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Lübeck Standesamt: Verkauf ist vorerst gestoppt
Lokales Lübeck Standesamt: Verkauf ist vorerst gestoppt
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09:59 31.01.2016
Wird sich hier weiterhin getraut? 1967 hat die „Trave“ das 1804 gebaute Haus von der Stadt übernommen, 1968 saniert und erweitert. Die Lindesche Villa ist sanierungsbedürftig, muss für rund 500 000 Euro instandgesetzt werden. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Dpa

Im vergangenen September schienen die Tage des Standesamtes in der Lindeschen Villa in der Ratzeburger Allee gezählt. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und Matthias Rasch, Chef der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“, machten klar, dass das Gebäude verkauft werden solle. Dazu aber braucht die Hochzeiten- Behörde einen neuen Standort.

Auserkoren war das Zeughaus. Ein nicht-öffentlicher Bericht des Gebäudemanagements listet jetzt die Kosten für die Verlagerung des Standesamtes in das Zeughaus auf — grob geschätzt werden dafür 2,4 Millionen Euro fällig.

Das Zeughaus müsste barrierefrei hergerichtet, die Räume müssten für das Standesamt umgerüstet und Parkplätze vor dem Gebäude gebaut werden. Das ist aber noch nicht alles. Die Völkerkundesammlung mit 26000 Objekten müsste aus dem Zeughaus ausziehen. Wohin, ist völlig unklar. Allein der Umzug der Sammlung könnte nach Schätzungen eine weitere Million verschlingen. „Bei diesen Summen erschließt sich mir die Rentabilität nicht“, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos), „ich sehe noch nicht, dass es tatsächlich zu einer Verlagerung kommt.“

Mit überwältigender Mehrheit hat die Bürgerschaft deshalb das Projekt angehalten. Der Verkauf der Lindeschen Villa wird nur vollzogen, wenn es für Standesamt und Völkerkundesammlung dauerhafte, neue Standorte gibt. Im März soll Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) Vorschläge unterbreiten. „Vorher hat ein Umzug keinen Sinn“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Zander.

„Was die Verwaltung macht, ist grob unproduktiv“, kritisiert Thomas Rathcke (FDP) und fordert ein Ende der Verkaufsüberlegungen. Rathcke: „Das ist finanzieller Unfug.“ Bruno Böhm (Freie Wähler) stimmt zu: „Wir wollen keinen Verkauf.“ Dazu müsste die Bürgerschaft allerdings einen alten Beschluss aufheben, der die „Trave“ zwingt, sich von Immobilien zu trennen, die nicht zum Wohnen benötigt werden. So weit will die Mehrheit der Bürgerschaft nicht gehen. „Es ist ja möglich, dass ein Käufer den Standort mit dem Standesamt als Mieter übernimmt“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau, „dann kann die Lindesche Villa schon jetzt verkauft werden.“

Tatsächlich gibt es Interessenten, berichtet „Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch. Eine ganze Reihe von möglichen Erwerbern sei durch die LN-Berichterstattung auf das Objekt aufmerksam geworden.

„Wir favorisieren den Verkauf der Villa“, sagt Rasch, „denn wir brauchen dringend Eigenkapital für den Wohnungsbau.“ Die von der „Trave“ abgekündigte Ausschreibung ist aber noch nicht auf dem Weg.

Rasch will abwarten, was der Bürgermeister im März der Bürgerschaft präsentiert. Der „Trave“-Chef: „Wir brauchen eine klare Perspektive.“ Saxe bezeichnet den Bürgerschaftsbeschluss als „Meinungsäußerung, die ich mit Interesse zur Kenntnis genommen habe“. Überlegungen zum zukünftigen Standort des Standesamtes seien damit aber nicht gestoppt.

Silke Mählenhoff (Grüne) bringt die leerstehenden Gebäude der Bundesbank am Holstentor ins Gespräch. Die Stadt sollte der Bundesbank ein Kaufinteresse signalisieren, beschloss die Stadtvertretung.

Das sieht der Bürgermeister sehr skeptisch. Saxe: „Die Bundesbank ist sehr teuer und steht erst 2020 zur Verfügung.“

Kai Dordowsky

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