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Lübeck Stadtwerke-Affäre: Hausdurchsuchung beim Versorger
Lokales Lübeck Stadtwerke-Affäre: Hausdurchsuchung beim Versorger
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15:23 25.09.2013
Gestern gab es in der Stadtwerke-Zentrale in der Moislinger Allee eine Hausdurchsuchung.

Gestern Vormittag um zehn Uhr tauchten fünf Beamte der Lübecker Kripo in der Zentrale in der Moislinger Allee auf. Hausdurchsuchung bei den Stadtwerken: „Die Beamten haben eine Kiste mit Dokumenten, Akten und Schriftverkehr mitgenommen“, sagt Stadtwerke-Chef Stefan Fritz. Das Ganze sei unspektakulär verlaufen — ohne Blaulicht und quietschende Autoreifen.

Anlass ist die Ermittlung der Staatsanwaltschaft Lübeck gegen den früheren Stadtwerke-Geschäftsführer Kurt Kuhn sowie die amtierende Chefin Annie Lykke Gregersen und den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Oelrich. Es geht um den Verdacht der Untreue. „Wir haben immer damit gerechnet“, erklärt Fritz, „aber als sie dann kamen, war es doch überraschend.“ Weil die Kripobeamten Zugang zu den Büros der Geschäftsführung, des Betriebsrates und der IT-Abteilung beanspruchten, wurden alle Mitarbeiter über die Hausdurchsuchung informiert. Fritz: „So etwas lässt sich nicht verheimlichen.“ Die Beamten forderten Material bis zum Jahr 2008 zurück. Fritz: „Wir müssen in den nächsten Tagen weitere Unterlagen zusammenstellen.“ Der Stadtwerke-Chef rechnet damit, dass das Untersuchungsverfahren erst im nächsten Jahr abgeschlossen ist. Fritz: „Ich wäre froh, wenn es endlich zum Abschluss käme.“ Der Stadtwerke-Chef selbst ist nicht von den Ermittlungen betroffen.

Hintergrund ist die Stadtwerke-Affäre, die am 12. Februar erstmals bekannt wurde, als die Stadtwerke ihrem Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Oelrich außerordentlich kündigen wollten. Wenige Wochen später folgten zwei Gütetermine vor dem Arbeitsgericht — Oelrich klagt gegen die empfindliche Lohnkürzung, die Stadtwerke werfen ihm Spesenbetrug vor. Am 10. April nahm der Sonderausschuss der Bürgerschaft seine Arbeit auf. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), die Stadtwerke und Aufsichtsratschef Claus Möller (SPD) gaben insgesamt vier Gutachten in Auftrag, die das Innenleben des kommunalen Versorgers (Strom, Gas, Wasser, Wärme) sezierten. Die Expertisen zeichneten das Bild eines Unternehmens, in dem es kaum Kontrollen und Regeln für Dienstwagen, Spesen und Kreditkarten gab. Anfang August einigten sich überraschend Oelrich und die Geschäftsführung auf einen außergerichtlichen Vergleich. Oelrich dankte als Betriebsrat ab und arbeitet jetzt auf einer deutlich geringer entlohnten Stelle. Dafür zog das Unternehmen die Kündigung zurück. Doch die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.

jvz/dor

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