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Lübeck Stadtwerke bauen das digitale Gehirn der Stadt
Lokales Lübeck Stadtwerke bauen das digitale Gehirn der Stadt
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20:10 16.07.2018
„Wir sind eine der wenigen deutschen Städte, die ein Netz installiert haben.“Jens Meier, Chef der TraveKom
Lübeck

Es ist eine alte Börsen-Weisheit: „Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber – sondern in Schaufeln!“ Das haben sich die Stadtwerke Lübeck zu eigen gemacht – in Bezug auf Daten. Daten gelten als das neue Gold. Jeder will sie haben. Alle Gratis-Dienste werden mit Daten bezahlt. Der Clou: Die Stadtwerke haben jetzt nicht in Daten investiert – um im Goldgräber-Bild zu bleiben –, sondern in die Schaufeln, die Infrastruktur zum Datensammeln. Das Ganze läuft unter dem Stichwort: Smart City – oder das Internet der Dinge.

„Wir entwickeln eine städtische Infrastruktur für Daten“, sagt Jens Meier, Chef der Stadtwerke-Tochter TraveKom. Daher haben die Stadtwerke die gesamte Stadt mit einem Netz überzogen, einem Low-Power-Wireless-Netzwerk. Das hat eine große Reichweite, verbraucht aber wenig Energie. An fünf Stellen in der Stadt sind Antennen aufgestellt, die Daten empfangen können – dabei geht es um Echtzeit-Daten. „Wir sind eine der wenigen deutschen Städte, die so ein Netz flächendeckend installiert haben“, sagt Meier. Investitionsvolumen: 50 000 bis 60 000 Euro.

Um die Daten zu sammeln, braucht es batteriebetriebene Sensoren beispielsweise an Papiercontainern. Diese sind noch nicht installiert. Das geht nur, wenn es dafür eine Zustimmung gibt – in diesem Fall der Entsorgungsbetriebe (EBL). Kosten pro Stück 37 Cent. Bis zu einer Million Sensoren können an die fünf Antennen angeschlossen werden. Das wäre eine Investition von 370000 Euro. Die Daten werden gesammelt, gesendet, auf einem Stadtwerke-Server gespeichert. Dem digitalen Gehirn der Stadt. „Wir stellen das Nervensystem bereit“, sagt Martin Lempfert, Chef der IT der Stadtwerke.

Dabei geht es um die Daten der Stadt und der städtischen Gesellschaften – nicht um personalisierte Daten, sondern um Masse-Daten in Echtzeit. Wie viel Strom wird wo benötigt? Wo bilden sich Schlangen vor der Schwimmbad-Kasse? Stadtwerke, EBL, Lübecker Schwimmbäder, Lübeck und Travemünde Marketing, Lübecker Hafen-Gesellschaft – sie alle machen mit bei diesem Zukunftsprojekt. Die Idee: Besser eine städtische Gesellschaft wie die Stadtwerke sorgt für die Daten-Infrastruktur und hat damit den Zugriff auf die Daten der Stadt, als eine privatwirtschaftliche Firma wie Google oder Telekom. Wenn sie ein solches Netz aufbauen, haben sie auch die Daten.

Und wozu das Ganze? Die Idee ist, allen die Daten kostenlos zur Verfügung zustellen. Beispiel: Die Papiercontainer an der Ratzeburger Allee sind voll. Jetzt schicken die EBL einen Wagen, um ihn zu leeren. Dadurch werden die Touren der Müllfahrzeuge effizienter, es gibt keine unnützen Fahrten mehr. Gleichzeitig weiß der Bürger, dass er sein Altpapier dort gar nicht hinschleppen muss, weil der Container voll ist. Oder – etwas komplexer: Ein Lübecker wohnt in der Altstadt und kommt spät gegen 21 Uhr mit seinem Auto nach Hause. In der Regel sind dann alle Anwohner-Parkplätze vor der Tür belegt. Er hat auf dem Handy aber eine App installiert, die ihm freie Anwohner-Parkplätze in der Nähe anzeigt – und ihm zudem im nächstgelegen Parkhaus einen Stellplatz für einen Euro die Nacht anbietet.

Möglich macht das ein Drei-Stufen-System. Erstens: Die Daten von zugeparkten Parkplätzen wurden gesammelt. Dafür sorgen die Stadtwerke. Zweitens: Diese Daten wurden analysiert, dadurch wurden freie Stellplätze in der Nachbarschaft identifiziert. Das würden die Stadtwerke als Dienstleistung anbieten. Und drittens: Jemand anderes hat ein Geschäftsmodell entwickelt – wie die KWL – und bietet einen Stellplatz für einen Euro in einem Parkhaus an, das nachts nicht ausgelastet ist. „Darin steckt noch sehr viel Zukunftsmusik“, sagt Meier. Aber wenn der Daten-Goldrausch in vollem Gange ist, hat er bereits Paletten von Schaufeln auf Lager.

Lübeck vernetzen: Hanse-Hack am 6. und 7. September

Der erste große Hackathon für Lübeck startet am 6. und 7. September – auf dem Gelände der Stadtwerke an der Geniner Straße 80. Die Stadtwerke haben ihn ins Leben gerufen. Dort trifft die IT-Szene auf städtische Gesellschaften. Eine ungewöhnliche und seltene Kombination. Die Idee: Die Programmierer entwickeln Software, die Stadt und die städtischen Gesellschaften stellen ihre Echtzeit-Daten zur Verfügung – eine Seltenheit. „Wir rechnen mit 50 bis 60 Programmierern und Entwicklern“, sagt Martin Lempfert, Leiter des IT-Managements der Stadtwerke. Dabei sucht er keine absoluten Computerfreaks, sondern Leute, die Spaß am kollektiven Programmieren haben. Weitere Informationen gibt es unter

www.hansehack.de

Die TraveKom ist eine Telekommunikations GmbH, die zu 100 Prozent den Stadtwerken Lübeck gehört. Seit 1997 ist die TraveKom ein regionaler Telekommunikations-Netzbetreiber, bietet schnelles Internet über Glasfaserkabel. Die GmbH hat zehn Mitarbeiter. Die TraveKom soll ausgebaut und umgebaut werden. Sie soll sich um Smart City und das Internet der Dinge kümmern.

Josephine von Zastrow

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