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Lübeck Wartezeiten nerven Autofahrer: Ständig Stau an der Priwallfähre
Lokales Lübeck Wartezeiten nerven Autofahrer: Ständig Stau an der Priwallfähre
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20:50 22.10.2018
Lange Schlangen vor der Priwallfähre Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Lange Autoschlangen bis zum ehemaligen Parkplatz am Baggersand in Travemünde. Und auf dem Priwall stehen Fahrzeuge bis zur Einmündung zum Passathafen. Autofahrer und andere Passagiere müssen zurzeit gute Nerven haben, denn die Wartezeiten vor den Kassenhäuschen der Priwallfähre sind auf beiden Seiten – und das nicht zum ersten Mal – derzeit oft extrem lang.

Die Autofähre ist die einzige kurze Verbindung von der Halbinsel auf das Festland und umgekehrt, eine wichtige Passage für Berufspendler, Einheimische und Touristen. Zwei Schiffe setzen nach einem festen Fahrplan rund um die Uhr über die Trave - die „Travemünde“ und die „Lübeck“. Jedoch zumindest zurzeit nicht regelmäßig. Immer wieder kommt es zu Ausfällen einer Fähre, was zur Folge hat, dass sich die Kraftfahrzeuge vor beiden Fähranlegern oft bis zu 200 Meter stauen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Personenfähre „Priwall VI“, die noch bis Ende Oktober zwischen Waterfront und Nordermole pendeln sollte, seit Mai wegen eines Getriebeschadens außer Gefecht gesetzt ist und das 53 Jahre alte Ersatzschiff „Priwall IV“ aus Sicherheitsgründen keine Fahrräder mitnehmen darf.

Unverständlich vor allem für Pendler ist, dass zu Stoßzeiten, also zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 15 und 17 Uhr, wenn Berufstätige zur Arbeit oder nach dem Feierabend nach Hause fahren, mitunter nur eine Fähre in Betrieb ist. Damit nicht genug: Die Mitarbeiter, die eigentlich für die Einweisung der Kraftfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger zuständig sind, müssen häufig auch für die Tickets der motorisierten Nutzer kassieren, weil die Kassenhäuschen nicht besetzt sind. Das hält den Betrieb zusätzlich auf. Zudem war die Fähre „Lübeck“ wegen eines Schadens mehrere Tage nicht einsatzbereit, so dass das alte Ersatzschiff „Berlin“ mit seinen engen Fahrspuren wieder in Betrieb genommen werden musste.

Eckhard Erdmann nutzt die Fähre fast täglich, entweder mit dem Fahrrad oder dem Auto. „Ich kann vor allem nicht nachvollziehen, dass oft nur eine Fähre in Betrieb ist“, wundert sich der Vorsitzende der Gemeinschaft der Priwallbewohner. Die Priwallianer erwarteten ein Preis-Leistungsverhältnis, das die Kosten einer Jahreskarte für ein Kraftfahrzeug von 641 Euro erklärbar mache. Dieses Verhältnis stimme nicht. Die Fährkosten seien in den letzten 25 Jahren um mehr als tausend Prozent gestiegen, die Kosten für den ÖPNV in Lübeck dagegen wesentlich geringer.

„Es läuft im Moment wirklich nicht rund, wir bedauern das sehr“, sagt Stadtverkehrs-Sprecherin Gerlinde Zielke. Der Fährbetrieb habe zurzeit mit einem außergewöhnlich hohen Krankenstand zu kämpfen. Dazu kämen Urlaubsansprüche, die erfüllt und Pausen, die eingehalten werden müssten. Dadurch käme es immer wieder zu Personalengpässen, die trotz straffer Dienstplanung auch zu Hauptverkehrszeiten nicht vermieden werden könnten. „Das ganze Team ist sehr bemüht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Wir haben die Hoffnung, dass es sich bald wieder normalisiert“, versichert Zielke.

Problematisch sei zudem, dass Fachpersonal für die Fähre schwierig zu bekommen sei. „Wir können nicht einfach jemanden einstellen, der nach drei Tagen die Fähre steuern kann. Eine Ausbildung zum Fährführer dauert drei Jahre“, so die Stadtsprecherin. Von den insgesamt 32 Frauen und Männern des Fährbetriebs haben 16 das Patent, eine Fähre zu steuern. Im nächsten Jahr kommt ein neuer hinzu. „Wir suchen weiterhin intensiv nach Personal“, sagt Zielke. Eine kleine Erleichterung und somit Verbesserung des laufenden Betriebs erhofft sich Gerlinde Zielke davon, dass in den Wintermonaten weniger Fahrgäste die Fähre nutzen. Zudem werde der Betrieb der Personenfähre Ende Oktober eingestellt, so dass ein weiterer Fährführer zur Verfügung stünde.

Thomas Krohn

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