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Lübeck Startklar: Einkaufen ganz ohne Plastik
Lokales Lübeck Startklar: Einkaufen ganz ohne Plastik
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07:24 13.04.2017
Gerlinde Elmer (31, l.) und Wiebke Euler (30) stehen in ihrem Unverpackt-Laden und räumen erste Kisten aus. In der Fleischhauerstraße wollen sie Lebensmittel ohne Kunststoffverpackungen anbieten. Quelle: Fotos: Cosima Künzel, Daniela Bunu
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Der Tresen steht, Kissen liegen im Schaufenster – und erste Waren sind auch schon da. Die Eröffnung des Lübecker Unverpackt-Ladens geht auf die Zielgerade.

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Unverpackt-Laden bereitet Eröffnung in der Fleischhauerstraße vor – Auch die VHS hat das Thema aufgegriffen.

Sehr giftig

Dreiviertel des Mülls im Meer besteht laut Bundesumweltamt aus Kunststoffen, deren Abbau Jahrhunderte benötigt. Bei der Zersetzung geben sie giftige und hormonell wirksame Zusatzstoffe an die Umwelt ab. Als pulverartige Partikel bleiben diese wahrscheinlich für immer im Meer. Mehr Infos: umweltbundesamt.de

„Mittlerweile sind wir für den Aufbau jeden Tag im Laden und bekommen viel positives Feedback“, erzählt Inhaberin Wiebke Euler (30), während sie mit Stellvertreterin Gerlinde Elmer (31) im Schaufenster sitzt. Hier soll eine Sitzecke entstehen, in der man ab Sonnabend, 22. April (10 bis 16 Uhr), Kaffee trinken und den Blick nach draußen genießen kann. Zu den ersten Gästen werden die Leute gehören, die bei Startnext „Dankeschöns“ gekauft und damit das Gelingen des Projektes gefördert haben. Insgesamt sind so rund 16600 Euro zusammengekommen.

Die Idee ist, dass im Laden, Fleischhauerstraße 38, keine Kunststoffverpackungen verwendet werden. Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit oder kaufen ein passendes Gefäß im Laden. So könne jeder sein Produkt selbst abfüllen, die Menge bestimmen und Plastikmüll vermeiden, erklärt Euler. Der Großteil des Sortiments werden Trockenwaren (wie Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte), aber auch Essig und Rohkostöle, Obst und Gemüse sowie Drogerieartikel sein. „Alles möglichst Bio und aus der Region.“

Die Idee eines „plastikfreieren Lebens“ beschäftigt auch Ulrike Elisabeth Rechler (53). Im März hat sie einen VHS-Vortrag zum Thema gehalten und versucht täglich, Schritte in diese Richtung zu gehen.

„Beim Thema Plastik geht es um die Menge, die wir hier freisetzen“, betont die selbstständige Unternehmensberaterin. Deshalb bringe jede Konsumumstellung sofort etwas, sagt Rechler und kann viele ihrer Maßnahmen auflisten.

„Statt Plastiktüten vom Einkauf mitzubringen, bin ich vor längerer Zeit auf Papier umgestiegen“, erzählt sie. „Das Ergebnis waren sehr viele Papiertragetaschen.“ Jetzt hat sie Stofftaschen vom Kleidermacher-Atelier. „Die sind schön und stabil.“ Statt Kunststoffbehälter für Lebensmittel verwendet sie Schraubgläser aus Steingut oder Glas. Gemüse und Obst bevorzugt sie unverpackt, saisonal und regional. „Käse, Wurst und Fleisch kaufe ich möglichst frisch“, sagt sie. Aus hygienischen Gründen gebe es diese Produkte über die Theke meist nur verpackt, aber das sei meist weniger Plastik als bei eingeschweißten Produkten.

„Am einfachsten fand ich die Umstellung bei Kosmetikartikeln“, betont die Lübeckerin und erzählt von Haarseifen statt Shampoo und Massagebürsten statt Peelings. Schwieriger sei das Feld der Reinigungs- und Waschmittel. „Aber es bringt schon viel, wenn Haushalte auf Weichspüler und Flüssigwaschmittel in Plastikbehältern verzichten.“ Grundsätzlich hat sie festgestellt, dass es in den Läden durchaus plastikfreie Alternativen gibt. Wer konsequent weitergehen wolle, müsse extra Wege, mehr Einkaufsquellen und bessere Logistik einkalkulieren. Und grundsätzlich gelte: „Nobody is perfect! Ausnahmen bestätigen auch bei mir die Regel.“ Ihr nächster Vortrag findet am 23. September in der Gärtnerei Gut Bliestorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) statt.

 Cosima Künzel

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