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Lübeck Städtische Altenheime fast ausgebucht
Lokales Lübeck Städtische Altenheime fast ausgebucht
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23:55 03.02.2016
„In der letzten Woche waren drei Häuser komplett belegt.“ Bereichsleiterin Sigrid Roggensack

Politiker, Gewerkschaften, Bereichsleitung, Senator und Personalrat haben es wie ein Mantra heruntergebetet: Über die Zukunft der städtischen Seniorenheime darf nicht öffentlich debattiert werden, das schadet der Belegung. Sie haben die meisten Debatten hinter verschlossenen Türen geführt: Jede Schlagzeile kostet Anmeldungen. Am Ende entschied die Bürgerschaft, dass zwei von acht Häusern in den nächsten Jahren geschlossen werden. Und wie geht es den Seniorenheimen heute?

Die Belegung liegt aktuell bei 96 Prozent. „In der letzten Woche waren die drei Häuser Elswigstraße, Heiligen-Geist-Hospital und Dornbreite komplett belegt“, sagt Bereichsleiterin Sigrid Roggensack.

Das Haus Schönböckener Straße, das 2019 die Türen schließt, sei „sehr stark nachgefragt“, sagt Roggensack. Boom statt Niedergang — wie passt das zu den Warnungen vor der Negativ- Presse?

„Die Panikmache war völlig unbegründet“, stellt Michelle Akyurt (Grüne) fest. Die Sozialpolitikerin hat sich mehrfach unbeliebt gemacht, weil sie immer wieder versuchte, die Diskussionen über die Altenheime öffentlich zu führen. „Solche Debatten müssen öffentlich geführt werden“, fühlt sich Akyurt bestätigt: „Unser Beschluss in der Bürgerschaft war goldrichtig, weil er die Häuser zukunftsfähig macht.“ Die Menschen könnten durchaus unterscheiden zwischen der sehr guten pflegerischen Arbeit in den Heimen und den unbefriedigenden wirtschaftlichen Zahlen, sagt Henning Stabe (CDU). Alle Politiker hätten stets auf die gute Arbeit der Beschäftigten hingewiesen.

Als Vorsitzender des Sozialausschusses stand Andreas Sankewitz (SPD) an der Spitze derjenigen, die alle Debatten hinter verschlossene Türen verlegen wollten. „Es hat eine Art Solidaritätseffekt eingesetzt“, sagt der SPD-Politiker, „Bewohner und Angehörige wollen unbedingt, dass die Heime in ihren Stadtteilen erhalten werden.“ Statt sich von den Häusern abzuwenden, würden Menschen bewusst ihren Lebensabend in den kritisierten Einrichtungen verbringen. Sankewitz: „Es ist eine Gegenbewegung eingetreten.“

Bereichsleiterin Sigrid Roggensack: „Die Menschen wissen jetzt, woran sie sind.“ Angehörigen und Pflegebedürftigen sei klar, dass das Haus in der Schönböckener Straße noch drei Jahre besteht.

Sozialsenator Sven Schindler (SPD) geht davon aus, dass der Rückgang der Anmeldungen in den beiden Häusern, die geschlossen werden, erst ein bis zwei Jahre vor der Abwicklung erfolgen wird. „Ende 2017 und 2018 rechne ich damit, dass die Nachfrage in der Schönböckener Straße zurückgeht“, sagt Schindler, „dann wird es schwieriger, Zimmer wieder zu vermieten.“ Das Haus in der Schönböckener Straße soll 2019 schließen, der Behnckenhof 2027.

Der Personalrat traut den Zahlen noch nicht. Vorsitzende Beate Herrmann: „Man sollte die Auslastung über einen längeren Zeitraum beobachten.“ Die Gewerkschaft Ver.di sieht bei den Beschäftigten der Altenheime weiterhin eine große Verunsicherung. „Unsere Mitglieder fragen uns, wo sie künftig arbeiten werden“, sagt Gewerkschaftssekretärin Magda Tattermusch. Die aktuellen Belegungszahlen seien eine „Momentaufnahme“. Tattermusch: „Wir warten immer noch auf ein Konzept, wie die Stadt die Seniorenheime zukunftssicher machen will.“ Auch Sozialsenator Schindler räumt ein, dass die Schließung von zwei Häusern alleine noch kein Zukunftskonzept ist. Schindler: „Die Heime müssen moderner werden, wir müssen über einen Neubau nachdenken.“

Kai Dordowsky

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