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Lübeck Stadtwerke trennen sich von Personalchef Peter Thieß
Lokales Lübeck Stadtwerke trennen sich von Personalchef Peter Thieß
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22:37 19.10.2016
Schick und neu: Die Zentrale der Stadtwerke in Genin. Quelle: Maxwitat

Das war’s. Peter Thieß verlässt die Stadtwerke zum 30. November. Der ehemalige SPD-Kreischef räumt seinen Posten als Personalleiter bei dem städtischen Unternehmen. Das bestätigen die Geschäftsführer Jürgen Schäffner und Willi Nibbe auf LN-Anfrage. Man trenne sich „in gegenseitigem Einvernehmen“. Beide Seiten haben einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. Die Leitung der Personalabteilung übernimmt zunächst Nibbe.

Thieß bestätigt das Aus bei den Stadtwerken. Einen neuen Job hat der 56-Jährige bisher noch nicht. „Es gibt Zukunftsplanungen“, erklärt er. Details will er nicht bekanntgeben, er sei in Gesprächen.

Auch zu den Gründen der Trennung äußern sich beide Seiten nicht. Aber hinter den Kulissen wird über diese Personalie debattiert. Denn Thieß hat jahrelang die Kommunalpolitik geprägt – und an entscheidenden Stellen in städtischen Gesellschaften gearbeitet.

Unbestritten ist, dass Thieß und der neue Stadtwerke-Chef Schäffner über Kreuz liegen. Der ist seit Juli 2014 im Amt. Zwar ist Schäffner der Chef von Thieß, aber der disziplinarische Vorgesetzte ist Nibbe. Der hatte Thieß 2010 als Personalchef ins Unternehmen geholt. Nibbe selbst verlässt den Konzern ebenfalls: Er geht im Frühjahr 2017 in Rente. Das Problem für Schäffner: Thieß hatte Macht. Als Personalchef saß er an zentraler Stelle in dem Stadtwerke-Konzern. Grund für seinen erheblichen Einfluss ist auch das Konstrukt des Konzerns. Auf der einen Seite gibt es die Stadtwerke mit Chef Schäffner, auf der anderen den Stadtverkehr mit Geschäftsführer Nibbe. Die beiden Unternehmen sind in einer Holding vereint, die darüber thront. Schäffner und Nibbe sind auch dort die Chefs. In dieser Holding war Personalchef Thieß angesiedelt – mit vielen Einblicken und Einfluss auf die Unternehmenspolitik.

Überraschend: Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Holding hat Thieß’ Aufhebungsvertrag zugestimmt – einstimmig. Heißt: Auch die Betriebsräte und die Gewerkschafter haben den Weggang abgesegnet oder wollten diesem nicht im Wege stehen. Je nach Lesart. „Das Tischtuch ist zerschnitten“, sagen Insider. Das ist bemerkenswert. Denn der Sozialdemokrat war einst hauptamtlicher Gewerkschafter. Thieß ist gelernter Verwaltungsfachangestellter. Bis 2001 leitete er die ÖTV in Lübeck, war danach Mitglied der Geschäftsführung der damals neu gegründeten Gewerkschaft Ver.di. Er übernahm 2002 den Job des Personalleiters bei der städtischen Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), wechselte dann 2010 in den Stadtwerke- Konzern.

Außerdem: Einst saß Thieß als Gewerkschafter im Aufsichtsrat der Stadtwerke. Als SPD-Kreischef (2008 bis 2014) hat er seine Partei vehement auf „links“ getrimmt. Denn die sozialdemokratische Umverteilung ist sein Thema: Das Geld den Reichen nehmen und den Armen geben. Mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 140000 Euro als Personalchef bei den Stadtwerken gehörte Thieß irgendwann aber selbst zu den Gutverdienenden – und erhielt mehr als Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).

Die Arbeitnehmer werfen Thieß vor, er habe die Seiten gewechselt. Sprich: die Position der Arbeitnehmer verlassen und die des Arbeitgebers eingenommen. Mit dem Verve des einstigen Arbeiterkämpfers habe er auch den Posten des Personalchefs ausgefüllt, ist aus Unternehmenskreisen zu hören. Allerdings: Thieß hat bei den Stadtwerken ein Personalmanagement aufgezogen, Gesundheitsförderung aufgelegt und das Umfeld der Mitarbeiter verbessert, so gibt es beispielsweise Eltern-Kind-Büros. Und: Thieß hat eine entscheidende Rolle gespielt in der Stadtwerke-Affäre 2013. Dabei ging es um den damaligen Betriebsratschef Jürgen Oelrich mit einem Jahreseinkommen von 115000 Euro. Thieß und Nibbe hatten das erste Gutachten zu Oelrichs Gehalt in Auftrag gegeben – an den anderen damaligen Stadtwerke-Chefs vorbei. Ein ungewöhnliches Vorgehen.

Geräuschvoll war bisher jeder berufliche Wechsel von Thieß. Als er 2001 von der Gewerkschaft zur LHG ging, sollte er seinen damaligen Posten als Fraktionsvize in der Bürgerschaft aufgeben. Denn es war ein städtisches Unternehmen, in dem er die Stelle als Personalleiter antrat. Roter Filz wurde ihm vorgeworfen. Als er 2010 von der LHG zu den Stadtwerken ging, hagelte es erneut Kritik von allen Seiten. Die politische Konkurrenz vermutete Selbstbedienung, Kumpanei und Vetternwirtschaft hinter Thieß’ Jobwechsel. Er war damals SPD-Kreischef. Jetzt verlässt Thieß die Stadtwerke – leiser und mit Abfindung. Diesmal bleibt die Stichelei aus. CDU und SPD haben sich geeinigt, darauf zu verzichten.

Weitere Wechsel im Stadtwerke-Konzern

Drei wichtige Jobs werden im Stadtwerke-Konzern frei: Neben Personalleiter Peter Thieß verlassen zwei weitere Herren die Chefetage. Gegangen ist Georg Gülpen, käufmännischer Geschäftsführer. Er arbeitet seit 1. Oktober als Geschäftsführer bei den Stadtwerken Itzehoe. Angekündigt hat seinen Weggang Marcus Böske, Chef der Netz Lübeck GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Lübeck. Er wechselt spätestens ab August 2017 in die Geschäftsführung der Energie Südbayern GmbH.

Die Stadtwerke Lübeck sind ein großer Konzern. Die Arbeitsteilung: Die Stadtwerke verdienen das Geld – gut 20 Millionen Euro Plus macht der Energieversorger jedes Jahr (540 Mitarbeiter).

Davon fließen aber 14 Millionen Euro an den Stadtverkehr (647 Mitarbeiter). Die Holding selbst hat 85 Mitarbeiter und kostet die Stadtwerke eine weitere Million Euro.

 Josephine von Zastrow

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