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Lübeck Startschuss für die „Essbare Hansestadt“
Lokales Lübeck Startschuss für die „Essbare Hansestadt“
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23:10 07.04.2014
Heinz Egleder pflanzt den ersten offiziellen „Hanse-Apfelbaum“. Quelle: Fotos: Maxwitat, Fotolia
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St. Lorenz Nord

Den ersten Aushub verrichtete ein kleiner Bagger. Auch beim Einsetzen der drei Haltepflöcke gab es technische Hilfe. Dann war alles bereitet für den ersten offiziellen „Hanse-Apfelbaum“. „Für unser Projekt ,Hanse-Apfel‘ ist dies ein großer Tag“, hob Heinz Egleder hervor, der zusammen mit Meike und Martin Barde Ende des vergangenen Jahres die lübsche Initiative aus der Taufe hob. Das Ziel: In und um Lübeck soll auf einer Gesamtfläche von 70 Hektar Streuobst angebaut werden. „In diesem Jahr streben wir erstmal die Zehner-Marke an“, so der Hobby-Pomologe — was mit Obstbaumkundler übersetzt werden kann.

Dass auf der Humboldtwiese in der Dornbreite dazu der Startschuss gegeben werden könne, erfreue ihn besonders, würdigte Umweltsenator Bernd Möller das Engagement. „Schließlich wird momentan auf dieser Fläche ein Mehrgenerationenspielplatz als Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt“, sagte Möller, „und die 24 Bäume, die hier mal wachsen werden, leisten eine wirkliche Aufklärungsarbeit zum Thema Ökologie im urbanen Raum.“ Eingebunden ist der „Hanse-Apfel“ in das städtische Vorhaben der „Essbaren Stadt“.

Dazu Ingrid Bauer aus dem Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz: „Wir streben an, einen Teil der öffentlichen Grünflächen zu einem Garten für die Bürgerinnen und Bürger werden zu lassen.“

Entsprechend seien auf der Humboldtwiese auch Gemüsebeete denkbar. „Die öffentlichen Nutzpflanzen zeigen, wie man sich gesund ernährt und steigern die Wertschätzung für regionale Lebensmittel“, resümiert sie.

Für Heinz Egleder ist dieser Weg nur konsequent. „Wahrscheinlich war Lübeck weltweit die erste Stadt, die angefangen hat, auf Geheiß der Stadtoberen Obstbäume anpflanzen zu lassen. Denn schon im Jahr 1759 hat der Lübecker Senat dazu einen Entschluss gefasst. Wir wollen in Lübeck wieder Straßen schaffen, wo Obst steht“, so sein Entschluss. Dabei haben die Initiatoren vor allem speziell lokale Sorten im Blick, die inzwischen schon sehr selten geworden sind — wie den „Lübecker Marzipanapfel“, den „Ruhm von Lübeck“ oder den „Travemünder Pfannkuchenapfel“. „Von den Lokalsorten gibt es nicht sehr viele, wohl rund ein halbes Dutzend“, berichtete der pensionierte „Spiegel“-Archivar, der entsprechend in der Recherche geübt ist. Sie werden mittlerweile vom Lübecker Obstzüchter Peter Bornholdt nachgezüchtet.

Aber nicht nur das Pflanzen stand bei der „Hanse-Apfel“-Zeremonie auf der Humboldtwiese im Vordergrund. Es ging auch um das Aufrichten eines weiteren Spielgerätes in direkter Nachbarschaft zu den botanischen Hoffnungsträgern. So baute die Freiwillige Feuerwehr Schönböcken — als die Bäumchen gepflanzt und ausreichend gewässert waren — die Kletterwand „Trinity“ auf. „Damit wird hier das erste von insgesamt zehn geplanten Spielgeräte-Pärchen komplettiert“, freute sich Friedhelm Anderl von der Interessengemeinschaft Dornbreite. Möglich gemacht hat das eine Spende des Vereins Brockensammlung. „Wir tragen gern dazu bei, dass diese Fläche für den Stadtteil weiter an Attraktivität gewinnt“, bilanzierte der Vereinsvorsitzende Dr. Marek Lengen.

Pflücken erlaubt
Das Konzept der „Essbaren Stadt“ wird immer populärer. Als bundesweiter Vorreiter gilt Andernach in der Nähe von Koblenz. In der Stadt am Rhein heißt es „Pflücken erlaubt“. Gemüsesorten wie Möhren und Bohnen, Obstsorten, Küchenkräuter oder Schnittpflanzen werden in den Grünanlagen gepflanzt. Jedes Jahr steht eine Nutzpflanze im Fokus. So wurden zum Beispiel im Jahr 2010 an der Stadtmauer
101 Tomatensorten gepflanzt.

Michael Hollinde

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