Lübeck. Bei einer Modenschau in der Hüxstraße wurden sie verkuppelt. Zwei Geschäftsfrauen aus der Einkaufsstraße stellten im August 2011 den Kontakt zwischen Kerstin Kriese und Katharina Boye her. Kriese hatte schon lange ein Auge auf den Laden in der Hüxstraße 35 geworfen. Katharina Boye, die das Altstadthaus von ihrem Vater geerbt hatte, wollte aus den Räumlichkeiten etwas machen. „Wir beide mögen Kaffee, Schokolade, Kuchen und etwas mit den Händen zu machen“, sagt Kriese. Das passte. Am 24. Mai 2012 eröffneten sie die Kaffeerösterei und Schokoladenmanufaktur Abessa. Aus dem anfänglichen Team mit vier Aushilfen sind inzwischen vier festangestellte Mitarbeiter und fünf Aushilfen geworden. Beim LN-Existenzgründerpreis gehörten die Lübeckerinnen in diesem Jahr zu den vier Finalisten. „Das war ein toller Erfolg, auf den wir sehr stolz sind“, sagt Boye.

Aber nicht nur beruflich passen Kriese und Boye gut zusammen. Aus der zunächst rein geschäftlichen Beziehung ist eine Freundschaft entstanden. „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Kerstin Kriese. Sie schätzt an ihrer Geschäftspartnerin vor allem die positive Ausstrahlung und die innere Ruhe, die sie mitbringt. Boye mag Krieses Kreativität und ihre Fähigkeit, an alles gleichzeitig denken zu können. „Mit einem Mann zusammenzuarbeiten, wäre etwas anderes“, sagt Kriese. Sie würden anders denken und könnten die Situation einer berufstätigen Mutter nicht so gut nachvollziehen. Die 38-Jährige hat zwei Kinder, Boye sogar vier. „Männer haben ein anderes Tempo“, sagt die 44-Jährige. Auch bedingt durch den Spagat zwischen Familie und Beruf planen die beiden eines nach dem anderen.

Auf insgesamt sechs Kinder kommen auch Dr. Christiane Pause (zwei) und Dr. Katharina Jochims (vier). Dank ihrer Gemeinschaftpraxis können die beide Frauenärztinnen neben der Kinderbetreuung auch ihren Beruf ausüben — beide arbeiten Teilzeit. „Das ist ein ideales Modell für zwei Frauen mit Kindern“, sagt Jochims und ihre Kollegin ergänzt: „Es bleibt so auch Zeit, auf Fortbildungen zu gehen.“

Die 43-Jährige hat im Jahr 2004 zunächst alleine an der Ratzeburger Allee begonnen. Im Hinterkopf hatte sie aber immer die Hoffnung, dass Jochims später einsteigen würde. Beide kennen sich aus der Zeit als Assistenzärzte in Eutin. „Ich arbeite auch gerne mit Männern zusammen“, sagt Pause, die dieses Modell für ihre Praxis aber kritisch sieht. „Ich glaube, ich hätte mich einem Mann zu sehr untergeordnet.“ Außerdem gebe es keine Männer, die Teilzeit arbeiten wollen, ergänzt die 47-jährige Jochims. Die Ärztinnen schätzen den fachlichen Austausch, aber auch, dass sie über den betriebswirtschaftlichen Teil ihrer Praxis zusammen sprechen können.

Privat treffen sich die Ärztinnen jedoch nicht. „Das wäre sonst zu nah“, sagt Christiane Pause, woraufhin Katharina Jochims lachend einwirft: „Obwohl wir gut befreundet wären.“ Die privaten Verabredungen wollen sie später, im Ruhestand nachholen. „Dann spielen wir zusammen Tennis“, sagt Jochims.

Kathrin Wildhagen und Schirien Fahmi treffen sich auch privat — in letzter Zeit allerdings nicht mehr so oft. Denn seitdem die Freundinnen im September 2011 in der Beckergrube zusammen das Café Wild & Fahmos eröffneten, sehen sich die 39-Jährigen bereits den ganzen Tag. Seit der zwölften Klasse sind Wildhagen und Fahmi befreundet, nach dem Abitur in Schriesheim in der Nähe von Heidelberg verloren sie sich jedoch aus den Augen. Fahmi studierte in Stuttgart Architektur, Wildhagen in Göttingen Zahnmedizin.

15 Jahre später, als beide im Norden lebten, fanden sie über ein soziales Netzwerk wieder zusammen. „Wir waren beide beruflich unzufrieden“, erzählt Wildhagen, die schon immer gerne gebacken hat.

2011 erfüllten sie sich schließlich in Lübeck ihren Traum vom eigenen Café. „Es ist sehr gut angelaufen“, resümiert Wildhagen. Auch Fahmi zieht ein positives Fazit: „Im Moment ist es das, was wir wollen.“ Die Freundinnen verstehen sich nicht nur privat, auch beruflich liegen sie auf einer Wellenlänge. „Wir waren uns bei allen Sachen total einig“, sagt Wildhagen. Probleme als Frau in der Geschäftswelt hat die 39-Jährige noch nicht erlebt — ganz im Gegenteil: „Bei Männern wird der Erfolg erwartet, bei Frauen ist er verdient.“

Premiere in Lübeck
Die erste Lübecker Frauen-Bürgerschaft tagt heute von 15 bis 18 Uhr im Rathaus. Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spricht morgen am Internationalen Weltfrauentag um 19 Uhr in der Brücke, Engelsgrube 47, über Kinder und Karriere. Anmeldungen unter Telefon 04 51/ 384 68 95. Die Linke lädt anlässlich des Frauentages für Sonnabend, 9. März, um 16 Uhr zum Empfang in den Audienzsaal ein. Anmeldungen unter Telefon 04 51/122 23 72.

Julia Konerding