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Lübeck Städtische Altenheime dauerhaft im Minus
Lokales Lübeck Städtische Altenheime dauerhaft im Minus
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23:24 06.11.2013

„Es erscheint sehr schwierig zu verhindern, dass die Seniorenheime dauerhaft defizitär arbeiten“, heißt es in einem Zwischenbericht des Sanierers Jörg Kaminski, der dem Sozialausschuss vorgelegt wurde.

Im vergangenen Jahr entstand ein Verlust von 1,5 Millionen Euro — das ist neuer Rekord. Für dieses Jahr prophezeit Kaminski ein Defizit von 950 000 Euro, ab 2015 sollen es um die 800 000 Euro jährlich sein. 2006 ist der städtische Betrieb erstmals in die roten Zahlen gerutscht, seit 2009 sind die Rücklagen aufgebraucht. Mit zahlreichen Sparmaßnahmen wurde seitdem gegengesteuert — Pflegesatzverhandlungen, Absenkung von Löhnen für bestimmte Tätigkeiten und Erhöhung von Betreuungsentgelten für die Bewohner. Der Sanierer will versuchen, auch das Thema Altersteilzeit wieder aufzugreifen. Dazu soll bei den Beschäftigten der Bedarf abgefragt werden.

„Wir haben bei den Einsparungen das Ende der Fahnenstange erreicht“, erklärte die CDU-Sozialpolitikerin Heidi Menorca. Die Personalkosten der 546 Mitarbeiter machen mit 70 Prozent den Löwenanteil aus. Langjährige Mietverträge und sanierungsbedürftige Immobilien sind der zweite große Posten. Sanierer Kaminski: „Die schwierigsten Häuser werden wir 2014 einer energetischen Begutachtung unterziehen.“ Im Herbst 2014 soll feststehen, wie es mit den acht Häusern weitergeht.

„Das Defizit ist hoch, aber wir sind auf einem guten Weg“, erklärte der SPD-Sozialpolitiker Ingo Schaffenberg. Eine Privatisierung oder Abwicklung der städtischen Altenheime werde es mit der SPD nicht geben, betonte Schaffenberg. Auch Sozialsenator Schindler schließt eine Privatisierung definitiv aus. „Wir blockieren uns nicht mit Denkverboten, aber eine Privatisierung steht nicht auf der Tagesordnung.“ Die städtischen Seniorenheime seien für die Daseinsvorsorge genauso wichtig wie die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ für den heimischen Wohnungsmarkt. Tatsächlich sind 62 Prozent der Bewohner der städtischen Altenheime auf Sozialhilfe angewiesen. Sie hätten nach Auffassung der Sozialpolitiker auf dem freien Markt große Probleme.

Schindler verteidigte die Verluste der Altenheime und bezeichnete sie gegenüber den LN als vertretbar. Seine Rechnung: In den Seniorenheimen würde pro Mitarbeiter und Jahr ein Defizit von 1600 Euro auflaufen. Andere städtische Gesellschaften wie der Stadtverkehr oder der Kurbetrieb würden dagegen fünfstellige Verluste pro Mitarbeiter ausweisen.

Der Sozialausschuss lobte die Belegschaft und den Personalrat für ihre konstruktive Mitarbeit. Die roten Zahlen in Jahresrechnung und Wirtschaftsplan wurden mit großer Mehrheit genehmigt.

dor

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