nibbe.

Doch damit allein ist es nicht getan. Die Gefährte werden über Nacht auf dem Betriebsgelände im Ratekauer Weg aufgeladen. Bisher reicht die vorhandene Stromversorgung aus. Aber wenn die E-Flotte anwächst, braucht der Stadtverkehr mehr Strom. Mit einem dreistufigen Konzept wird die Versorgung ausgebaut. In wenigen Monaten könnten bereits 25 Fahrzeuge versorgt werden, erklärt Nibbe.
300 000 Euro investiert das Unternehmen dafür. Der Strom kommt vom Mutterkonzern Stadtwerke und ist reiner Ökostrom.

Nach einer europaweiten Ausschreibung hat sich der Busbetrieb für die deutsch-türkische Firma „Sileo“ als Lieferant der Premieren-Fahrzeuge entschieden. „Sileo“ ist derzeit eines der führenden Unternehmen auf dem Markt für E-Busse. „In Deutschland haben wir bisher 40 Fahrzeuge verkauft, in Luxemburg drei und in der Türkei gleich 70“, erklärt Vertriebschef Bohnstedt. Das Werk in Salzgitter entwickelt alles vom Antrieb bis zur Batterie, nimmt auch die Innenausbauten nach Kundenwunsch vor.

Die beiden E-Busse sehen innen wie alle anderen Fahrzeuge der Flotte aus. Die zwölf Meter langen und knapp zehn Tonnen schweren Gefährte bieten Platz für über 80 Fahrgäste – 35 können sitzen, 47 stehen – und dann ist noch Platz für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. Weil die E-Busse keinen Motor brauchen, wurden im hinteren Busteil sogar noch Plätze gewonnen.

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige