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Lübeck Stadtwerke greifen Eon an
Lokales Lübeck Stadtwerke greifen Eon an
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11:59 13.08.2017
„Es bietet sich eine einmalige, große Chance.Jens Meier (33), Chef Lübeck Netz GmbH

Die Stadtwerke wollen wachsen. Dabei hat der Energieversorger die Nachbargemeinden in der Region im Fokus. „Es ist sinnvoll, einen gemeinsamen Strom- und Wirtschaftsraum zu haben“, wirbt Jens Meier, der neue Chef der Netz Lübeck GmbH. Dabei geht es dem 33-Jährigen um die Leitungen, durch die Strom und Gas zu den Kunden fließen. „Es bietet sich eine einmalige, große Chance“, erklärt Meier.

Abgabe

12,7 Millionen Euro überweisen die Stadtwerke jährlich, damit sie in Lübeck Leitungen verlegen und betreiben darf. Mit der Konzessionsabgabe der Energieversorger verdienen die Kommunen gutes Geld.

Zur Person

Jens Meier (33) ist seit Juli Geschäftsführer der Lübeck Netz GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Stadtwerke und Chef von 350 Mitarbeitern. Er stammt aus dem nördlichen Saarland, ist studierter Betriebswirt, hat zunächst beim Eon-Konzern gearbeitet und später bei den RHEN AG in Köln.

Denn: Er will ran an die Netze der Nachbargemeinden, an die Strom- und Gasleitungen. Die Konzessionen dafür werden nur alle 20 Jahre von den Gemeinden neu vergeben. Die Gelegenheit ist günstig: Aktuell sind wieder etliche auf dem Markt. Jetzt hat der Wettstreit um die Konzessionen begonnen. Die Stadtwerke bewerben sich in einem Radius von 30 bis 40 Kilometern rund um Genin um die Netze. Das ist der zentrale Standort des Energieversorgers.

Damit greifen die Stadtwerke vor allem den Energiekonzern Eon an, dem die Schleswig-Holstein Netz AG gehört. Die betreibt die meisten Strom- und Gasleitungen rund um Lübeck. „Unser Fokus ist aber nicht zuerst, den Platzhirsch anzugehen“, macht indes Meier klar. Aber er rechnet vor, wie viel günstiger die Stadtwerke sind. Das liege vor allem an den günstigen Netzentgelten – die in etwa 20 bis 25 Prozent des Strompreises ausmachen. Sein Vergleich: 1200 Euro zahlt ein Zwei-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Davon gehen 300 Euro an die Netz Lübeck GmbH. Bei der Schleswig-Holstein Netz AG schlägt das Netzentgelt bei derselben Menge Strom aber mit 440 Euro zu Buche.

Es wird billiger für die Kunden, wenn die Stadtwerke sich erweitern. Nicht nur für die Menschen in den Nachbargemeinden, sondern auch für die Lübecker. „Das Netzentgelte werden günstiger“, verspricht Meier. Um wie viel genau, kann er nicht sagen, denn das hängt auch mit der Bundesnetzagentur zusammen. Denn: Die Bundesbehörde reguliert den deutschen Energiemarkt und vergibt Effizienzpunkte an die Energieversorger. Top sind die Stadtwerke bei der Menge an Strom und Gas, sowie der Zahl der Haushalte. Denn Lübeck als Stadt hat viele Einwohner und viele Haushalte. Ein Minus erhalten die Stadtwerke bei der geografischen Fläche, die sie beliefern – und bei der Kilometerlänge der Leitungen. Denn das Stadtgebiet ist begrenzt. „Die Bundesnetzagentur belohnt es, wenn man einen guten Mix aus Stadt und Land anbietet“, sagt Meier. Deshalb will Meier mehr Netze auf dem Land.

„Das ergibt auch Sinn, wenn man an neue Technologien denkt“, so der Netz-Chef. Beispielsweise wenn es um den Ausbau von Säulen für Elektroautos angeht. Weitere Vorteile: Die neuen Kunden vom Land haben einen Ansprechpartner vor Ort. Wenn Leitungen repariert werden müssen, vergeben die Stadtwerke den Auftrag an einheimische Firmen. „Damit bleibt die Wertschöpfung in der Region“, wirbt Meier.

Zudem verbleibt Gewinn bei der Hansestadt.

Allerdings: Die Stadtwerke müssten die Netze kaufen – beispielsweise von Eon. Das ist ein Millionen-Investment. Aber Meier betont: „Das müssten dann nicht die Kunden zahlen.“ So regle es das neue Energiewirtschaftsgesetz, das im Herbst 2016 verabschiedet wurde. Es ist das erste Mal, dass die Stadtwerke überhaupt die Chance haben, sich um Konzessionen für die Nachbargemeinden zu bewerben. Als der Strommarkt Anfang der 2000er Jahre für den Wettbewerb geöffnet wurde, gab es noch keine Differenzierung zwischen dem Eigentümer und Betreiber der Leitungsnetze – und dem Anbieter der Energie. Das ist heute anders.

Die Vergabe dieser Konzessionen ist ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Am Ende entscheidet ein Punktesystem, welcher Bewerber den Zuschlag bekommt – und natürlich die Gemeinden. In drei Jahren ist klar, wer den Wettkampf um die Konzessionen im lübschen Umland gewonnen hat – Eon oder die Stadtwerke.

 Josephine von Zastrow

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